Meinung: Deutschland leidet unter Corona-Politik - Sind die Depressionskranken weniger wert als Inzidenzen?

Berlin - Gebt uns ein Licht! Die Corona-Politik wirkt plan- und ideenlos. Seit Monaten. Das Land leidet, nicht nur wirtschaftlich. Psychisch verlangt der Höher-Länger-Härter-Kurs den Bürgerinnen und Bürgern enorm viel ab. Etwa zu viel? Eine Frage muss erlaubt sein: Richten die Maßnahmen inzwischen längerfristig mehr Schaden an, als sie umgekehrt heilen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU, l.), Bundesfinanzminister Olaf Scholz (63, SPD, M.) und Bundeskanzleramtschef Helge Braun (48, CDU, r.) gemeinsam im Kanzleramt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU, l.), Bundesfinanzminister Olaf Scholz (63, SPD, M.) und Bundeskanzleramtschef Helge Braun (48, CDU, r.) gemeinsam im Kanzleramt.  © Michael Sohn/POOL AP/dpa

Wir sind am Rande der Belastbarkeit. Der Winter ist nicht nur meteorologisch der gefühlt strengste seit vielen Jahren.

Kein soziales Leben, keine Kontakte.

Man darf dies nicht als Generalabrechnung an der deutschen Politik sehen.

Sozialminister Lucha verteidigt Impfungen für Kinder
Coronavirus Sozialminister Lucha verteidigt Impfungen für Kinder

Es ist viel mehr ein Denkanstoß.

Zahl der Suizid-Toten bleibt gleich, doch trügt der Schein?

Was macht der Dauer-Lockdown mit uns?
Was macht der Dauer-Lockdown mit uns?  © Sina Schuldt/dpa

Die Lockdown-"Strategie" setzt der Arbeit so vieler Psychologen und Therapeuten einem unfassbaren Wirbelsturm aus. Geregelte Tagesabläufe für Patienten sind dahin.

Die Leitplanken all derer, welche sie so dringend benötigen, wurden nicht nur aufgeweicht, sondern förmlich weggerissen. Das mahnte nicht zuletzt die Deutsche Depressionshilfe an.

Die Zahl an Suizid-Toten soll laut Informationen des RND in 2020 nicht nennenswert gestiegen sein. Eine positive Nachricht. Aber: Suizid ist nicht gleich Depression. Und Depressionen sind keine Zahlen. Es sind Schicksale.

Coronavirus: Vorbereitungen auf weitere Proteste gegen Corona-Politik in Berlin
Coronavirus Coronavirus: Vorbereitungen auf weitere Proteste gegen Corona-Politik in Berlin

Und zwischen all den Zahlen und Werten pro 100.000 Einwohnern, zwischen all den Schuldzuweisungen, wer nun wo was wie zu spät bestellt hat (und das bei der einzigen Corona-Exit-Strategie, die wir mit dem Impfstoff überhaupt haben), werden viele Seelen vergessen.

Schlicht vergessen. Das Leben derer erscheint weniger wert. Seit Wochen, seit Monaten, seit nun fast einem Jahr.

Ein Leben ohne ökonomische und soziale Sicherheit macht es für viele unheimlich schwer

Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bundeskanzlerin Angela Merkel.  © Michael Sohn/POOL AP/dpa

Während die Selbstmordrate im vergangenen Jahr annähernd gleich zu bleiben schien, finden die "gescheiterten" Suizide wenig bis gar keinen Platz in den Statistiken, die Dunkelziffer ist schwer bestimmbar.

Jeder zweite Erkrankte gab laut der Depressionshilfe zudem an, sich während des Lockdowns tagsüber ins Bett zurückzuziehen.

Dass die Belastung sich nicht im Gleichschritt mit Lockerungen lösen, zeigt eine weitere Statistik. Auch nach dem ersten Lockdown im Frühjahr empfanden 68 Prozent der Betroffenen die Situation trotz weitestgehender "Normallage" noch immer als erdrückend oder belastend.

Rückfälle nach jahrelanger Stabilität sind genauso schnell erreicht, wie irgendwelche Inzidenzwerte bei der zweiten, dritten oder fünften Welle.

Die Auswirkungen der Perspektivlosigkeit sowie der ökonomischen und sozialen Unsicherheit hingegen, sie erreichen uns möglicherweise erst um einiges später. Ebenso wie das, was das alles auch in den Köpfen unserer Kinder anstellt.

So wichtig es ist, der Pandemie Herr zu werden und mit Bedacht vorzugehen, so wichtig ist es auch, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

Und anstelle weiter im Nebel zu stochern und sich von umgekipptem Versprechen zu umgekipptem Versprechen zu hangeln, sollte man sich die Frage stellen, ab wann die Grenze erreicht ist, an der die Geeignetheit der Maßnahmen in keiner Relation mehr zur Erreichung des eigentlichen Ziels steht.

Oder vereinfacht ausgedrückt: Vergessen wir neben den Corona-Schicksalen nicht die vielen anderen schwer Gebeutelten. Schenken wir diesen Leben bitte Beachtung! Oder sind uns Depressionskranke etwa weniger wert als Inzidenzen, Frau Merkel?

TAG24-Redakteur Eric Ranninger wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für all diejenigen, denen der Alltag möglicherweise noch etwas schwerer fällt als so manch anderem. Ein Denkanstoß und ausdrücklich KEINE Anstiftung zur Hetze gegenüber politisch handelnder Personen.
TAG24-Redakteur Eric Ranninger wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für all diejenigen, denen der Alltag möglicherweise noch etwas schwerer fällt als so manch anderem. Ein Denkanstoß und ausdrücklich KEINE Anstiftung zur Hetze gegenüber politisch handelnder Personen.  © TAG24

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa, Michael Sohn/POOL AP/dpa

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