Zoos klagen wegen Corona-Krise über finanzielle Sorgen: Ist diese Lösung die Rettung?

Mainz/Neuwied - Am Tag der Wiedereröffnung zahlreicher Zoos und Tierparks in Rheinland-Pfalz hat das Land ihnen eine besondere finanzielle Hilfe zugesichert. Wie Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) am Montag in Mainz sagte, sollen sie 80 Prozent der Futter- und Tierarztkosten ersetzt bekommen, die in dem vierwöchigen Zeitraum angefallen sind, in dem sie wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. 

Die Löwen des Zoos in Neuwied.
Die Löwen des Zoos in Neuwied.  © dpa/Thomas Frey

Die Zoos selbst freuten sich zum Wochenauftakt über erste Besucher, noch hielten sich die Zahlen aber in Grenzen. Ken Reise von der Parkleitung des Eifel-Zoos in Lünebach sagte: "Es ist gut, dass wir wieder aufmachen können. Es ist ein kleiner Startschuss zurück in die Normalität". 

Damit der nötige Mindestabstand eingehalten wird, wurden ihm zufolge Absperrgitter am Eingang aufgestellt und Sicherheitsband gespannt, darüber hinaus das Personal aufgestockt. Dass es zu eng werden könnte, fürchtet Reise nicht. "Wir haben einen sehr weitläufigen Park mit über 33 Hektar Freiland." 

Mehr als 3000 Personen würden trotz Mindestabstand in den Park passen. Doch so viele kämen an den besten Tagen nicht. Höfken sagte, es werde nicht ganz unkritisch gesehen, dass die Zoos und Tierparks in Rheinland-Pfalz anders als in anderen Ländern wieder öffnen dürfen. Doch hierzulande seien es nicht die ganz großen Anlagen, zudem gälten die in der vierten Corona-Bekämpfungsverordnung festgehaltenen Auflagen. 

Dort heißt es: "Zoologische Gärten, Tierparks, Botanische Gärten und ähnliche Einrichtungen mit einem weitläufigen parkähnlichen Charakter im Freien sind für den Außenbereich geöffnet, sofern die gebotenen Hygieneanforderungen eingehalten sind und eine strenge Zutrittskontrolle, beispielsweise durch Vorverkauf eines begrenzten Kartenkontingents, erfolgt."

"Es handelt sich hier nicht um das Herbeiführen von Versammlungen und Veranstaltungen", sagte Hökfen. Vielmehr gehe es zum einen darum, den Parks wieder eine gewisse Einnahmequelle zu verschaffen und zum anderen, Familien wieder diese Freizeitunternehmung im Rahmen der Möglichkeiten zu gewähren. 

80 Prozent der Futterkosten auch für Tierheime

Die Pinguine im Neuwieder Zoo dürfen sich seit Montag wieder auf Besucher freuen.
Die Pinguine im Neuwieder Zoo dürfen sich seit Montag wieder auf Besucher freuen.  © dpa/Thomas Frey

Allein dem Zoo in Neuwied entgingen bei einer Schließung pro Tag Eintrittsgelder von rund 8000 Euro. Derweil liefen viele Kosten auch für Mitarbeiter weiter, denn die Tiere müssten weiter gefüttert und gepflegt werden.

80 Prozent der Futter- und Tierarztkosten für die Schließungsphase will Höfken nicht nur den nach Ministeriumsangaben 30 Zoos und "zooähnliche Einrichtungen" im Land ersetzen, sondern auch den rund 80 Tierheimen und -pflegestationen. Beim Zoo in Landau beliefen sich diese Kosten beispielsweise pro Jahr auf ungefähr 125.000 Euro, sagte Höfken. Auf das Land kommen ihr zufolge dadurch Kosten von rund einer Million Euro zu. Die werde aus den Barmitteln des Nachtragshaushaltes genommen, sagte Finanzministerin Doris Ahnen (SPD).

Geöffnet waren die Tore am Montag auch im Neuwieder Zoo wieder. "Der Ansturm war verhalten, aber es sind ein paar Leute gekommen", sagte Direktor Mirko Thiel. Rund 500 Besucher seien es in etwa gewesen, zwei Drittel seien Jahreskartenbesitzer gewesen. 

Zwar sei die Spendenbereitschaft hoch und viele Menschen hätten während der vierwöchigen Schließung eine Tierpatenschaft übernommen, dennoch habe der Zoo in dieser Zeit rund 600.000 Euro Einnahmen verloren. Um den Auflagen nachzukommen und größere Menschenansammlungen zu vermeiden, wird im Neuwieder Zoo vorerst auf kommentierte Fütterungen und öffentliche Tiertrainings verzichtet. 

"Auch im Kassenbereich müssen wir dafür sorgen, dass sich keine Schlangen bilden. Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn alle gleichzeitig kommen", sagte Thiel. "Bisher haben sich aber alle vorbildlich verhalten. Ich bin positiv gestimmt".

Titelfoto: dpa/Thomas Frey

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