Corona-Langzeitfolgen: Viele Fragen noch immer nicht geklärt

Leipzig - "Wir erleben es immer wieder, dass sich Patienten, besonders nach der stationären Entlassung, nicht wieder so gesund fühlen, wie vor der Covid-19-Erkrankung." Was Prof. Dr. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena, anspricht, ist die Zeit nach einer überstandenen Corona-Infektion. Viele Fragen stehen noch offen.

Auch junge Patienten ohne Vorerkrankung, die eine Corona-Infektion hinter sich haben, klagen laut den Forschern teilweise über Langzeitfolgen.
Auch junge Patienten ohne Vorerkrankung, die eine Corona-Infektion hinter sich haben, klagen laut den Forschern teilweise über Langzeitfolgen.  © Marko Kujavic/123RF

Besonders bedenklich für die Forscher: Die Liste an Krankheitsbildern ist lang. Einheitliche Symptome gibt es nicht. 

"Manche klagen über Lungen-, Herz- oder auch Darmbeschwerden, berichtet wird uns aber auch von Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit oder Depressionen. Viele Menschen fühlen sich allgemein krank, teils auch ohne klare Symptome", so der Arzt.

Auch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus berichtete darüber, dass es schwierig sei, innerhalb der kurzen Beobachtungszeit genau zu sagen, wie sich das Virus nachhaltig im Körper verhält. 

"Besonders besorgniserregend ist die große Bandbreite an Symptomen, die sich im Laufe der Zeit verändern, oft überschneiden und jedes System im Körper betreffen können", so Tedros.

Laut einer frühen Studie des King’s College London im Sommer des Jahres, litten fast zehn Prozent der 3,9 Millionen Menschen, die an einer Symptom-Studie teilgenommen hatten, unter den Langzeitfolgen ihrer Erkrankung.

Besonderes Augenmerk liegt laut Professor Dr. Marius Hoeper, kommissarischer Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover darauf, dass es nicht nur schwere Krankheitsverläufe dabei betrifft: "Diese Spätfolgen zeigen sich nicht nur bei Patientinnen und Patienten, die schwer betroffen waren und stationär behandelt wurden, sondern auch bei solchen mit mittlerem oder mildem Krankheitsverlauf." 

Häufig dabei: junge Patienten ohne Vorerkrankung.

Es gibt auch gute Nachrichten

Maske tragen ist für viele Menschen lästig. In den Empfehlungen der WHO ist die Wichtigkeit dieser Maßnahme aber klar verankert.
Maske tragen ist für viele Menschen lästig. In den Empfehlungen der WHO ist die Wichtigkeit dieser Maßnahme aber klar verankert.  © Miljan Živković/123RF

Auf Basis dieses Wissens unterstrich die WHO Ende Oktober die Wichtigkeit der Maßnahmen wie der Kontaktverfolgung - daraufhin wurden nach einer Tagung zwölf Empfehlungen an Staaten gegeben.

Denn laut Studien aus Regensburg und Hamburg können die Langzeitfolgen auch neurologischer Natur sein. 

Prof. Dr. Markus Glatzel, Direktor des Instituts für Neuropathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, dazu: 

"Neben Komplikationen in Lunge, Herz und Nieren kann es bei COVID-19 auch zu neurologischen Symptomen kommen. Diese weisen ein breites Spektrum auf und reichen von diffusen Beschwerden milder Ausprägung bis hin zu schweren Schlaganfällen."

Die gute Nachricht zum Schluss ist allerdings: Menschen, die auch nach einer Infektion Langzeitfolgen aufweisen, haben eine gute Chance, wieder komplett gesund zu werden. 

Dafür könne der Patient sogar sehr viel selbst tun. Dr. Isabell Pink, Leiterin der Covid-Ambulanz für Genesene an der Medizinischen Hochschule Hannover: "Wir können ihnen nur raten, auf ihren Körper zu hören, insgesamt einen Gang runterzuschalten und gegebenenfalls eine ambulante Reha zu beantragen."

Titelfoto: Marko Kujavic/123RF

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