NRW verhängt regionalen Lockdown für Kreis Gütersloh und Warendorf

Düsseldorf/Gütersloh - Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh massiv ein.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, trägt eine Mund-Nasenschutzmaske auf der Pressekonferenz im Gütersloher Kreishaus.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, trägt eine Mund-Nasenschutzmaske auf der Pressekonferenz im Gütersloher Kreishaus.  © David Inderlied/dpa

Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. 

Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" in NRW und in Deutschland.

Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies.

Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. 

Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet. 

Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Die Behörden werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten, betonte der Regierungschef.

Update, 16.06 Uhr: NRW verhängt Lockdown auch für Kreis Warendorf

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies verhängen die Behörden einen Lockdown auch für den Nachbarkreis Warendorf. 

Genau wie im Kreis Gütersloh gebe es Kontaktbeschränkungen, Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen würden verboten, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag. 

Ab Donnerstag würden zudem Schulen und Kitas im Kreisgebiet geschlossen.

Polizei mit drei Hundertschaften vor Ort

Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) stehen vor einem Wohnhaus, in dem Angestellte des Fleischwerks Tönnies leben.
Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) stehen vor einem Wohnhaus, in dem Angestellte des Fleischwerks Tönnies leben.  © David Inderlied/dpa

Rund 7000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne

Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich aber schwierig. 

Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, sagte Laschet. 

Die Polizisten sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. 

Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren bereits geschlossen worden. 

Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden. Auch im Kreis Warendorf werde es Einschränkungen geben.

Kein Ausreiseverbot aus Kreis Gütersloh

Für die Bewohner des Kreises Gütersloh gilt kein Ausreiseverbot aus dem Kreisgebiet. Das hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag betont. "Wir haben keine Ausreiseverbote erteilt", sagte Laschet. 

Das verhängte Kontaktverbot und die Lockdown-Maßnahmen "gelten immer bezogen auf den Kreis". 

Es würden damit die gleichen Regeln gelten, wie während der bundesweiten Kontaktverbote im März. 

Laschet appellierte aber an die Einwohner in Gütersloh, "jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren". 

Die für den Kreis Gütersloh verhängten Maßnahmen gelten zunächst bis zum 30. Juni.

Titelfoto: David Inderlied/dpa

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