Nach verfrühter Politiker-Impfung: Grüne fordern Halles OB zum Rücktritt auf

Halle (Saale) - Die Grünen in Sachsen-Anhalt haben Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (63, parteilos) wegen seiner frühzeitigen Corona-Impfung zum Rücktritt aufgefordert.

Kritik wegen Corona-Impfung: Halles Oberbürgermeister und zehn Stadträte erhielten die Spritze verfrüht. (Symbolbild)
Kritik wegen Corona-Impfung: Halles Oberbürgermeister und zehn Stadträte erhielten die Spritze verfrüht. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

"Ein kommunaler Hauptverwaltungsbeamter, der beim Impfstoff erst an sich und dann an Höchstbetagte denkt, kann in einer Pandemie kein geeigneter Oberbürgermeister mehr sein", sagte Grünen Landeschef Sebastian Striegel (39) am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir erwarten, dass Bernd Wiegand die Konsequenzen zieht und zurücktritt."

Wiegand hatte am Samstag eingeräumt, am 17. Januar seine Erstimpfung bekommen zu haben (TAG24 berichtete).

Zahlreiche Menschen über 80 Jahren warten in Sachsen-Anhalt noch auf eine Impfung.

Ein Zufallsgenerator habe ihn als Kandidaten für eine übrig gebliebene Dosis ausgewählt, nachdem niemand aus der ersten Prioritätsgruppe für die Impfungen zu erreichen gewesen sei, hatte der 63 Jahre alte Wiegand gesagt.

Nach diesem Verfahren seien auch zehn Stadträte zu ihren Impfungen gekommen, obwohl sie nicht Teil der ersten Prioritätsgruppe sind.

Striegel: Vertrauen in Handeln von Politik zerstört

Die Grünen in Sachsen-Anhalt fordern Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (63, parteilos) zum Rücktritt auf.
Die Grünen in Sachsen-Anhalt fordern Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (63, parteilos) zum Rücktritt auf.  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Wiegand verteidigte das Vorgehen, kündigte nach der Kritik am Sonntag aber an, das Prozedere bis auf Weiteres auszusetzen.

Das Vorgehen der Stadt Halle habe massiv Vertrauen in das Handeln von Politik und Verwaltung zerstört, kritisierte Striegel. "Es gefährdet den öffentlichen Frieden", so der Parteichef, der selbst in Halle lebt.

"Impfdosen, für die eine Vernichtung droht, sind umgehend im Rahmen einer Warteliste an flexible Personen aus der jeweiligen Impfgruppe zu vergeben."

Auch Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (58, SPD) und die CDU Halle hatten den Umgang mit den übrig gebliebenen Impfdosen kritisiert. Die FDP Halle hatte Wiegand bereits am Samstag zum Rücktritt aufgefordert.

Die SPD Halle forderte am Sonntag Sondersitzung des Hauptausschusses der Stadt, um den Vorgang aufzuklären.

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

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