Modeläden in der Corona-Krise: Mit neuem Sortiment gegen scharfe Lockdown-Regeln

Helmbrechts/Freyung - Viele Modegeschäfte sind in der Coronavirus-Pandemie seit Monaten dicht. Mit neuen Konzepten versuchen einzelne Geschäfte im Freistaat Bayern nun, den Lockdown zu umgehen.

Mit erweitertem Sortiment darf ein Modeladen in Helmbrechts im Landkreis Hof trotz hoher Infektionszahlen seine Türen für Kunden öffnen.
Mit erweitertem Sortiment darf ein Modeladen in Helmbrechts im Landkreis Hof trotz hoher Infektionszahlen seine Türen für Kunden öffnen.  © Nicolas Armer/dpa

Zwischen Jeans und Hemden stapeln sich dabei Bio-Kaffee, Sportlermüsli sowie sogar Naturseifen.

Mit erweitertem Sortiment darf ein Modeladen in Helmbrechts im Landkreis Hof trotz sehr hoher Infektionszahlen für Kunden öffnen. "Die Leute nehmen das extrem gut an", erklärte Michael Spitzbarth, Geschäftsführer von "Bleed Clothing".

Das Tante-Emma-Konzept ist für Spitzbarth zudem ein "kreativer Protest". Wenn Supermärkte und Drogerien Spielsachen sowie Mode verkaufen dürften, könne er in seinem Modeladen unter strengen Hygienevorschriften im Gegenzug auch Schnaps, Kosmetik und Holzzahnbürsten anbieten.

Schon vor dem Lockdown habe er einzelne Lebensmittel wie Kaffee im Sortiment gehabt, sagte Spitzbarth. Die Artikel des täglichen Bedarfs hätten damals etwa 15 bis 20 Prozent ausgemacht, nun seien es inzwischen aber mehr als 50 Prozent.

"Angesichts dessen war eine Öffnung möglich", erklärte eine Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage. Doch darüber müsse immer im Einzelfall entschieden werden.

Verzweiflung der Händler in Zeiten der Coronavirus-Pandemie

Der Gründer des Modelabels "Bleed Clothing", Michael Spitzbarth, steht im Factory Store seines Unternehmens, das trotz Corona öffnen darf.
Der Gründer des Modelabels "Bleed Clothing", Michael Spitzbarth, steht im Factory Store seines Unternehmens, das trotz Corona öffnen darf.  © Nicolas Armer/dpa

Auch im niederbayerischen Freyung gibt es einen "Klopapier&Fashion Store" mit Toilettenpapier, Nudeln, diversen Spirituosen und darüber hinaus Frühjahrsmode - hier griffen die Behörden durch und forderten eine schriftliche Stellungnahme.

Das zuständige Landratsamt geht laut Angaben eines Sprecher davon aus, "dass es sich hier um keine ernsthafte Sortimentsumstellung handelt und dieser Betrieb weiterhin als Modegeschäft und nicht als Mischbetrieb geführt wird".

Der Fall werde deshalb derzeit geprüft.

Norbert Kremsreiter, Geschäftsführer von "Trendline - Fashion in Freyung", möchte das Sortiment noch weiter ausbauen, bald auch Zeitungen verkaufen und einen Paketshop eröffnen. "Ich bin Unternehmer und kein Unterlasser. Wir müssen uns verändern und können nicht warten, bis wir absaufen."

Bei beiden entsprechenden Läden handle es sich um Einzelfälle, betonte Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern.

"Das zeigt die absolute Verzweiflung der Händler", erklärte Ohlmann. Allerdings: Doch durch solche Aktionen werde die Politik die geltenden Regelungen nur noch weiter verschärfen, geplante Öffnungsschritte wieder zurücknehmen.

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa

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