Obwohl Kinos wieder offen sind: Verband fürchtet Kinosterben

Berlin - Obwohl die Kinos nach monatelangen Schließungen bundesweit wieder geöffnet haben, ist die Krise für sie längst nicht vorbei. 

Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF Kino) vor einem leeren Kinosaal.
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF Kino) vor einem leeren Kinosaal.  © Montage: Christoph Soeder / dpa / Mike Auerbach/Photography Auberbach/dpa

"Wenn unsere Auslastungsmöglichkeiten durch die Abstandsregelungen auf dem Niveau bleiben und die publikumsstarken Filme dadurch weiter fehlen, werden wir einen erheblichen Anteil der Kinos verlieren", erklärte Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF Kino), im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Die Filmtheater hätten in den letzten Monaten ihre Reserven aufgebraucht und Kredite ausgereizt. Hinzu komme ein Besuchereinbruch von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Nun muss wieder Umsatz gemacht werden, ansonsten verlieren wir die flächendeckende Kinolandschaft in Deutschland und damit einen wichtigen Motor der Filmbranche." 

Die Folgen? 

"Das würde bedeuten, dass es an vielen Orten kein Kino mehr in Reichweite geben wird und man sich Filme nur noch zu Hause auf dem Fernseher ansehen kann. Damit wäre das Vergnügen Kino ausgelöscht."

Als "unser größtes Problem" bezeichnete Berg die Abstandsregelungen. Die 1,50 Meter Abstand im Saal seien "für uns nicht nachvollziehbar, denn Menschen, die ins Kino gehen, sitzen und schauen nach vorn. Es wird weder geredet noch gesungen oder ähnliches." In Nachbarländern gelte nur ein Meter Abstand. 

"Aber wenn wir weiterhin mit weniger als 20 Prozent Auslastungsmöglichkeit auf dem Markt sind, werden größere publikumsstarke Filme weiterhin fehlen. Das ist ein Teufelskreis, den wir unbedingt durchbrechen müssen, wenn wir die Vielfalt der Kinos erhalten wollen."

Bei den Abstandsregeln habe man mit Staatsministerin Monika Grütters "eine große Mitstreiterin, sie macht sich überall für die Reduzierung auf einen Meter stark". Nun seien die Bundesländer gefordert. Es sei nicht nachvollziehbar, warum sie keine einheitliche Regelung finden.

Titelfoto: Montage: Christoph Soeder / dpa / Mike Auerbach/Photography Auberbach/dpa

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