Nach striktem Kurs: Joshiko Saibou klagt gegen Entlassung bei Baskets Bonn

Bonn - Der Präsident des Bundesligisten Telekom Baskets Bonn, Wolfgang Wiedlich, hat die strikte Linie im Fall seines gekündigten Basketball-Profis Joshiko Saibou verteidigt.

Basketballer Joshiko Saibou (30) wurde in Bonn fristlos gefeuert.
Basketballer Joshiko Saibou (30) wurde in Bonn fristlos gefeuert.  © Swen Pförtner/dpa

"Meinungsfreiheit bedeutet nicht Handlungsfreiheit. Er verwechselt da etwas. Saibou übersieht auch seine besondere Vorbildfunktion als deutscher Nationalspieler, aber das ist nicht unser Terrain, sondern das des Deutschen Basketball Bundes. 

Wir übersehen jedenfalls nicht unsere Fürsorgepflicht als Arbeitgeber für viele Angestellte und das Risiko für unsere Existenz", sagte Wiedlich in einem Interview des "Münchner Merkur" und der "TZ" (Donnerstag).

Der Beschluss, dem Spieler nach dessen Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Berlin in der vergangenen Woche zu kündigen, sei nach kurzer Diskussion im Verein einhellig gefallen, so Wiedlich. 

Man habe man "keinen anderen Ausweg" gesehen.

Der Club sei in dieser Hinsicht "ein gebranntes Kind", so der Clubchef weiter:.

"Ende März hatten wir fünf Infizierte, davon waren drei erkrankt, eine Person lag wochenlang auf der Intensivstation und wurde künstlich beatmet. Da kann es uns niemand verdenken, dass wir für unsere Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitern in hohem Maße sensibilisiert sind."

Saibou trug bei Corona-Kundgebung keine Maske

Schon zuvor habe es ein Gespräch des Baskets-Sportmanagers mit Saibou gegeben, nachdem sich dieser Anfang Mai in einem Instagram-Video deutlich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen ausgesprochen hatte. 

Laut Wiedlich war der Tenor der Unterredung: "Du tust weder Dir selbst noch uns einen Gefallen damit, wenn Du mit diesem Thema weiter so umgehst. Bitte ernsthaft drüber nachdenken. Das Thema Corona wird für uns alle von entscheidender Bedeutung sein in Hinblick auf die kommende Saison."

Saibou habe "nicht aus Vergesslichkeit mal eine Maske nicht getragen, sondern aus Überzeugung".

Dabei habe er wie andere Demo-Teilnehmer auch gegen Auflagen verstoßen, weshalb die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst worden sei. 

"Wir glauben nicht, dass ein Verschwörungstheoretiker sich durch weitere Gespräche von "seinem Weg" abbringen lässt." Tatsächlich ginge es darum: "Bei Saibou wurde aus Meinung Handlung."

Die Baskets hatten Saibou wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler" fristlos gekündigt. Bei der Demo in Berlin war auch Saibous Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester, dabei gewesen.

Update, 22.14 Uhr: Saibou klagt gegen Entlassung

Basketball-Profi Joshiko Saibou wird juristisch gegen die Kündigung der Telekom Baskets Bonn vorgehen.

"Nach einer Woche der Vergegenwärtigung habe ich mich entschieden, gegen das Vorgehen der Telekom Baskets zu klagen. Ich habe ein reines Gewissen bezüglich meines Verhaltens auf der Demonstration und auch bezüglich des Gebrauchs meines Grundrechts, der Meinungsfreiheit", erklärte der Basketball-Star der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag auf Anfrage.

Aus seiner Sicht soll "zu Unrecht ein Exempel an mir statuiert werden, woraufhin mir und meiner Partnerin gegenüber nun viele Athleten nie da gewesene Angst geäußert haben, die begleitet ist von dem Glauben, sie hätten allen Schutz verloren", erklärte der 30-Jährige.

Titelfoto: Swen Pförtner/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0