Klopapier-Studie erklärt Hamsterkäufe: Es kommt auch auf die Größe an!

Köln - Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde über die speziellen Hamsterkäufe der Deutschen geschmunzelt: Viele Franzosen füllten ihre Weinkeller auf, Italiener versorgten sich mit Kondomen. Und die Deutschen? Sie kauften massenweise Klopapier. Eine erste Studie von Wissenschaftlern der Universität Köln hat die Klopapier-Hamsterkäufe untersucht und die Leute direkt zur Klopapier-Hamsterei befragt. 

Eine Mitarbeiterin eines Edeka-Marktes füllt Klopapier auf. 
Eine Mitarbeiterin eines Edeka-Marktes füllt Klopapier auf.  © Patrick Seeger/dpa

Ein Ergebnis der Klopapier-Studie: Die Leute haben tatsächlich die Sorge, dass die Vorräte in den Supermärkten ausgehen könnten. Klopier als knappes Gut, wer hätte das vor wenigen Wochen vorhergesagt?

Die Bilder aus den sozialen Medien von leergefegten Klopapier-Regalen sorgen dabei für einen Nachahmungseffekt.

"Wenn die Menschen im Supermarkt nach den einprägsamen Bildern auf Social Media dann selbst vor leeren Regalen stehen, ist das aufgrund der Fläche, die Toilettenpapier einnimmt, besonders auffallend", so Professor André Marchand, Marketingwissenschaftler an der Uni Köln.

Er erklärt: "So lassen sich mehr Menschen von den Hamsterkäufen anderer quasi anstecken, da sie den Eindruck bekommen, besser jetzt auch möglichst mehr zu kaufen, bevor die Produkte wieder vergriffen sind"

Weil Klopapier besonders viel Platz einnimmt, wirkt der Hamstereffekt auf den Bildern gleich viel drastischer. Seife hingegen benötigt viel weniger Platz. 

Dabei zeigt die Statistik des Statistischen Bundesamtes, dass die Nachfrage nach Seife in der Woche vom 16. bis 22. März mehr als vier Mal so hoch als in den sechs Monaten zuvor (+337 Prozent) war.

Die Nachfrage nach Toilettenpapier war mehr als drei Mal so hoch und lag bei plus 211 Prozent. Die Leute hamstern somit sogar noch mehr Seife als Klopapier, obwohl die Fotos von Klopapier in den sozialen Netzwerken dominieren.

Klopapier soll für Sicherheit sorgen

Menschen hamstern momentan viel Klopapier, sichern sich so mental ab.
Menschen hamstern momentan viel Klopapier, sichern sich so mental ab.  © Tom Weller / DPA

Die Hälfte der Klopapier-Käufer gab Angst an, dass Supermärkte geschlossen werden könnten, oder die generelle Machtlosigkeit in der derzeitigen Situation. 

82 Prozent der weiteren Befragten glauben sogar, dass dies ein Grund für das Hamstern bei anderen Menschen ist.

Weitere genannte Gründe sind die lange Haltbarkeit von Toilettenpapier, zusätzliche Käufe für Verwandte und Freunde sowie das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und Kontrolle durch Hamsterkäufe.

Sicherheit bringt das Klopapier somit vor allem im Kopf. Die Psyche bringt Menschen dazu, bestimmte Waren zu hamstern, die sie mit Sicherheit verbinden. Wer viele Vorräte hat, hat sich somit gedanklich abgesichert, egal ob Klopapier vor dem Coronavirus schützt oder nicht.

Dies bestätigen auch die Teilnehmer der Studie, die angaben, selbst nicht mehr als sonst zu kaufen. Sie vermuteten, dass es hauptsächlich am Herdentrieb liege, also sachlich unbegründet sei.  

Die Hamsterkäufer horten nicht nur Klopapier, sondern auch Nudeln und Konserven

Mehr als die Hälfte der befragten Käufer gaben auch an, andere Produkte wie Nudeln, Konserven und Hygieneartikel mehr als üblich gekauft zu haben, so die Wissenschaftler in ihren Ergebnissen.

Professor Marchand zog bereits ein Zwischenfazit zur bisherigen Untersuchung, die noch ausgebaut werden soll: "Unsere Studie hat bereits spannende Einblicke über die Beweggründe der Hamsterkäufer in Deutschland gegeben." 

Und weiter: "Derzeit ist geplant, die Befragung auf andere Länder auszudehnen, um mehr über kulturelle und regionale Unterschiede zu lernen und nach der Coronakrise zu wiederholen." Für die Umfrage befragte das Team 250 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland am 23. März 2020.

Titelfoto: Patrick Seeger/dpa

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