Corona in Bayern: Falsche Schutzmasken geliefert, Kulturreferat beschließt Wiesn-Alternative

München - Der Katastrophenfall wurde aufgehoben, es kehrt mehr Entspannung in den Freistaat zurück. Die bayerische Staatsregierung will nun Wege aus der Krise finden und die Einschränkungen nach und nach aufheben. Aktuelle Zahlen, Entwicklungen und Ausblicke in der Corona-Krise findet Ihr hier im TAG24-Live-Ticker zusammengefasst.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, desinfiziert sich zu Beginn einer Kabinettssitzung in der Bayerischen Staatskanzlei die Hände.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, desinfiziert sich zu Beginn einer Kabinettssitzung in der Bayerischen Staatskanzlei die Hände.  © Peter Kneffel/dpa
Bayernweit wurden mittlerweile 48.949* Menschen positiv auf das Coronavirus getestet (Stand: 2. Juli, 9 Uhr). Davon gelten inzwischen 45.210 als genesen. 2594 Menschen sind am Virus gestorben.

In München wurden 11 neue Fälle gemeldet (Stand 1. Juni, 23.59 Uhr).

Die Gesamtzahl der positiven Tests in der bayerischen Landeshauptstadt steigt somit auf 6805*. Darin enthalten sind 6234 Personen, die bereits genesen sind sowie 219 Todesfälle.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Alle Infos zu den Lockerungen ab dem 22. Juni findet Ihr >>> hier.
  • Alle Infos zu den Lockerungen ab dem 15. Juni findet Ihr >>> hier.
  • Alles zur Regelung in Restaurants und Biergärten findet Ihr >>>hier
  • Alle Infos zur Maskenpflicht findet Ihr >>> hier.

Die deutschlandweiten Entwicklungen gibt es im +++ Coronavirus-Liveticker +++

*Die einzelnen Tageswerte unterliegen Schwankungen, da sie davon abhängig sind, wann die Labore die positiven Testergebnisse an das Gesundheitsamt übermitteln.

Update 2. Juli, 18 Uhr: Kulturreferat beschließt Corona-Alternative

Nach den coronabedingten Absagen von kulturellen Ereignissen und dem Oktoberfest geht München neue Wege: An mehreren Orten in der Stadt sollen in diesem Sommer Schausteller Buden aufstellen können und Künstler die Möglichkeit zum Auftritt bekommen. 

Die Stadt werde Plätze für Open-Air-Veranstaltungen öffnen, wie der Kulturausschuss der Stadt am Donnerstag beschloss. Im Nachtragshaushalt 2020 soll knapp eine Million Euro bereitgestellt werden - unter anderem für Infrastruktur, Hygieneauflagen, Personal und Gagen. Das solle die Kulturbranche unterstützen und Münchnern, die den Urlaub in der Stadt verbringen, ein Kulturprogramm bieten.

"Münchens Kulturschaffende sind von den Corona-Auflagen besonders hart getroffen", sagte die zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne). "Als Landeshauptstadt wollen wir unsere einzigartige Kunst- und Kulturszene unbedingt erhalten." Kulturreferent Anton Biebl sagte, das Programm werde nach draußen verlagert; es würden Kulturerlebnisse geschaffen, die in die Zeit passen. "Inspiration und Lebensfreude kann man auch "mit Abstand" genießen."

Neben einer Stadtteil-Wanderbühne, die von Stadtteilkulturzentren bespielt werden soll, plant das Kulturreferat mindestens eine weitere, feste Sommerbühne, auf der verschiedene Künstler auftreten sollen. Etwa acht Wochen lang solle es so ein "buntes, dichtes Kulturprogramm" geben - quer durch alle Genres und Stile.

Nach dem Aus für das Oktoberfest und und andere Volksfeste will die Stadt zudem mit dezentral aufgestellten Buden für Abwechslung sorgen und Schaustellern Einnahmen ermöglichen. 

Über dieses Konzept berät der Wirtschaftsausschuss am nächsten Dienstag.

Update 2. Juli, 17.45 Uhr: Willy Michl bringt neues Album wegen Corona später raus

Willy Michl, Liedermacher, nimmt an einer Pressekonferenz teil.
Willy Michl, Liedermacher, nimmt an einer Pressekonferenz teil.  © Sven Hoppe/dpa

Den bayerischen Blues-Barden und Isar-Indianer Willy Michl (69) hat die Corona-Krise in seinen Plänen zurückgeworfen. 

Sein neues Album verzögere sich, sagte er am Donnerstag in München. "Der Schock der Pandemie hat mich in meiner Seele erfasst. Da muss man sich wieder finden." Aber er versichert seinen Fans zum Thema Album: "Das wird es geben." 

An seinem 70. Geburtstag am nächsten Donnerstag tritt er vor dem Deutschen Museum auf - draußen und mit Abstand, auf den er sehr achtet. Er will gesund bleiben: "Ich will alt werden."

Willy Michl, der sich kurzzeitig als Zeitsoldat bei den Gebirgsjägern verdingte und in den 1980er Jahren zusammen mit seiner ersten Frau als Pächterin zeitweise die Knorrhütte im Wettersteingebirge bewirtschaftete, gilt als Begründer des bayerischen Blues. 

