Livestream statt Gottesdienst und Hashtag zum Gebet: So reagieren die Kirchen auf das Coronavirus

München - Vielen Gläubigen gibt der Gottesdienstbesuch Halt und Trost. Gerade in Krisenzeiten waren die Messen in der Vergangenheit oft gut besucht. Doch diesmal gibt es diesen Rückzugsort nicht mehr: Um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren, hat die Staatsregierung auch öffentliche Gottesdienste verboten. 

Die Stadt Freiburg hat verfügt, dass wegen des Corona-Virus nur noch Versammlungen bis 50 Personen stattfinden dürfen. Dies gilt auch für Gottesdienste. In Bayern gibt es stattdessen Livestreams im Internet. 
Die Stadt Freiburg hat verfügt, dass wegen des Corona-Virus nur noch Versammlungen bis 50 Personen stattfinden dürfen. Dies gilt auch für Gottesdienste. In Bayern gibt es stattdessen Livestreams im Internet.   © Patrick Seeger/dpa

Sowohl die Evangelische Landeskirche als auch die katholischen Bistümer bieten allerdings eine Menge Alternativen an. So manches davon dürfte auch nach der Krise beibehalten werden - und die Kirche ein Stück weit moderner machen.

So bieten jetzt nahezu alle Bistümer teils tägliche Liveübertragungen von Gottesdiensten im Internet an. 

Im Bistum Passau werden die Messen in den nächsten Wochen zudem an den Sonn-, Kar- und Ostertagen auch im Regionalfernsehsender NiederbayernTV übertragen. In Würzburg startet diesen Sonntag eine tägliche Übertragung auf TV Mainfranken. "Für uns ist das eine Supersache", betont der Sprecher der Diözese, Bernhard Schweßinger. "Wir haben live gestreamt, aber die älteren Leute kommen doch nicht so gut zurande."

Auch gläubige Radiofans kommen auf ihre Kosten: Die Messe aus dem Liebfrauendom ist jeden Tag im Münchner Kirchenradio über das Digitalradio DAB+ landesweit zu hören. 

Hinzu kommen viele weitere Angebote wie Lesungen des Tages, im Internet veröffentlichte Gebete oder geistliche Videoimpulse, die etwa Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zum Mutmachen nun täglich auf Facebook postet.

Per Hashtag am Gebet teilnehmen: Kirchen müssen erfinderisch werden

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, sendet täglich Videobotschaften an Gläubige. (Archivbild) 
Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, sendet täglich Videobotschaften an Gläubige. (Archivbild)   © Wolfgang Kumm/dpa

"Digitale Kirche ist jetzt eine Form, die gefragt ist und die sicher nach der Corona-Krise nicht mehr so zurückhaltend betrachtet wird wie vorher", bilanziert der Social-Media-Fachmann der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christoph Breit. 

"In digitalen Formaten geht jetzt einfach aufgrund der Umstände mehr. Manches, was wir als Onliner im Bereich der Kirche schon lange vor Augen hatten, wird jetzt allerorten gewünscht, entwickelt und angeschoben."

So würden viele Gemeinden überlegen, wie sie ihre Gottesdienste ins Netz bringen, damit die Menschen zumindest auf diesem Wege mitfeiern könnten. Für die Fachleute sind besonders sämtliche Formen der Interaktion spannend - also wie sich die Gläubigen von Zuhause aus am Geschehen beteiligen können. "Da gibt es ganz verschiedene Formate", berichtet Breit.

Die Menschen könnten etwa während der Live-Formate anrufen, bei Plattformen wie YouTube chatten, E-Mails schicken oder Fotos auf Instagram posten. Bei live gestreamten Gottesdiensten können die Gläubigen sich per Hashtag am Gebet oder der Fürbitte beteiligen. Diese Inhalte werden dann auf einer "social wall", letztlich einer Leinwand mit Beamer, in den Gottesdienst eingebunden. 

"Das ist eine Form, die wir schon ein paar Mal gemacht haben", berichtet Breit. "Das war bislang eine Nischenform, aber die gucken sich jetzt viele an."

Pflicht der Nächstenliebe: Bleibt alle zu Hause!

Twitter-Gottesdienste gibt es ebenfalls schon länger, auch Gebets-Apps für's Smartphone wie Click to Pray oder App2Heaven. Doch den Verantwortlichen in den Kirchen ist bewusst, dass sie damit ihr treues Stammpublikum in den Gottesdiensten nur schwer bis gar nicht erreichen. Deshalb setzen sie auf viele Angebote auf ihren Homepages, denn das normale Surfen im Internet ist inzwischen auch bei den Älteren gang und gäbe.

Dort finden sich dann, beispielsweise auf den Seiten des Erzbistums Augsburg, Anweisungen für Hausgottesdienste, die die Gläubigen alleine oder im engen Familienkreis feiern können, um sich mit der Gemeinschaft der Glaubenden im Gebet zu vereinen. Die Anweisungen und Empfehlungen dazu sind umfassend und reichen vom Schaffen einer guten Gebetsatmosphäre durch Anzünden einer Kerze oder Aufstellen eines Christusbildes bis zu Liedervorschlägen aus dem Gotteslob.

Die Angebote werden dieser Tage überall massiv ausgebaut, denn öffentliche Gottesdienste wird es absehbar zunächst nicht mehr geben. Sich an die Anweisungen der Behörden auch zu halten, sei "eine Pflicht der Nächstenliebe und Teil des pastoralen Auftrags", wie der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick formuliert. Wohl nicht ganz ohne Grund.

So mahnt Generalvikar Michael Fuchs in einem Schreiben an alle Pfarrer des Bistums Regensburg: "Ich bekomme mit, dass bisweilen noch ein großes Requiem, ein prächtiges Jubiläum oder Messen in Privathäusern gefeiert werden." Doch es helfe nichts: "Zu viele menschliche Begegnungen sind eine Gefahr."

+++ Alle Infos zur aktuellen Lage findest Du im >>> Coronavirus-Bayern-Ticker oder im Coronavirus-Liveticker +++

Titelfoto: Patrick Seeger/dpa

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