Normales Leben rückt näher: Sinkende Corona-Zahlen und Lockerungen

Berlin - Mit sinkenden Infektionszahlen und der Aussicht auf den Wegfall von Regeln für Geimpfte und Genesene wird mehr Normalität in Deutschland trotz Corona greifbarer.

Menschen stehen für eine Impfung mit dem Impfstoff von Moderna an. Die Stadt Köln hat im Stadtteil Chorweiler mit Impfungen in sozialen Brennpunkten begonnen.
Menschen stehen für eine Impfung mit dem Impfstoff von Moderna an. Die Stadt Köln hat im Stadtteil Chorweiler mit Impfungen in sozialen Brennpunkten begonnen.  © Oliver Berg/dpa

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen innerhalb eines Tages ging am Mittwoch binnen einer Woche um 19 Prozent auf 18.034 Fälle zurück.

"Seitdem wir die Notbremse in Kraft gesetzt haben, sehen wir jetzt eine deutliche Umkehr", sagte Kanzleramtschef Helge Braun (48, CDU) im Bundestag. An diesem Donnerstag will sich das Parlament mit der geplanten Lockerung der Regeln für vollständig Geimpfte und Genesene befassen. Erwartet wird, dass die Erleichterungen verabschiedet werden.

Gegner der bundesweiten nächtlichen Ausgangsbeschränkungen haben einen Dämpfer hinnehmen müssen: Das Bundesverfassungsgericht hält ihre Klagen nicht für eilbedürftig und lehnte die Eilanträge ab.

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"Damit ist nicht entschieden, dass die Ausgangsbeschränkung mit dem Grundgesetz vereinbar ist", teilte das Gericht am Abend in Karlsruhe mit. Dies müsse im Hauptsacheverfahren geklärt werden. Die Beschränkung sei zwar ein tiefer Eingriff in die Lebensverhältnisse, andererseits diene sie "einem grundsätzlich legitimen Zweck", nämlich dem Infektionsschutz, und sei nicht offensichtlich unangemessen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) will für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca die Priorisierung sofort aufheben. Am Donnerstag wolle er mit seinen Länderkollegen darüber reden. Man werde dann "bei AstraZenca eindeutig sagen für Arztpraxen wie
für Impfzentren, dass es dort keine Priorisierung mehr gibt", kündigte er in der WDR-Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" an. Für AstraZeneca gelte das dann sofort. Zudem solle das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung mit AstraZeneca - derzeit zwölf Wochen - flexibler gehandhabt werden können.

8,3 Prozent der Menschen in Deutschland sind mit einem der vier zugelassenen Impfstoffe durchgeimpft. 29,5 Prozent haben mindestens eine Impfung erhalten.

Drei Bundesländer haben Inzidenz unter 100

Jens Spahn (40, CDU) will für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca die Priorisierung sofort aufheben.
Jens Spahn (40, CDU) will für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca die Priorisierung sofort aufheben.  © John Macdougall/AFP POOL/dpa

Braun sagte, es zeige sich "momentan wirklich eine extrem schnelle Entlastung von den Infektionszahlen, was uns auch die Hoffnung gibt, dass das Gesundheitswesen seine Überlastung reduziert". Die Zahl der bundesweit binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sank von 141,4 auf 132,8.

In der vergangenen Woche sank die 7-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) erstmals wieder in allen Altersgruppen. In drei Bundesländern - Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein - liegt die 7-Tage-Inzidenz nun unter 100. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin sind kurz vor Erreichen dieser Marke.

Auch auf den Intensivstationen, wo positive Entwicklungen erst mit einiger Verspätung spürbar werden, scheint sich die Lage zu stabilisieren. Am Dienstag lag die Zahl der versorgten Patienten bei 4955 Fällen. "Der Anstieg bei der Zahl an intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten scheint aktuell gestoppt", schreibt das RKI.

Damit die Lockerung der Corona-Regeln für Geimpfte und Genesene an diesem Wochenende wie geplant kommen kann, will sich der Bundestag an diesem Donnerstag mit der entsprechenden Verordnung befassen. Der Rechtsausschuss empfahl am Mittwoch die Annahme. Geimpfte und genesene Menschen sollen von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen befreit werden.

Getesteten sollen sie gleichgestellt werden - etwa für einen Friseur- oder Zoobesuch. Geimpfte und Genesene sollen sich mit weiteren Geimpften treffen dürfen. Bei Treffen mit Ungeimpften sollen sie im Familien- oder Freundeskreis nicht mitgezählt werden. Die Pflicht zum Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie das Abstandsgebot im öffentlichen Raum sollen aber weiter gelten.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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