Als Zeichen seiner Weltanschauung und seiner Verbundenheit mit den indigenen Völkern der Erde trägt er Indianertracht, seinen spirituellen Künstlernamen "Sound of Thunder" - Donnerschall - hat er auch im Pass stehen.

Update 2. Juli, 16.45 Uhr: Wohl Tausende mangelhafte Schutzmasken an Ärzte in Bayern geliefert

Ein Mundschutz hängt in einer Hausarztpraxis in einem Behandlungszimmer über einem Arztkittel.
Ein Mundschutz hängt in einer Hausarztpraxis in einem Behandlungszimmer über einem Arztkittel.  © Marijan Murat/dpa

In Bayern sind offenbar zahlreiche Ärzte mit Tausenden mangelhaften Schutzmasken beliefert worden. 

Deutschlandweit lieferte das Bundesgesundheitsministerium mutmaßlich mindestens 800.000 unsichere Schutzmasken aus, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Anfrage des Bayerischen Rundfunks (BR) an alle Kassenärztlichen Vereinigungen ergab. 

Demnach entsprachen die betreffenden Masken nicht den Anforderungen an die europäische Norm.

"Wir haben rund 10.000 dieser Masken an Praxen ausgeliefert", sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der KVB sei vorab versichert worden, die Masken seien im Auftrag des Bundes geprüft worden. 

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Update 2. Juli, 15.20 Uhr: Neue Infektionsfälle in München

Update 2. Juli, 14.50 Uhr: Aktuelle Zahlen für Bayern

In Bayern sind inzwischen 48.949 Menschen positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden. 

Gestorben sind bisher 2594 Menschen, die sich mit dem Erreger infiziert hatten. 

Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Donnerstag (Stand 9.00 Uhr) auf seiner Website mit. Die geschätzte Zahl der Genesenen lag bei 45.210 Menschen.

Update 2. Juli, 13.37 Uhr: Behörden testen nach Corona-Fällen bei Caterer in Gilching weiter

Nach dem Corona-Ausbruch bei einem Cateringunternehmen im Landkreis Starnberg setzen die Behörden die Tests fort. Im Fokus stand am Donnerstag eine Flüchtlingsunterkunft in Weßling, wie eine Sprecherin des Landratsamtes mitteilte. In der Unterkunft war am Vortag ein Bewohner positiv getestet worden, der mit einem infizierten Mitarbeiter des Unternehmens Apetito Catering in einem Container wohnte. Die Wohnstätte steht wie vier andere Gemeinschaftsunterkünfte inzwischen unter Quarantäne.

Eine ganze Reihe der rund 120 Mitarbeiter des Caterers Apetito im oberbayerischen Gilching waren in den Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Bis Mittwochabend ergaben die Reihentestungen insgesamt 46 positive Fälle.

Gesucht wird auch weiter nach Kontaktpersonen im Umfeld des Unternehmens. Dabei würden auch Zulieferer, Reinigungsfirmen, Techniker, Kühlunternehmen und dergleichen unter die Lupe genommen, so das Landratsamt.

Apetito unterstrich, dass es bisher bei regelmäßigen externen Audits und Standard-Überprüfungen keinerlei Beanstandungen bezüglich sämtlicher Prozesse gegeben habe. "Auch die Lebensmittelüberwachung hat uns im Zuge der aktuellen Coronafälle bestätigt, dass unser Hygienekonzept einwandfrei ist." Das Unternehmen setze alle vom Robert Koch-Institut empfohlenen Maßnahmen um, nehme die aktuelle Situation aber zum Anlass, weitergehende Schritte zu prüfen - etwa, ob die Umgebungstemperatur die Ausbreitung des Virus begünstigen könnte. 

Aus Experten-Sicht gebe es hier Hinweise, jedoch keine wissenschaftlich gesicherte Evidenz. Vor einer Wiederinbetriebnahme werde die komplette Einrichtung desinfiziert; dies laufe bereits.

Update 2. Juli, 13.28 Uhr: Grüne: Kritik an "Nebelfahrt" in Bayerns Schulen während Corona

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) möchte besondere Förderangebote ermöglichen. (Archiv)
Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) möchte besondere Förderangebote ermöglichen. (Archiv)  © Armin Weigel/dpa

Die Landtags-Grünen haben den Corona-Fahrplan der Staatsregierung für Bayerns Schulen kritisiert. Die flächendeckenden Schulschließungen im März seien zwar nach Ansicht der Fraktion richtig gewesen, sagte die Abgeordnete Gabriele Triebel am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags. "Ab Ostern hätte die Nebelfahrt ein Ende haben müssen. Wir hätten hier klarere Ansagen für die Schulen gefordert", kritisierte sie.

Kinder aus sozial schwachen Familien, die von einer Notbetreuung hätten profitieren können, habe die Staatsregierung zu wenig im Blick gehabt. Auch eine jüngst von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) angekündigte Initiative zur Bereitstellung von digitalen Endgeräten, die alle Schüler von den Schulen ausleihen können, ist Triebel zufolge zu spät gekommen.

