Nach Moodle-Desaster: SWR3-Moderator kritisiert Kultusministerin

Stuttgart/Baden-Baden - Kultusministerin Susanne Eisenmann (56, CDU) will Mitte März Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg werden. Doch derzeit hat sie mit Negativ-Schlagzeilen zu kämpfen. Nun meldet sich auch noch ein SWR-Moderator mit einer Schelte zu Wort.

SWR3-Moderator Volker Janitz.
SWR3-Moderator Volker Janitz.  © SWR/Stefanie Schweigert

Am 14. März gehen die Baden-Württemberger zur Wahlurne. Bei der Landtagswahl tritt die Ministerin gegen Landesvater Winfried Kretschmann (72, Grüne) an.

Doch ein glückliches Bild gibt sie derzeit nicht ab. Vor allem in der zweiten Corona-Welle habe die 56-Jährige keine gute Figur abgegeben, weil sie sich gegen die Politik von Kretschmann und den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) stellte, bilanzierte der Kommunikationsforscher Frank Brettschneider kürzlich gegenüber dem Südkurier.

"Und wenn sie dann auch noch sagt, dass eine Planung für Schulen derzeit langfristig leider nicht möglich ist, fragt man sich schon, wozu man dann eigentlich eine Kultusministerin braucht", so Brettschneider.

Am gestrigen Montag gab es den nächsten Nackenschlag für Eisenmann: Nach dem Ende der Weihnachtsferien brach gleich mal Moodle, die digitale Lernplattform im Ländle, zusammen. Auf Twitter hagelte es Beschwerden. Eisenmanns Griff nach dem Ministerpräsidenten-Amt in Baden-Württemberg, er steht unter keinem guten Stern, könnte man meinen.

Jetzt meldete sich auch noch SWR3-Moderator Volker Janitz öffentlich zu Wort - und übte harsche Kritik an dem Moodle-Desaster im Besonderen und dem digitalen Lernen im Südwesten im Allgemeinen! Der Brief wurde auf der Facebook-Seite von SWR3 gepostet, bislang mehr als 4400 Mal geteilt.

Janitz fragt: "Woran haben Sie gearbeitet?"

Kultusministerin Susanne Eisenmann (56).
Kultusministerin Susanne Eisenmann (56).  © Sebastian Gollnow/dpa

Janitz kam darin ein auf Interview mit der Kultusministerin zu sprechen, welches er im vergangenen Frühjahr geführt habe.

"Wir haben über die dringend notwendige Digitalisierung der Schulen gesprochen. Über bessere W-LAN-Netze an den Schulen, über Endgeräte, über Fortbildungen des Lehrpersonals", so der Moderator.

Und weiter: "Sie haben mehrfach gesagt: 'Wir arbeiten daran.' Heute - am ersten Tag des Fernunterrichts meiner Kinder - frage ich mich: Woran genau haben Sie gearbeitet?"

Pünktlich um 8 Uhr sei Kontakt zum entsprechenden Server der Schulplattform Glückssache gewesen.

"Ja, es war natürlich viel Traffic, viele Zugriffe auf einmal. Aber wusste man das nicht? Hatten Sie im Sommer vergessen, dass Fernunterricht in der Corona-Pandemie noch eine große Rolle spielen würde?"

Im Hause Janitz laufe der Drucker und drucke Arbeitsblätter aus. "Arbeitsblätter! Aus Papier! Im Jahr 2021."

An der Schule seiner Kinder könnten sich die Schüler Arbeitsunterlagen im Sekretariat abholen. "Im Fernunterricht Unterlagen in der Schule abholen. Im Jahr 2021!?", echauffiert er sich. "Ich will jetzt gar nicht die Vergleiche mit anderen Ländern wie Estland bemühen, wo digitaler Unterricht ohne stapelweise Papier so selbstverständlich ist wie Zähneputzen."

Er fordert: "Ich will einfach nur, dass es irgendwie funktioniert. Sie hatten Zeit genug."

Titelfoto: Montage: Sebastian Gollnow/dpa, SWR/Stefanie Schweigert

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