Kontakt-Beschränkungen auch für Geimpfte gefordert: Olaf Scholz zieht alles in Betracht

Berlin/Halle - Die Wucht der vierten Corona-Welle und die Ausbreitung einer im südlichen Afrika entdeckten Virusvariante erhöhen den Druck auf die Politik in Deutschland, schnell härtere Corona-Maßnahmen zu ergreifen. Die bisherigen Schritte reichen aus Sicht führender Wissenschaftler nicht aus, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert eine rasche und deutliche Reduzierung von Kontakten, auch bei Geimpften und Genesenen.

Olaf Scholz (63, SPD) sprach von "neuen dramatischen Herausforderungen" und schließt nichts aus. Womöglich wird es weitere Einschränkungen - auch für die Gastro-Szene - geben.
Olaf Scholz (63, SPD) sprach von "neuen dramatischen Herausforderungen" und schließt nichts aus. Womöglich wird es weitere Einschränkungen - auch für die Gastro-Szene - geben.  © Montage: Paul Zinken / DPA, Michael Kappeler/dpa

Der voraussichtlich neue Kanzler Olaf Scholz (63, SPD) sprach von "neuen dramatischen Herausforderungen" und betonte, es gebe nichts, was nicht in Betracht gezogen werde.

Die Sieben-Tages-Inzidenz erreichte am Samstag mit 444,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner einen neuen Höchstwert.

Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 67 125 Corona-Neuinfektionen und 303 Todesfälle.

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Die Impfkampagne gewinnt derweil an Fahrt. Inzwischen haben mehr als 10 Prozent (8,6 Millionen Menschen) der Bevölkerung eine Auffrischungsimpfung erhalten. 56,9 Millionen Menschen und damit 68,4 Prozent der Gesamtbevölkerung sind vollständig geimpft, 59,1 Millionen Menschen mindestens einmal.

Das entspricht einer Quote von 71,1 Prozent, wie aus Zahlen des RKI vom Samstag hervorgeht.

Aus Sicht der Leopoldina ist das nicht ausreichend.

Die Impfkampagne müsse massiv verstärkt und eine Impfpflicht stufenweise eingeführt werden, betont die Akademie in ihrer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme.

Ungeimpfte müssten so schnell wie möglich geimpft werden, dazu müssten sie motiviert oder in die Pflicht genommen werden. Wichtig sei eine rasch eingeführte berufsbezogene Impfpflicht für Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachberufe. Insgesamt sollten bis Weihnachten neben Erst- und Zweitimpfungen rund 30 Millionen Drittimpfungen ermöglicht werden, so die Leopoldina.

Leopoldina fordert vorgezogene Weihnachtsferien

Die Leopoldina fordert vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Test mindestens dreimal pro Woche in den Schulen.
Die Leopoldina fordert vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Test mindestens dreimal pro Woche in den Schulen.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

!Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren", verlangen die Wissenschaftler, zu denen auch der Berliner Virologe Christian Drosten gehört.

"Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen."

Neue Virusvarianten machten schnelles und konsequentes Handeln noch dringlicher.

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Mit Blick auf Kinder und Jugendliche empfiehlt die Leopoldina vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Tests mindestens dreimal pro Woche. Während des gesamten Aufenthalts in den Schulen sollten Lehrer und Schüler aller Klassenstufen Masken tragen.

"Eine Aussetzung der Präsenzpflicht und ein Wechselunterricht an Schulen sowie die Schließung von Kitas sollten möglichst vermieden werden."

Auch RKI-Chef Lothar Wieler mahnte erneut, um die vierte Welle zu brechen, sei es wesentlich, Kontakte zu verringern. Großveranstaltungen dürften nicht stattfinden, sagte Wieler bei einem virtuellen Bürgerdialog. Die Impflücke müsse schnell geschlossen werden. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) bezeichnete die Verlegung von Intensivpatienten als "Weckruf", sich impfen zu lassen.

Titelfoto: Montage: Paul Zinken / DPA, Michael Kappeler/dpa

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