Der FDP-Abgeordnete Matthias Fischbach gab im Ausschuss zu bedenken, dass Wartung und Pflege der versprochenen technischen Geräte noch lückenlos sichergestellt werden müssten. Auch für den Umgang mit älteren und der Corona-Risikogruppe zuzuordnenden Lehrern brauche es klarere Bestimmungen.

Piazolo betonte, dass die voraussichtlichen Übertrittsquoten an die weiterführenden Schulen trotz Corona "wenn wir uns die Zahlen anschauen sehr vergleichbar mit den Vorjahren" seien. Zu Beginn des neuen Schuljahres solle es außerdem besondere Förderangebote geben, um gezielt Schülern zu helfen, die durch die Corona-Einschränkungen Lernrückstände zu verzeichnen hätten.

Update 2. Juli, 11.46 Uhr: Unfallforscher: Verkehr im Corona-Lockdown lebensgefährlicher

Auf Deutschlands Straßen ist trotz weniger Verkehrs im Corona-Lockdown das Risiko tödlicher Unfälle gestiegen. 

Im April lag nach Berechnungen der Allianz-Versicherung das "relative Getötetenrisiko" um fast die Hälfte höher als in den Vergleichsmonaten der Vorjahre. Demnach starben im April im statistischen Schnitt 11,1 von 1000 Verunglückten. Im April 2019 dagegen waren rechnerisch von 1000 Verunglückten nur 7,5 gestorben.

In absoluten Zahlen: Im April verunglückten in Deutschland laut amtlichen Zahlen 21.236 Menschen im Verkehr, davon starben 236. Ein Jahr zuvor waren insgesamt 31.592 Menschen verunglückt, fast 10.000 mehr. Doch die Zahl der Verkehrstoten war im Vorjahr keineswegs wesentlich höher gewesen, sondern quasi gleich: 239. "Die Gesamtzahl der Verunglückten ist niedriger, aber der Anteil der Getöteten signifikant höher", sagte Jörg Kubitzki, Verkehrssicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik.

"Es wird zwar weniger gefahren, aber der Verkehr ist nicht sicherer geworden." Viele Fahrer hätten sich "wenig angepasst" an die Situation verhalten. "So hatten wir im Frühjahr schwere Motorradunfälle, obwohl es ein bundesweites Verbot von Spritztouren gab", sagte Kubitzki.

"Die geringere Verkehrsdichte führt dazu, dass Verkehrsregeln weniger beachtet werden. Man darf aber nicht nur die Autofahrer kritisieren, das gilt für alle Verkehrsteilnehmer."

Manche Fußgänger hätten die Ausgangsbeschränkungen - von vielen Menschen als Lockdown bezeichnet - als Einladung verstanden, in der Mitte der Straße zu spazieren. "Unfallforscher kennen diesen Effekt aus der Nacht", sagte Kubitzki. "Nachts wird weniger gefahren, aber die Regeln werden häufiger missachtet."

Update 2. Juli, 10.44 Uhr: AfD kündigt Klage gegen Maskenpflicht für Abgeordnete im Landtag an

Die AfD-Fraktion will gegen die Maskenpflicht im bayerischen Landtag, die seit Donnerstag auch für Abgeordnete gilt, klagen. 

Man werde beim Verwaltungsgericht Klage einreichen, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Christoph Maier am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in München. Die Maskenpflicht bedeute eine "massive Einschränkung" des freien Mandats. Abgeordneten dürften bei ihrer Tätigkeit im Landtag nicht derart beeinträchtigt werden.

Die Abgeordnetenrechtskommission des Landtags ist der gegenteiligen Meinung - sie hält die Maskenpflicht für Abgeordnete für zulässig.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hatte am Mittwoch angeordnet, dass von Donnerstag an auch alle Abgeordneten verpflichtend einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Parlamentarier, die sich nicht daran halten, müssen mit einem Zwangsgeld rechnen, bei wiederholten Verstößen auch mehrfach. Die schriftliche rechtliche Anordnung wurde noch für Donnerstag erwartet. Danach wollte die AfD Klage einreichen.

Seit Mitte Juni gilt für alle Mitarbeiter und Beschäftigte im Landtag eine Maskenpflicht. Für die Abgeordneten hatte es Aigner zunächst bei einer dringenden Empfehlung, einem Maskengebot, belassen. Weil sich die Mehrzahl der AfD-Abgeordneten nicht daran hielt, machte sie nun von ihrem Hausrecht Gebrauch und ordnete Maskenpflicht für alle an.

Update 2. Juli, 7.28 Uhr: Umfrage: Deutliche Mehrheit für kostenlose Corona-Tests für alle

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger befürwortet kostenlose Corona-Tests für alle. 

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag) sprachen sich 60 Prozent dafür aus, dass jeder Bürger unabhängig von Symptomen und Risiko einen vom Staat bezahlten Corona-Test in Anspruch nehmen können sollte. 31 Prozent lehnten das ab.

Die bayerische Staatsregierung hatte in dieser Woche die kostenlosen Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung beschlossen und damit eine Diskussion ausgelöst.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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