Kommentar: So raubt man unseren Kindern die Bildungs-Chancen

Leipzig - Wer Schulen schließt, raubt Kindern die Bildungschancen. Dieser Ansicht ist TAG24-Redakteur Alexander Bischoff, der in seinem Kommentar die Ursache nicht im Virus, sondern in der Unfähigkeit der Politiker sieht.

TAG24-Kommentator Alexander Bischoff hält dauerhafte Schulschließungen für einen Fehler.
TAG24-Kommentator Alexander Bischoff hält dauerhafte Schulschließungen für einen Fehler.  © Ralf Seegers

Die Chaos-Politik geht weiter. Sachsen will die Schulen auch über den aktuellen Lockdown hinaus geschlossen halten (TAG24 berichtete). Das Gros der Schüler soll bis Monatsende zu Hause bleiben.

Das heißt: Weiter Homeschooling mit einer Lernplattform, die sich angesichts dauerhafter Systemabstürze zunehmend als unbrauchbar erweist. Weiter soziale Isolation statt Interaktion. Was die Politik unseren Kindern hier antut, ist unerhört und schlichtweg verantwortungslos.

Es war nie Politik, die Gesellschaften maßgeblich entwickelt hat. Es waren immer Bildung und Kultur, die unsere Zivilisation vorangetrieben haben.

Kultur ist seit Monaten gestrichen, die Bildung eingefroren. Und warum? Weil der Politik aktuell ihre Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte um die Ohren fliegen.

Weil ein gnadenlos auf wirtschaftliche Effizienz getrimmtes Gesundheitswesen plötzlich an seine Grenzen stößt. Weil die über Jahre vernachlässigte Pflegebranche zum wiederholten Mal kollabiert. Weil es die Politik nicht geschafft hat, nach dem ersten Lockdown Pflegeheime und andere Gefährdete effektiv zu schützen. Das sind die wahren Gründe, weshalb unsere Kinder jetzt ihrer Bildungschancen beraubt werden.

Schule ist vor allem ein soziales System!

Leere Klassenzimmer – in Sachsen sollen die Schulen weiter geschlossen bleiben. Bis Monatsende sollen allenfalls Abschlussjahrgänge beschult werden.
Leere Klassenzimmer – in Sachsen sollen die Schulen weiter geschlossen bleiben. Bis Monatsende sollen allenfalls Abschlussjahrgänge beschult werden.  © imago images/AFLO

Weder Digitalisierung noch Fernunterricht können Schulen ersetzen. Lernen ist ein sozialer Prozess, der von der Interaktion lebt, von der Begegnung, dem Agieren in der Gruppe, von Anreiz, Lob und Spiegelung. Schule ist vor allem ein soziales System!

Dass Schulen nicht die Treiber der Pandemie sind, haben die Universitätskliniken Leipzig und Dresden in ihren umfangreichen Schulstudien hinlänglich belegt. Unseren Politikern ist das offenbar egal. In ihrem selbst angerichteten Pandemie-Chaos schlagen sie immer wilder um sich. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie Kaninchen auf die Schlange starren sie auf Inzidenz-Statistiken, deren Aussagewert angesichts der chaotischen Meldepraxis und zweifelhafter Testgenauigkeiten fragwürdig ist. Mit der Verbots-Planierraupe wird alles platt gemacht - in der Hoffnung, dass schon irgendein Effekt dabei eintreten werde, der die Statistikkurve abflacht.

Augen zu und durch - das scheint die Devise von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) zu sein, der sich frühzeitig für die Verlängerung der Schulschließungen aussprach.
Augen zu und durch - das scheint die Devise von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) zu sein, der sich frühzeitig für die Verlängerung der Schulschließungen aussprach.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Zurück zu den Schulen: Nicht ein Virus ist verantwortlich für deren Schließung. Es ist die Unfähigkeit unserer Politiker!

Titelfoto: Montage imago images/AFLO; Ralf Seegers

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