Saarländer beleidigen Franzosen: Krasse Szenen an der Grenze!

Saarland - Die französische Presse berichtet über Feindseligkeiten, mit denen Franzosen im Saarland rechnen müssen. Von Beleidigungen bis Eierwerfen sei alles dabei.

Absperrband der Polizei liegt auf der "Freundschaftsbrücke", die das saarländische Kleinblittersdorf mit dem französischen Grosbliederstroff verbindet, am Boden.
Absperrband der Polizei liegt auf der "Freundschaftsbrücke", die das saarländische Kleinblittersdorf mit dem französischen Grosbliederstroff verbindet, am Boden.  © Oliver Dietze/dpa

Am Freitag verkündete der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), dass die Freundschaftsbrücke, die das Saarland mit Lothringen verbindet, wieder geöffnet werden soll. Dieses Signal sei nun besonders wichtig, nachdem es zu unschönen Szenen an der Grenze gekommen war.

Die französische Presse warnte die Franzosen regelrecht vor den feindseligen Reaktionen der Saarländer. Besonders der Bürgermeister Michael Clivot von der Grenzgemeinde Gersheim sorgte für Aufsehen. 

In einer Videobotschaft gab dieser an, dass Franzosen auf der Straße angehalten und beleidigt würden. Viele Franzosen seien zum unerlaubten Einkaufen in das benachbarte Saarland gefahren, jedoch machen das die Saarländer angeblich ebenso in Frankreich.

Wie die FAZ berichtete, sollen Autos mit französischen Kennzeichen mit Eiern beworfen sein. Doch das ist bei weitem nicht alles. 

Menschen, die Französisch sprechen, wurden beim Einkaufen zu ihrer Rückkehr in das "Corona-Frankreich" aufgefordert. Und eine deutsche Reinigungsfirma soll über Nacht den französischen Mitarbeitern Zutritt verweigert haben.

Dabei ist die Grenzschließung seit dem 16. März seine schwierige Situation für alle. Nur an wenigen Stellen ist die Grenze für Pendler noch geöffnet. Diese müssen für ihren täglichen Arbeitsweg bis zu 50 Kilometer Umweg in Kauf nehmen. Darunter zählen auch die 150 Französischen Beschäftigte des Klinikums in Saarbrücken.

Der französische Abgeordnete Christophe Arend (Präsidentenpartei La République en marche) sagte, dass alle Grenzübergänge geöffnet werden müssen. Denn "das Virus kennt keine Grenzen."

Die Schließung der Grenzen hatte für viel Furore gesorgt. Beispielsweise bei dem Automobilzulieferer ZF in Saarbrücken. Viele Franzosen mussten von ein auf den anderen Tagen ihrer Arbeit fernbleiben. Mittlerweile hat der Betrieb wieder geöffnet, jedoch nur für die deutschen Angestellten.

Es muss sich etwas ändern

Ein berittener Gendarm der französischen Garde républicaine überprüft während der landesweiten Ausgangssperre die Genehmigung eines Mannes vor einem Supermarkt.
Ein berittener Gendarm der französischen Garde républicaine überprüft während der landesweiten Ausgangssperre die Genehmigung eines Mannes vor einem Supermarkt.  © Lou Benoist/AFP/dpa

Andreas Jung ist der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Parlamentarierversammlung. Er schrieb an Horst Seehofer einen Brief, in dem er ausdrücklich darauf hinwies, die Dimension der Grenzschließung stärker zu berücksichtigen. 

Momentan dürfen nur die Menschen mit triftigen Grund die Grenze überqueren. Doch was genau soll man darunter verstehen? Das, so Jung, muss nun geklärt werden. 

Jung erläutert, wie schwierig die gesamte Situation für die Menschen ist. Besonders geschiedene deutsch-französische Eltern haben darunter zu leiden. 

Familienbesuche über die Grenze, auch die Betreuung ist nicht ohne weiteres erlaubt. Bislang entschieden die Grenz-Polizisten nach ihrem eigenen Ermessen, wer nun die Grenze überqueren darf und wer nicht. Die deutsch-französische Grenzregion war bislang immer von guten Beziehungen geprägt. 

Doch bei vielen Menschen hatte sich in den vergangenen Wochen ein Bild des "dreckigen Franzosen" durchgesetzt. 

Andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrem Wohnort auszugrenzen, war und ist in jeglicher Situation falsch. Es bleibt zu hoffen, dass die Corona- Pandemie die langjährige intensive Freundschaft zwischen dem Saarland und Frankreich nicht zerstört, sondern aufbaut.

Viele YouTube-Kommentare fassen den Kern des Videos richtig auf. In schwierigen Zeiten sei es notwendig, gemeinsam statt gegeneinander zu handeln.

Titelfoto: Lou Benoist/AFP/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0