Macht Kitas und Schulen auf! Kinderärzte schlagen Alarm und sprechen über Triage in Jugendpsychiatrien!

Berlin - Kinder- und Jugendärzte sprechen von einer politischen Vernachlässigung von Kindern in der Pandemie. Eindringlich fordern sie die Öffnung von Kitas und Schulen.

Ein Schild weist in der Kinder und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Tübingen auf den Abstand im Warteraum hin. Psychische Störungen bei Jugendlichen haben infolge des Lockdowns in der Corona-Pandemie nach Auskunft eines Experten erheblich zugenommen und müssten mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Ein Schild weist in der Kinder und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Tübingen auf den Abstand im Warteraum hin. Psychische Störungen bei Jugendlichen haben infolge des Lockdowns in der Corona-Pandemie nach Auskunft eines Experten erheblich zugenommen und müssten mehr Aufmerksamkeit erhalten.  © Sebastian Gollnow/dpa

Kinder- und Jugendmediziner fordern schnelle Schul- und Kitaöffnungen. "Schulen öffnen, Kitas öffnen - natürlich gemäß den geltenden Leitlinien und mit angemessenen Testungen. Jetzt ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, der "Rheinischen Post" (Dienstag).

"Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass sich Menschen, die sich noch nicht impfen lassen können, keine Nachteile davon haben dürfen. Es ist absolut notwendig, selbst wenn Jugendliche in den höheren Jahrgängen geimpft werden können, für Kinder im Grundschulalter, aber auch in mittleren Jahrgängen wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln können."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisierte die politische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie scharf.

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"Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt. In der ersten Phase waren die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene", sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske der "Rheinischen Post".

"Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und 'nur' eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen."

Im kommenden Schuljahr wohl "deutlich mehr Normalität im Schulbetrieb"

Anja Karliczek (50, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, gibt eine Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie.
Anja Karliczek (50, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, gibt eine Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie.  © Kay Nietfeld/dpa

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (50, CDU) forderte von Bund und Ländern mehr Anstrengungen zugunsten der Schüler.

"Die Lage der jungen Generation steht aus meiner Sicht gegenwärtig immer noch viel zu wenig im Mittelpunkt der Diskussion", sagte sie der "Bild" (Dienstag).

Das werde den Sorgen, die "wir uns machen sollten, nicht gerecht". Der Ausfall an Präsenzunterricht habe zu erheblichen Lernrückständen geführt.

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Der Deutsche Lehrerverband hält eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht ab einer Inzidenz von 50 für empfehlenswert.

"Wir haben ja bereits jetzt nur noch wenige Landkreise oberhalb der 165er Inzidenz, die für reinen Distanzunterricht ausschlaggebend ist", sagte ihr Präsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung. Unterhalb der 100er Inzidenz könnten Länder vollständigen Präsenzunterricht anordnen.

"Unsere Auffassung ist allerdings, dass man sich bei vollständigem Präsenzunterricht ohne Abstandsregelung an der Empfehlung des RKI (Inzidenz 50) orientieren sollte, solange viele Lehrkräfte und fast alle Kinder noch nicht geimpft sind".

Für das nächste Schuljahr zeigte sich Meidinger "recht optimistisch, dass da deutlich mehr Normalität in den Schulbetrieb zurückkehrt und bei fortschreitenden Impfungen die Inzidenzen niedrig gehalten werden können".

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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