Diese Patienten trifft das Coronavirus besonders schwer

Leipzig - Das Coronavirus hat auch Leipzig fest im Griff. Die Leute müssen mit Einschränkungen leben, sich anpassen: "Mit dem Shutdown hat sich für alle Menschen der Alltag verändert", sagt auch Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

Menschen mit psychischen Krankheiten würde das Coronavirus am schwersten treffen. (Symbolbild)
Menschen mit psychischen Krankheiten würde das Coronavirus am schwersten treffen. (Symbolbild)  © 123rf.com/archnoi1

Auch in der Klinik ist die Veränderung deutlich spürbar. Besonders eine Menschengruppe haben die Veränderungen schwer getroffen: 

"Für viele Menschen mit schweren psychischen Krankheiten sind die Veränderungen besonders schwerwiegend: Statt persönlicher Gespräche sind nur Telefonsprechstunden möglich, Beratungsstellen in der Stadt wurden geschlossen, soziale Kontakte fallen weg, die bisherige Struktur des Alltags und vor allem der Austausch mit anderen sind gestört. Das ist eine Herausforderung – für die Patienten, aber auch für uns", so Schomerus.

Auf der Webseite der Klinik werden deshalb für die Patienten die E-Mail-Adressen der Ärzte, Psychologinnen und Sozialarbeiter aufgeführt. So können auch telefonische Einzel-Termine vereinbart werden. 

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Zudem gibt es unter der Nummer 0341/9724444 eine Hotline für Menschen in Krisensituationen. Sie ist täglich von 11 von 15 Uhr erreichbar. 

"Daneben werden in ganz dringenden Fällen natürlich auch Termine vereinbart, bei denen sich Patienten persönlich bei uns vorstellen. Das versuchen wir aber, im Rahmen zu halten. Denn auch für uns gilt es, keine Infektionsketten zuzulassen", erklärt der Direktor.

"Am Ende entstehen echte psychiatrische Notfälle"

Das Uniklinikum in Leipzig bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Patienten zu unterstützen.
Das Uniklinikum in Leipzig bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Patienten zu unterstützen.  © Hendrik Schmidt / dpa-Zentralbild / picture alliance / dpa

Die Klinik hat sich noch andere Dinge einfallen lassen, um die Patienten bestmöglich zu unterstützen.

Die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) bietet den Patienten beispielsweise Gruppen-Chats an. 

"Mithilfe dieses Projektes soll unseren Patientinnen und Patienten der Austausch mit Therapeuten und Mitpatienten ermöglicht werden", erklärt Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge, Oberärztin und Leiterin der PIA. 

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"Die aktuelle Situation macht es schwer, ambulante psychiatrische Patienten weiter ausreichend psychiatrisch und psychosozial versorgen zu können. Denn viele unserer Patienten, die sonst regelmäßig und mehrmals wöchentlich unsere Therapie- und Gruppenangebote nutzen, können dies aktuell nicht tun. Deshalb bieten wir unseren Patienten diagnosespezifische Chats an." 

Einen positiven Nebeneffekt gibt es: Manchen Patienten würde es sogar leichter fallen, über bestimmte Themen in einem Chat zu schreiben. 

Schomerus wiederum berichtet, dass es für die Patienten immer schwerer wird, je länger die Kontaktsperre dauere: "Am Ende entstehen echte psychiatrische Notfälle. Wer Schwierigkeiten hat, soll sich gerne bei uns melden. Wir suchen dann gemeinsam eine Lösung."

Titelfoto: 123rf.com/archnoi1

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