Sachsen will Ärzte aus dem Ruhestand holen

Dresden - Die Corona-Kurve steigt moderater - doch sie steigt. In den Kliniken wächst die Personalnot, vor allem weil Mediziner und ihre fleißigen Helfer wie Krankenschwestern und Pfleger zunehmend selbst ausfallen. Vor diesem Hintergrund gab es am Freitag zwei Aufrufe, die durch Sachsen gingen.

Schon jetzt kommen viele Gesundheitsämter nur dank Unterstützung der Bundeswehr über die Runden. Hier ein Bild aus dem Landratsamt Mittelsachsen.
Schon jetzt kommen viele Gesundheitsämter nur dank Unterstützung der Bundeswehr über die Runden. Hier ein Bild aus dem Landratsamt Mittelsachsen.  © Bundeswehr/Anne Weinrich

Allen voran bat Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD) Ärzte im Ruhestand um Mithilfe. In einem Brief schrieb sie an die Mediziner a. D.: "Ihre Unterstützung wäre für mich ein starkes Zeichen, dass unsere Gesellschaft in solch einer Krisensituation zusammenhält."

Konkret gehe es um Hilfe bei der Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern oder bei der Hotline des Freistaates. Auch fachliche Hilfe sei willkommen. Der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck (53), unterstützte das Anliegen in einem Begleitschreiben.

Zeitgleich sprach er sich für "angepasste Strategien" im Kampf gegen Corona aus und stellte eingeübte Maßnahmen infrage:

  • "Ist die Nachverfolgung noch zu leisten, sinnvoll sowie sachgerecht durchführbar?"
  • "Sind die Quarantäneregeln sachgerecht, eindeutig und wissenschaftlich abgesichert? Ist es sachgerecht, Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne zu schicken?"
  • "Müssen alle Kontaktpersonen aus systemrelevanten Berufen in Quarantäne?"
  • "Könnte bei einem Gesundheitsnotstand Personal aus nicht systemrelevanten in systemrelevanten Bereichen eingesetzt werden?"
Ministerin Petra Köpping (62, SPD) sendet einen Hilferuf.
Ministerin Petra Köpping (62, SPD) sendet einen Hilferuf.  © Jürgen Männel

So sieht es in Sachsens Kliniken aus

Sächsische Mediziner a. D. sollen im Kampf gegen Corona helfen. Denn den Kliniken droht Personalnot. Auch, weil immer mehr Corona-Kranke intensiv betreut werden müssen.
Sächsische Mediziner a. D. sollen im Kampf gegen Corona helfen. Denn den Kliniken droht Personalnot. Auch, weil immer mehr Corona-Kranke intensiv betreut werden müssen.  © DPA/Robert Michael

Wie es an der Klinikfront aussieht, berichtet Sachsens Krankenhauskoordinator Professor Michael Albrecht (70). 

Ihm zufolge liegen in den mehr als 30 Kliniken in Dresden und Ostsachsen 120 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, in 14 Tagen könnten es 300 sein. 

525 weitere Betten sind mit "normal kranken" Covid-19-Patienten belegt - "800", so die Prognose, am Monatsende. 

Beatmet werden müssen landesweit 127 Patienten. Insgesamt belegen Covid-19-Kranke 16 Prozent der 1660 zur Verfügung stehenden Intensivbetten. 

Etwa 370 sind derzeit noch frei. 

Titelfoto: Jürgen Männel/dpa/Robert Michael

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