Kirche in der Pandemie: Corona als Beschleuniger und Zerstörer

München - Gottesdienste online oder nur mit wenigen Gläubigen, Singen zeitweise verboten, Maskenpflicht: Die Corona-Pandemie hat das kirchliche Wirken durcheinandergewirbelt. Nicht nur zum Nachteil - meint ein Bischof.

Die Pandemie habe einen wichtigen Anstoß gegeben, über neue Formen kirchlicher Präsenz in der Öffentlichkeit nachzudenken. (Symbolbild)
Die Pandemie habe einen wichtigen Anstoß gegeben, über neue Formen kirchlicher Präsenz in der Öffentlichkeit nachzudenken. (Symbolbild)  © Ronny Hartmann/dpa

Die entsprechenden Coronavirus-Auflagen in München, dem Freistaat und ganz Deutschland haben die Arbeit in den jeweiligen Kirchgemeinden nach Ansicht des Würzburger Bischofs Franz Jung (55) erheblich beeinflusst - positiv wie negativ.

"Der Rückgang des Gottesdienstbesuches wurde beispielsweise durch die Corona-Einschränkungen beschleunigt", sagte Jung der Deutschen Presse-Agentur. "Vor allem ältere Gemeindemitglieder ziehen es seit den Streaming-Angeboten vor, von zu Hause aus den Gottesdiensten zu folgen."

Die Kontaktbeschränkungen beeinträchtigten zudem das Engagement vieler Gläubiger. "Wir spüren die empfindlichen Einbrüche bei der Ministranten- und Jugendarbeit, die Schwierigkeit der Gremien, unter Corona-Bedingungen nur über Video zu kommunizieren, und müssen mit Bedauern die Auflösung nicht weniger Kirchenchöre zur Kenntnis nehmen", führte Jung weiter aus.

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Schwer sei es darüber hinaus derzeit, gefährdete Menschen derzeit seelsorgerisch zu begleiten.

"Hier stehen nachvollziehbare Hygiene-Standards, die leider zu totaler Isolierung von Patienten oder Heimbewohnern führen, im Gegensatz zum Wunsch nach Betreuung und Fürsorge", sagte Jung zur Situation. Andererseits wirke die Pandemie als Beschleuniger, "der Entwicklungen nur rascher vorantreibt, die schon längst im Gange waren oder sind".

Kirche hat bei Digitalisierung einen Schritt nach vorne gemacht

Der Würzburger Bischofs Franz Jung (55) hat sich zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie geäußert.
Der Würzburger Bischofs Franz Jung (55) hat sich zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie geäußert.  © Daniel Karmann/dpa

Coronabedingt habe die Kirche bei der Digitalisierung nachgerüstet. "Wir sind noch dabei zu entdecken, welche Möglichkeiten die neuen Medien bieten für die Verkündigung und für verschiedene Formen von Gottesdiensten jenseits der Eucharistiefeier", erklärte Jung zum Thema.

Insofern habe die Pandemie einen wichtigen Anstoß gegeben, über neue Formen kirchlicher Präsenz in der Öffentlichkeit nachzudenken. Jung bedauerte darüber hinaus die "ungeheure Polarisierung zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern".

Dies gehe keinesfalls spurlos vorüber. "Das ist sehr unschön. Als Christen sollten wir die Pandemie als Einladung begreifen lernen, durch solidarisches und verantwortungsbewusstes Handeln zum Zusammenhalt der Gesellschaft beizutragen."

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Würzburg ist eines von sieben Bistümern in Bayern und liegt im Norden. Es gehört zur Kirchenprovinz der Erzdiözese Bamberg. Etwa 700.000 der rund 1,3 Millionen Einwohner, die auf dem Gebiet des Bistums leben, sind Katholiken.

Titelfoto: Montage: Ronny Hartmann/dpa, Daniel Karmann/dpa

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