RKI rät zu härterem Lockdown: Lage könne sich "noch verschlimmern"

Berlin - Es reicht einfach nicht! Das Verhalten der Deutschen im zweiten Corona-Lockdown ist nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts weiterhin zu inkonsequent, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Auch die bisherigen Pandemie-Regeln gehen dem Bundesinstitut nicht weit genug.

Laut RKI-Chef Lothar Wieler (59) braucht Deutschland "mehr verantwortungsvolle Bürger", um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen.
Laut RKI-Chef Lothar Wieler (59) braucht Deutschland "mehr verantwortungsvolle Bürger", um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen.  © John Macdougall/AFP-Pool/dpa

"Diese Maßnahmen, die wir jetzt machen - für mich ist das kein vollständiger Lockdown", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler (59) am Donnerstag. "Es gibt immer noch zu viele Ausnahmen und es wird nicht stringent durchgeführt."

Mit Blick auf ansteckendere Mutationen des Coronavirus ergänzte er: "Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmert."

Bisher ist es nach der RKI-Statistik nicht gelungen, die Infektionsraten in Deutschland massiv zu drücken. Mehr als 25.000 neue Covid-Fälle meldete das Institut am Donnerstag. Damit bleibt es trotz kleiner Lichtblicke, die noch keinen Trend belegen, bei einem viel zu hohen Plateau.

Die Quittung für die seit Wochen hohen Infektionszahlen gibt es jeden Tag in Alten- und Pflegeheimen, auf den Intensivstationen und beim Blick auf Todesfallzahlen.

Mit 1244 Menschen sind am Donnerstag so viele Tote innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Corona-Regeln müssten noch "massiver und effektiver" verschärft werden

Am heutigen Donnerstag hielt Lothar Wieler (l.) eine Pressekonferenz im Berliner Robert Koch-Institut.
Am heutigen Donnerstag hielt Lothar Wieler (l.) eine Pressekonferenz im Berliner Robert Koch-Institut.  © John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Das RKI hält deshalb auf der Basis von Rechenmodellen einen strengeren Lockdown für sinnvoll. Regeln, die zu weniger Kontakten führten, müssten verschärft werden, sagte Epidemiologe Dirk Brockmann.

"Alle Modelle sind sich einig, dass das massiver und effektiver passieren muss." Deutschland müsse in einer Phase kommen, in der die Inzidenz substanziell und schnell heruntergehe. So wie im Frühjahr.

Inkonsequenz beim Befolgen der Pandemie-Regeln in Deutschland kann für Wieler viele Gesichter haben: Firmen zum Beispiel, die gute Hygienekonzept für ihre Büros haben - doch dann treffen sich große Gruppen von Kollegen zum Mittagessen in der Kantine.

"Es braucht mehr verantwortungsvolle Arbeitgeber", mahnte er. Und Homeoffice, wo immer es geht. Es braucht aber wohl auch mehr verantwortungsvolle Bürger.

RKI-Chef hofft: Ende 2021 "werden wir die Pandemie kontrolliert haben"

In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie bereits mehr als 44.400 Menschen am Coronavirus gestorben.
In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie bereits mehr als 44.400 Menschen am Coronavirus gestorben.  © Julian Stratenschulte/dpa

Die Sonntagsausflüge im Dezember nahmen nach der RKI-Mobilitätsanalyse zum Beispiel kaum ab - ganz anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Weihnachten gab es weniger weite Reisen, doch insgesamt ging die Mobilität nach Brockmanns Analyse im Vergleich zum Vorjahr nur um 10 bis 15 Prozent zurück. Das reiche nicht.

"In allen Bereichen gibt es Luft nach oben", bilanzierte Wieler. Er zeichnet ein Bild für das Verhalten im Land: "Das ist, als ob Sie im Regen stehen, den Schirm nicht aufspannen und dann hinterher sagen, der Schirm funktioniert nicht."

Im Moment ist zudem laut Wieler die Mutations-Situation in Deutschland noch nicht abschätzbar.

Doch klar sei: Die ansteckenderen Virusvarianten hätten Reisende aus Großbritannien und Südafrika mitgebracht. Bislang gebe es rund 20 Belege in Deutschland. Deshalb Wielers Appell: Wenn möglich, bitte nicht reisen!

Wieler versuchte, es positiv zu formulieren: "Am Ende dieses Jahres werden wir die Pandemie kontrolliert haben." Das sind noch elfeinhalb Monate - und wie viele Tote?

Titelfoto: John Macdougall/AFP-Pool/dpa

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