Offener Richtungsstreit um Datenschutz bei Corona-Warn-Apps

Berlin - Um den Datenschutz bei der Umsetzung der geplanten Corona-Warn-Apps ist ein Richtungsstreit zwischen den beteiligten Wissenschaftlern entbrannt.

Was genau mit den Handy-Daten passiert, ist immer noch unklar.
Was genau mit den Handy-Daten passiert, ist immer noch unklar.  © Christin Klose/dpa-tmn

Rund 300 Experten unterzeichneten einen am Montag veröffentlichten offenen Brief, in dem sie vor der Gefahr von Überwachung und Missbrauch bei einer zentralisierten Speicherung von Daten warnen. 

Hingegen begrüßten sie den von Google und Apple gewählten Ansatz, die Daten zu Begegnungen einzelner Smartphones nur auf den Geräten zu lagern.

Die Corona-Warn-Apps sollen erfassen, welche Smartphone-Nutzer einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich in der Nähe infizierter Personen aufhielten. 

Die Smartphones sollen dafür im Konzept von Apple und Google per Bluetooth-Funk kommunizieren, die Nutzer bekommen wechselnden Krypto-Schlüssel, damit ein Einzelner nicht nachverfolgt werden kann. 

Als Betreiber der beiden Smartphone-Plattformen sind die beiden US-Konzern als einzige in der Position, die nötigen Schnittstellen direkt in die Betriebssysteme einzubauen.

Speicherung der IDs umstritten

Umstritten ist nun, ob die anonymisierten IDs der Infizierten und die Kontakt-IDs auf einem zentralen Server gespeichert oder dezentral auf den Smartphones abgelegt werden. 

Die Unterzeichner befürchten bei der Speicherung auf einem zentralen Server, dass "eine Form der Überwachung durch die Regierung oder den privaten Sektor" ermöglicht werde. Dies werde das Vertrauen in eine App und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft "katastrophal beeinträchtigen". 

Befürworter einer zentralen Speicherung haben dagegen Bedenken, dass zwischen den beteiligten Smartphones ständig sensible Daten ausgetauscht werden.

Die Unterzeichner des offenen Briefs fordern unter anderem, dass die Entwicklung von Corona-Warn-Apps völlig transparent laufen müsse und nur so viele Daten wie zum Eindämmen der Pandemie nötig gesammelt werden dürften. 

Auffällig ist, dass sie in ihrer Liste empfohlener Projekte die europäische Initiative PEPP-PT auslassen, die sowohl eine dezentrale als auch zentrale Speicherung der Daten unterstützen will. Unter den Unterzeichnern sind auch diverse Forschungseinrichtungen, die ursprünglich bei PEPP-PT mitmachten. 

Die Bundesregierung und das Robert Koch-Institut setzen bislang auf das PEPP-PT-Konzept und haben es bereits mit Bundeswehr-Soldaten testen lassen.

Titelfoto: Christin Klose/dpa-tmn

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