Erster deutscher Musiker klagt auf Corona-Entschädigung und kassiert Niederlage

Stuttgart - Der Musiker Martin Kilger (45) hat das Land Baden-Württemberg auf eine Corona-Entschädigung verklagt - und verloren!

Martin Kilger (45) ist über die Gerichtsentscheidung traurig - und will in Berufung gehen. (Screenshot)
Martin Kilger (45) ist über die Gerichtsentscheidung traurig - und will in Berufung gehen. (Screenshot)  © Screenshot: Facebook.de/Martin Kilger

Das berichtet Focus Online. Demnach sei der 45-Jährige der erste deutsche Musiker, der diesen Schritt unternahm.

Klagegrund: Zahlreiche Veranstaltungsverträge seien Kilger durch die Corona-Pandemie geplatzt. Der Musiker habe erhebliche finanzielle Verluste erlitten.

Das Stuttgarter Landgericht wies laut Focus die Klage jedoch ab. Laut dem Richter fehle es dem Schadenersatzanspruch an einer "gesetzlichen Regelung".

Kilger könne sich nicht auf Entschädigungsregelungen des Infektionsschutzgesetzes berufen. Auch nicht aufs allgemeine Polizeirecht.

"Ich bin traurig, dass der Richter nicht so mutig war, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen", sagte der 45-Jährige gegenüber Focus. "Er hätte ein Zeichen setzen können, dass die Kultur im Land der Dichter und Denker nicht einfach über Bord geworfen wird."

Kilger will in Berufung gehen

Blick in einen Gerichtssaal des Stuttgarter Landgerichts. (Archiv)
Blick in einen Gerichtssaal des Stuttgarter Landgerichts. (Archiv)  © Sebastian Gollnow/dpa

Auch kündigte er gegenüber dem Magazin an: "Wir gehen in Berufung."

Und er kritisierte: "Seit einem Jahr ertragen wir Musiker aufgrund von politischem Aktionismus eine Klatsche nach der anderen. Das muss aufhören!"

Sowohl das Land Baden-Württemberg als auch Bayern lehnten nach Focus-Angaben Zahlungen an den Musiker ab, ehe er klagte.

Demnach bestritten beide Bundesländer dass die Verträge des Musikers mit Veranstaltern rechtmäßig seien. Auch wurden Zweifel daran geäußert, dass die Auftritte wegen der Corona-Maßnahmen abgesagt wurden.

Der Focus zitiert auch aus der Klageerwiderung des Landes Baden-Württemberg: "Wenn der Kläger in einzelnen Fällen Auftritte nicht wie geplant absolvieren konnte, hat sich vielmehr ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht, das ihn regelmäßig auch dann trifft, wenn eine Veranstaltung wie beispielsweise eine Hochzeit aus anderen Gründen abgesagt wird."

Was dieses "Lebensrisiko" anbelangt, äußerte sich Kilger gegenüber Focus folgendermaßen: "Auf dieses Risiko konnte sich nun wirklich niemand einstellen. Jeder einzelne Künstler erbringt ein Sonderopfer für die Gemeinschaft – und das muss vom Land entschädigt werden."

Der 45-Jährige wollte von Baden-Württemberg Schadenersatz in Höhe von 8300 Euro.

Über eine Klage Kilgers in Bayern sei noch nicht entschieden worden. Dort gehe es um 6400 Euro.

Titelfoto: Montage: Sebastian Gollnow/dpa, Screenshot: Facebook.de/Martin Kilger

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0