Leipziger Virologe warnt vor Corona-Welle im Osten: "Käme Situation in Norditalien nahe"

Leipzig - Ab dem heutigen Samstag werden die Corona-Regeln in Sachsen weiter gelockert. Ob Besuche von Pflegeheimen, Schwimmhallen und Saunen, Busreisen und Familienfeiern - eine Verbotsverordnung soll es laut Gesundheitsministerin Petra Köpping (61, SPD) nicht mehr sein. Genau das ist dem Leipziger Virologen Prof. Uwe Liebert aber ein Dorn im Auge. 

v.l.n.r.: Infektiologe Prof. Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektion und Tropenmedizin, der Direktor des Instituts, Prof. Uwe Liebert und der Diplom-Biologe Tom Berthold.
v.l.n.r.: Infektiologe Prof. Christoph Lübbert, Leiter des Bereichs Infektion und Tropenmedizin, der Direktor des Instituts, Prof. Uwe Liebert und der Diplom-Biologe Tom Berthold.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Jahrmärkte, Diskotheken-Besuche, Sportveranstaltungen mit Publikum und Großveranstaltungen ab 1000 Besuchern sollen zwar weiter verboten bleiben. 

Zu wenig aus Sicht von Liebert, der Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig ist. 

"Wenn wir hier nicht genau hinschauen, dann können sich Infektionen über längere Zeit unbeobachtet ausbreiten", so Liebert in dem MDR-Magazin "Hauptsache gesund". 

"Dies käme der Situation in der Anfangsphase der Covid-Erkrankungen in Norditalien nahe." 

Besonders die Region um Bergamo war heftig und innerhalb kürzester Zeit mit vielen Infektionen betroffen.

Uwe Liebert verstehe, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aufgrund der aktuell minimal Anzahl an Neuinfektionen nicht länger aufrecht gehalten werden können. Von Verbot zu Gebot zu wechseln, könne aber zu einem gefährlichen Missverständnis führen: "Die Corona-Krise ist nämlich noch nicht überwunden!"

Vorsicht in geschlossenen Räumen!

Der Virologe befürworte eher ein schrittweises Vorgehen mit Überprüfungen der Lockerungen nach zwei bis drei Wochen - vor allem bei Schulen und Kitas.

Dr. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz, ergänzte, dass allen bewusst sein muss, dass Lockerungen bei lokalen Covid-Ausbrüchen schnell wieder eliminiert werden könnten. 

Grünewald machte zudem auf ein bis zu 20 Mal höheres Verbreitungsrisiko des Virus in geschlossenen Räumen aufmerksam.

Neben den Lockerungen in Sachsen ab dem heutigen Samstag plant Nachbarland Thüringen eine Aufhebung der Kontaktbeschränkung voraussichtlich Mitte Juni. 

Titelfoto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

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