Auch Polen wieder erreichbar: Sachsen kennt keine Grenzen mehr

Neuhausen/Bärenstein/Görlitz - Begleitet von spontanem Jubel hat Polen in der Nacht zum Samstag seine Grenzen zu allen EU-Nachbarländern wieder geöffnet. Tschechien tat das bereits vor einer Woche. Damit ist Sachsen jetzt wieder grenzenlos offen.

Können wieder nach Tschechien: Die Chemnitzerinnen Christin Wahlich (42), Nicole Schneider (36), Celine Schneider (15) und Elke Large (61, v.l.n.r.).
Können wieder nach Tschechien: Die Chemnitzerinnen Christin Wahlich (42), Nicole Schneider (36), Celine Schneider (15) und Elke Large (61, v.l.n.r.).  © Uwe Meinhold

Und zwar schneller als gedacht. "Das ist unsere Grenzöffnungsfeier. Eigentlich war ja geplant, dass die deutsch-tschechische Grenze erst am 15. Juni wieder öffnet", so Lars Helbig (46) vom "Club der Tschechisch-Deutschen-Partnerschaft" am Samstag am Göhrener Tor (Übergang Neuhausen/Kliny).

"Wir freuen uns, dass wir wieder einkaufen können", sagen Christin Wahlich (42), Nicole Schneider (36), Celine Schneider (15) und Elke Large (61) hinterm Grenzübergang Bärenstein/Vejprty. 

Die Frauengruppe aus Chemnitz kommt einmal im Monat für eine günstige Fingernägel-Maniküre nach Tschechien, kauft dort auch Mineralwasser und Zigaretten.

"Der Grenzverkehr hat sich wieder normalisiert. Es kaufen ja auch Tschechen in Deutschland ein, ein Bekannter von mir kennt die Preise der grenznahen deutschen Supermärkte bis auf den Cent. Auch das Freizeitbad in Marienberg ist bei den Tschechen sehr beliebt", schildert Club-Mann Helbig, seine Vereinigung hat insgesamt rund 1 600 deutsche und tschechische Mitglieder.

Grenzzaun auf der Görlitzer Altstadtbrücke symbolträchtig geöffnet

Lars Helbig (46, l.) bei der Grenzwiedereröffnungsfeier mit einem Vereinsmitglied des "Clubs der Tschechisch-Deutschen-Partnerschaft".
Lars Helbig (46, l.) bei der Grenzwiedereröffnungsfeier mit einem Vereinsmitglied des "Clubs der Tschechisch-Deutschen-Partnerschaft".  © privat

Weiter östlich ging es ähnlich brüderlich zu. 

Als am Samstag um Mitternacht der Görlitzer Bürgermeister Octavian Ursu (CDU) und sein polnischer Amtskollege Rafal Gronicz aus Zgorzelec symbolträchtig und unter Jubel die Ketten des Zauns auf der Altstadtbrücke mit Bolzenschneidern durchschnitten, lagen sich Deutsche und Polen in den Armen.

Insgesamt etwa 500 Menschen feierten zusammen spontan mitten in der Nacht auf deutscher und polnischer Seite. 

"Viele Menschen in der Grenzregion haben schon lange auf diesen Moment gewartet. Es ist die Rückkehr zur Normalität", sagte Marko Schiemann (64), Europapolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.


Die deutsch-tschechische Feier fand am Göhrener Tor (Grenzübergang Neuhausen/Kliny) statt.
Die deutsch-tschechische Feier fand am Göhrener Tor (Grenzübergang Neuhausen/Kliny) statt.  © privat
Symbolträchtig öffneten die Bürgermeister von Görlitz Octavian Ursu (CDU, r.) und Rafal Gronicz aus der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec den Corona-Grenzzaun.
Symbolträchtig öffneten die Bürgermeister von Görlitz Octavian Ursu (CDU, r.) und Rafal Gronicz aus der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec den Corona-Grenzzaun.  © Toni Lehder/Lausitznews
Octavian Ursu (CDU, r.) und Rafal Gronicz.
Octavian Ursu (CDU, r.) und Rafal Gronicz.  © Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild
Sie lagen sich in den Armen: Jubel bei Deutschen und Polen nach der Grenzöffnung zwischen Görlitz und der Nachbarstadt Zgorzelec.
Sie lagen sich in den Armen: Jubel bei Deutschen und Polen nach der Grenzöffnung zwischen Görlitz und der Nachbarstadt Zgorzelec.  © Toni Lehder/Lausitznews

Laut Arbeitsagentur sind knapp 20. 000 Polen in Sachsen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Halb so viele Tschechen arbeiten nach Zahlen der Industriehandelskammer im Freistaat, knapp 8 000 waren als Pendler direkt von der Grenzschließung betroffen. 

Titelfoto: Uwe Meinhold

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