Athen bringt Migranten zum Festland: Pro Asyl warnt wegen Corona

Athen (Griechenland) – Die Regierung in Athen bringt weiter Hunderte Migranten aufs griechische Festland, die dort in geschlossenen Lagern zwecks Ausweisung in ihre Herkunftsländer untergebracht werden. 

Migranten stehen in einer Schlange, um im Hafen von Mytilene, auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos an Bord einer Fähre zu gehen. 
Migranten stehen in einer Schlange, um im Hafen von Mytilene, auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos an Bord einer Fähre zu gehen.  © dpa/AP/Vangelis Papantonis

Insgesamt wurden nach Berichten des Staatsrundfunks am Wochenende 600 Migranten von den Inseln Samos, Chios und Lesbos in ein Camp in Nordgriechenland gebracht. Bereits vergangene Woche waren mehr als 400 Migranten in ein Lager nach Athen gebracht worden.

Es handelt sich den Angaben zufolge um Migranten, die nach dem 1. März aus der Türkei nach Griechenland kamen (TAG24 berichtete). 

Die griechische Regierung spricht ihnen das Recht ab, Asyl zu beantragen und will sie in ihre Herkunftsländer ausweisen. 

Athen reagierte damit auf die Ankündigung der Türkei Ende Februar, die Grenzen zur EU für Migranten zu öffnen. 

Am Sonntagvormittag setzten 31 neue Migranten aus der Türkei auf die Insel Lesbos über, wie örtliche Medien unter Berufung auf die Küstenwache berichteten.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warf der EU und Griechenland vor, rassistisch zu agieren. Die Migranten sollten aus den heillos überfüllten Lagern schleunigst aufs Festland gebracht werden.

Ein Coronavirus-Ausbruch könnte schlimme Folgen haben, heißt es. In und um die Lager auf den Inseln Leros, Kos, Samos, Chios und Lesbos harren zurzeit rund 42.000 Menschen aus. Diese waren vor dem 1. März angekommen. Ihre Asylanträge werden noch bearbeitet.

"Man sperrt die Öffentlichkeit aus, die Schutzsuchenden ein und überlässt sie schutzlos dem Coronavirus. Europa hat ein Rassismusproblem", erklärte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, am Samstag. Moria, größtes Camp in Griechenland auf der Insel Lesbos, und andere Hotspots dürften nicht zur Todesfalle werden.

In Griechenland wurden bislang 530 Fälle von Coronavirus-Infektionen und 13 Tote registriert - die Camps auf den Inseln blieben bisher verschont.

Polizei nimmt mutmaßliche Brandstifter nach Feuer in Lesbos fest

Moria: Migranten stehen auf den abgebrannten Überresten eines Containerhauses. (Archivbild)
Moria: Migranten stehen auf den abgebrannten Überresten eines Containerhauses. (Archivbild)  © dpa/AP/Panagiotis Balaskas

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis (47) erklärte, Athen habe umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Krise getroffen. Seit einigen Tagen seien Besuche Unbefugter in den Lagern verboten. 

"Wir haben bereits mit dem Bau von Sanitätscontainern rund um die Camps begonnen und sind bereit, mögliche Infektionen anzugehen", sagte der Minister dem griechischen Fernsehsender Mega.

Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Feuer in einem Schweizer Gemeinschaftszentrum auf Lesbos hat die griechische Polizei am Wochenende drei mutmaßliche Brandstifter festgenommen. Sie seien infolge ausgewerteten Materials von Überwachungskameras benachbarter Unternehmen identifiziert worden, berichteten die halbamtliche Nachrichtenagentur ANA-MPA und der Staatsrundfunk. 

Das Schweizer Gemeinschaftszentrum "One Happy Family" war durch das Feuer am 7. März zerstört worden. In den vergangenen Wochen ist es auf Lesbos immer wieder zu Gewalttaten Rechtsextremer gekommen.

Aus Polizeikreisen hieß es, die drei Männer seien Palästinenser. Einer von ihnen soll einen griechischen Pass haben. Die anderen beiden leben demnach in Athen. Sie sollen allem Anschein nach im Auftrag bislang unbekannter Drahtzieher nach Lesbos gereist sein und den Brand gelegt haben.

Das Zentrum liegt unweit der Flüchtlingsunterkunft Kara Tepe, wo rund 1500 Flüchtlinge und Migranten leben, darunter viele Kinder und Familien. Die Anlage diente Flüchtlingen als Treffpunkt.

Nach Angaben des Vereins, der seinen Sitz im Schweizer Burgdorf hat, nutzten täglich Hunderte Menschen die Angebote des Gemeinschaftszentrums, darunter Schulunterricht, einen Friseur, ein Café und eine Bibliothek.

Titelfoto: dpa/AP/Vangelis Papantonis

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