Wirbel im Netz: Ex-Nationalspieler Thomas Berthold spricht bei "Querdenken 711"-Demo

Stuttgart - Fußballweltmeister Thomas Berthold ist am Samstag bei einer Demonstration von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart (TAG24 berichtete) als Redner aufgetreten.

Thomas Berthold sorgt nun abseits der Sportwelt für Diskussionen.
Thomas Berthold sorgt nun abseits der Sportwelt für Diskussionen.  © Friso Gentsch/dpa

Der "Bild am Sonntag" sagte der frühere Nationalspieler: "Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt."

Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden sollen. 

Die Veranstalter von "Queerdenken 711" sprachen von 5000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert.

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner aktiven Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart

Als Verteidiger absolvierte er 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Italien. Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem für mehrere Fernsehsender und Zeitschriften als Experte tätig.

Bertholds Auftritt sorgt auf Twitter für Wirbel

Auf Twitter sorgte der Auftritt des 55-Jährigen für Wirbel. "OMG. Diesen "Schwurblern" bloß keine Reichweite geben", forderte ein User, nachdem ein Video Bertholds gepostet wurde. In einem anderen Videoschnipsel sagt Berthold: "Mein Vertrauen in diese politische Führung unseres Landes ist ist bei mir unter Null angekommen mittlerweile." 

Ein anderer Nutzer fand, dass der Ex-Nationalspieler sich komplett ins Aus geschossen habe: "Hätte ihm deutlich mehr Intelligenz zugesprochen, aber gut." Und an anderer Stelle forderte er: "Wer ihn jetzt nicht aussortiert, stellt sich selbst ins Aus."

Wiederum ein anderer User kommentierte trocken: "Berthold also in Lebensfragen genauso ahnungslos wie bei Fußballfragen."

Es gab jedoch auch Nutzer, die den 55-Jährigen in Schutz nahmen. "Er hat seine Meinung dazu, und die darf er vertreten", kommentierte einer. "Bedenklicher finde ich die Aggressivität, die nun auf Twitter gegen ihn gerichtet ist."

Eine andere fragte: "Woher kommt nur dieses Bedürfnis, auf jeden Prominenten, der auch nur ein bisschen von der Mainstreammeinung abweicht, im Akkord einzuprügeln? Die eigene Unsicherheit?"

Ein weiterer schrieb: "Bald haben die Linkstwitter-Aktivisten alle durch und an den Pranger gestellt. Gott sei Dank existiert abseits von Twitter noch mehr Menschenverstand."

Update: 13.08 Uhr

Berthold will bei "Querdenken"-Demo in Berlin auftreten

Demonstranten der Corona-Demo am vergangenen Wochenende in Berlin.
Demonstranten der Corona-Demo am vergangenen Wochenende in Berlin.  © Christoph Soeder/dpa

Thomas Berthold hat einen Auftritt als Redner bei einer Demonstration in Stuttgart mit seiner kritischen Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen begründet. 

Die Maßnahmen seien "völlig überzogen", sagte der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Es war eine Herzensangelegenheit für mich, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen. Ich wollte dort den Menschen Dinge mitteilen, die ich wahrnehme und auf dem Herzen habe." Er wolle "selbstbestimmt und ohne Angst" leben.

Die "Querdenken"-Proteste stehen unter anderem wegen der Teilnahme von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten in der Kritik.

Er wolle "definitiv" auch bei der "Querdenken"-Demonstration am 29. August in Berlin auftreten, sagte Berthold der dpa. "Die Initiative braucht eine mediale Plattform. Es geht darum, dass wir Dinge hinterfragen und nicht alles staatstreu eins zu eins glauben." 

Er sprach sich für die Gründung einer neuen Partei aus. Er habe aber selbst keine Intention, politisch aktiv zu werden. "Ich habe nur angeregt, dass wir Menschen brauchen, die dem Volk dienen. Wir brauchen Menschen in unserer Regierung, die ausgebildet sind für Ihr Ressort und Expertise mitbringen."

Sollte seine öffentliche Positionierung berufliche Konsequenzen für ihn haben, sei ihm dies egal, sagte Berthold: "Wenn es so sein sollte, wäre das schade, dann bin ich aber bereit, die Konsequenzen zu tragen", betonte er. "Wenn der ein oder andere Programmdirektor oder Redakteur sagt, das können wir nicht vertreten, akzeptiere ich das natürlich. Auch dann geht das Leben weiter."

Titelfoto: Montage: Friso Gentsch/dpa, Screenshot Twitter.de/Maximilian Rieger

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