Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: Weitere Maßnahmen angekündigt

Gütersloh/Düsseldorf – Der Schlachtbetrieb von Tönnies ist geschlossen, Tausende Menschen stehen unter Quarantäne, Schulen und Kitas sind dicht. Ob das reicht, um den Corona-Ausbruch einzudämmen, prüfen Politik und Wissenschaft. Auch der Gütersloher Landrat hält einen Lockdown für vorstellbar.

Mobile Teams testen Angehörige von Tönnies-Mitarbeitern.
Mobile Teams testen Angehörige von Tönnies-Mitarbeitern.  © David Inderlied/dpa

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit inzwischen mehr als 1500 nachweislich infizierten Mitarbeitern geht die Diskussion um weitere Schutzmaßnahmen bis hin zu einem regionalen Lockdown weiter.

An diesem Dienstag ist eine Kabinettssitzung in Düsseldorf geplant. Ein Thema der Landesregierung dürfte dabei die aktuelle Situation im Kreis Gütersloh sein.

Fachleute des Robert Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh nach Angaben der Behörden im Einsatz.

"Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen", hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bereits am Montag über Twitter angekündigt, ohne Details zu nennen.

Landrat Gütersloh hält regionalen Lockdown für vorstellbar

Thomas Kuhlbusch, der Leiter des Krisenstabs im Kreis Gütersloh.
Thomas Kuhlbusch, der Leiter des Krisenstabs im Kreis Gütersloh.  © David Inderlied/dpa

Inzwischen hält auch der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) einen Lockdown in der Region Gütersloh für vorstellbar.

"Ich würde sagen ja", sagte Adenauer am Montagabend auf die Frage, ob es nach einem Lockdown "rieche".

Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld.

Sie hätten einige positive Fälle gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat noch nicht nennen, da ausgeschlossen werden solle, dass es hier doppelte Zählungen gebe.

Die Zahl der nachweislich infizierten Tönnies-Mitarbeiter ist weiter gestiegen. Es gebe 1553 positive Befunde von den Personen, die unmittelbar im Werk tätig sind, sagte der Leiter des Krisenstabes im Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch.

6650 Proben seien genommen worden.

212 Infizierte im Kreis Warendorf – Landrat hält einschränkende Maßnahmen nicht für erforderlich

Außenansicht des Fleischwerks "Tönnies".
Außenansicht des Fleischwerks "Tönnies".  © David Inderlied/dpa

Der ebenfalls vom Corona-Ausbruch bei Tönnies betroffene Kreis Warendorf hält trotz des bislang höchsten Anstiegs bei den Infizierten einschränkende Maßnahmen für die übrige Bevölkerung derzeit nicht für erforderlich.

Im Gesundheitsamt seien am Montagnachmittag 72 weitere positive Corona-Testergebnisse für Mitarbeiter der Firma Tönnies eingegangen, teilte der Kreis am Abend mit.

Damit sei die Zahl der seit dem Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk infizierten Mitarbeiter, die im Kreis Warendorf leben, auf 212 angestiegen.

"Das ist der mit Abstand höchste Anstieg, den wir in der Pandemie bislang hatten", erklärte Landrat Olaf Gericke (CDU). Das gesamte Infektionsgeschehen im Kreisgebiet sei auf den Ausbruch im Tönnies-Werk zurückzuführen.

"Da wir derzeit keine Anzeichen für ein Überspringen der Infektionen auf die übrige Bevölkerung sehen, sind einschränkende Maßnahmen derzeit nicht erforderlich", erklärte er.

Update, 10.00 Uhr: Kreis Warendorf überschreitet Schwellenwert

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist auch im benachbarten Kreis Warendorf der festgelegte Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten worden. Laut Robert-Koch-Institut wurden am Dienstag (Stand Null Uhr) 68,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern für den Kreis Warendorf erfasst. 

50 Fälle gelten als Grenze für zusätzliche Schutzmaßnahmen. Warendorfs Landrat Olaf Gericke (CDU) hatte die Neuinfektionen am Montagnachmittag auf die 1243 im Kreisgebiet wohnenden Tönnies-Mitarbeiter zurückgeführt. Sie stehen unter Quarantäne. 

Ein Lockdown im Kreis sei aber nicht nötig, da die Infektionen nicht auf die übrige Bevölkerung übersprängen, hatte der Landrat gesagt.

Kostenlose Corona-Tests für Menschen in betroffenen Orten

Mit Quarantäne und weiteren Maßnahmen sollen Infektionsketten so früh wie möglich unterbrochen werden. Das Hauptaugenmerk gelte jetzt der Ermittlung und Testung von Kontaktpersonen der Tönnies-Mitarbeiter.

Der Warendorfer Landrat appellierte an die Bürger, "weiterhin vorsichtig zu sein und die bekannten Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten".

Zudem würden auch im Kreis Warendorf kostenfreie Corona-Tests ermöglicht für alle, die in besonders betroffenen Orten wohnten oder sich verständlicherweise Sorgen machten – etwa, weil sie Kontakt zu Tönnies-Mitarbeitern hatten.

Solche Tests seien an zentralen Standorten möglich und die Kosten würden von Tönnies übernommen. Dazu habe sich das Unternehmen ausdrücklich verpflichtet.

Titelfoto: David Inderlied/dpa

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