Nach Bund-Länder-Beratungen: Kein Osterurlaub an der Ostsee!

Schwerin – Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommerns hat enttäuscht auf die Absage des Ostertourismus reagiert.

Ein Mann geht mit seinem Hund am ansonsten fast menschenleeren Strand auf der Ostseeinsel Usedom spazieren. So wird es vorläufig auch weiter aussehen dort.
Ein Mann geht mit seinem Hund am ansonsten fast menschenleeren Strand auf der Ostseeinsel Usedom spazieren. So wird es vorläufig auch weiter aussehen dort.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Tourismusbranche fällt von einer Enttäuschung in die nächste. Sie bringt die größten Opfer und verliert zusehends Perspektiven, Personal und zum Teil die Existenz", sagte Tourismusverband-Geschäftsführer Tobias Woitendorf zu den Ergebnissen der Bund-Länder-Beratungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Möglichkeit eines Modellwegs der norddeutschen Bundesländer sei nicht wirklich ergriffen worden.

Der Vorschlag der drei Küstenländer für kontaktarmen Urlaub, etwa in Ferienwohnungen, wurde laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) von den meisten Bundesländern und der Bundesregierung abgelehnt.

"Wir haben dafür erreicht, dass es zusätzliche Hilfen für Gastronomie und Tourismus geben soll. Unser Ziel ist, auch diese Branchen, abgesichert durch eine Teststrategie, möglichst zeitnah Schritt für Schritt zu öffnen", erläuterte Schwesig am frühen Dienstagmorgen in einer in Schwerin veröffentlichten Mitteilung.

Coronavirus: MPK-Chef Müller will neben der Inzidenz andere Faktoren mehr berücksichtigen
Coronavirus Coronavirus: MPK-Chef Müller will neben der Inzidenz andere Faktoren mehr berücksichtigen

Der für Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtige Wirtschaftsbereich hatte bis zuletzt auf eine Öffnung zu den Ostertagen gehofft. Die Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollten ihren Bürgern vor den Bund-Länder-Beratungen kontaktarmen Osterurlaub im eigenen Land ermöglichen.

Corona-Einschränkungen bis zum 18. April

Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind touristische Betriebe weiterhin für Urlauber geschlossen.
Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind touristische Betriebe weiterhin für Urlauber geschlossen.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Laut Bund-Länder-Beschluss sind weitere Öffnungsschritte frühestens vom 6. April an vorgesehen. In Mecklenburg-Vorpommern stand zuletzt etwa im Raum, dass die Außengastronomie öffnen könnte, zumindest in Regionen mit geringerem Corona-Infektionsgeschehen, wie in Rostock.

Dies wird sich nun voraussichtlich um zwei Wochen verzögern. Eine Pressekonferenz mit Ministerpräsidentin Schwesig ist am Dienstagvormittag geplant.

Die Einwohner im Nordosten müssen sich auf weiterhin anhaltende Corona-Einschränkungen einstellen. Diese sollen Schwesig zufolge bis zum 18. April verlängert werden.

Corona in Bayern: Freistaat spendet Schutzausrüstung an Tunesien
Coronavirus Corona in Bayern: Freistaat spendet Schutzausrüstung an Tunesien

Demnach dürfen sich weiterhin maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen, Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Paare, die nicht zusammenleben, zählen als ein Haushalt. An den Ostertagen sind keine Lockerungen der Kontaktbeschränkungen vorgesehen.

Vom 1. bis einschließlich 5. April, also vom Gründonnerstag bis Ostermontag, soll das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu durchbrechen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in der Nacht zum Dienstag beschlossen.

Inzidenz in Mecklenburg-Vorpommern auf 74 gestiegen

Manuela Schwesig (46, SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, scheiterte mit ihrem Öffnungs-Vorschlag. (Archivbild)
Manuela Schwesig (46, SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, scheiterte mit ihrem Öffnungs-Vorschlag. (Archivbild)  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Nur am Karsamstag soll demnach der Lebensmittelhandel im engeren Sinne geöffnet bleiben. Kirchen und Religionsgemeinschaften werden gebeten, an Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen zu machen. Nur Impf- und Testzentren sollen offen bleiben. "Wir brauchen diese Phase, um die Dynamik der Infektionswelle zu brechen", sagte Schwesig.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern stiegen die Corona-Infektionszahlen zuletzt wieder deutlich stärker an. Am Montag sind im Nordosten 74 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Das waren sieben mehr als am Montag vor einer Woche, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mitteilte.

Drei weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion, womit die Zahl der Todesfälle im Land auf insgesamt 832 stieg. Die Inzidenz stieg auf 74 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche - 0,7 mehr als am Vortag. Vor einer Woche lag dieser Wert den Angaben zufolge landesweit bei 63,9.

"Für die Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder wird die Lage zunehmend unerträglich", sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Die Bundesregierung habe seit Pandemie-Ausbruch in drei maßgeblichen Feldern kläglich versagt. "Das nahm mit der Beschaffung der Masken seinen Anfang, geht über die Bestellung von zu wenig Impfstoff hin zur Unfähigkeit, ausreichend Tests zur Verfügung zu stellen."

Der Landesregierung warf sie vor, dass das Impfen zu zögerlich umgesetzt werde.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus: