Fragen & Antworten zum Coronavirus in Sachsen: Das Wichtigste im Überblick

Sachsen - Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Kultusminister Christian Piwarz (CDU) stellten sich den Fragen der Bevölkerung. Im Facebook-Livestream am Donnerstag beantworteten sie diese.

Kretschmer zieht sich einen Mundschutz auf.
Kretschmer zieht sich einen Mundschutz auf.  © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Über 1153 Kommentare im Voraus der Stream-Ankündigung zeigten: Die Sachsen hatten viele Fragen zum Coronavirus! 

Besonders weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus in Sachsen waren ein großes Thema.

Kretschmer rief zu Beginn dazu auf, dass es nach wie vor wichtig ist, mindestens 1,5 Meter Abstand zu halten. Er fasste die kürzlich genannten, wichtigsten Regeln erneut grob zusammen. 

Zu einem Teil sollen Läden bis 800 qm, Baumärkte, Autohäuser geöffnet werden. Dabei betonte Kretschmer, dass Geschäfte, die eine größere Fläche haben, diese aber verkleinern wollen, nicht aufmachen dürfen.

Hintergrund sei, dass man große Menschenmengen aus den Innenstädten fernhalten will. Die Entscheidung, die der Bund bereits am Mittwoch traf, stößt bei Sachsens Ministerpräsident allerdings nicht auf komplette Zustimmung. Denn durch die Regelung haben vor allem kleinere Städte wieder volle Läden, die wiederum zu einem erhöhten Risiko beitragen. 

Friseurläden sollen ab 4. Mai wieder öffnen. Im Gespräch sind auch Nagel- und Kosmetikstudios.

Kretschmer bat die Bevölkerung, weiterhin "verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. 1,5 Meter Abstand, ein Mund- und Nasenschutz können deutlich helfen."

Für viele Menschen waren die strikten Anweisungen eine harte Einschränkung. Doch ab dem kommenden Montag gilt die Regelung, sich nur noch 15 km von seinem Wohnort zu entfernen, nicht mehr. Zudem ist es erlaubt, eine Person außerhalb des Haushaltes in der Öffentlichkeit zu treffen.

Schüler erhalten Mundschutz

Der Kultusminister Christian Piwarz.
Der Kultusminister Christian Piwarz.  © Sebastian Kahnert/ZB/dpa

Kultusminister Piwarz ist für den Teil der schulischen Fragen verantwortlich. Ab dem kommenden Montag werden die Schulen wieder gestaffelt geöffnet. Als Erstes werden die Abschlussklassen von Gymnasien, Förder- sowie Berufsschulen zurückkehren. 

Danach folgen die Vorabschlussklassen. Es gibt bislang noch keinen klaren Fahrplan für die genaue Gestaltung der Rückkehr der Klassen an die Schulen.

Für viele Schüler waren die bevorstehenden Prüfungen ein großes Thema. Jeder Schüler, so Piwarz, soll ohne große Erklärung den Zweittermin am 13. Mai für das Abitur wahrnehmen können. Ein dritter Termin soll im Juni stattfinden. Jeder, der es will, soll in Sachsen dieses Jahr sein Abiturzeugnis bekommen.

Die Zweitkorrektur soll an derselben Schule durchgeführt werden. Somit kann besser beurteilt werden, was der Schüler wissen musste, falls kein relevantes Wissen rechtzeitig zu den Prüfungen vermitteln werden konnte.

Die Reinigungsfirmen der Schulen sind zu besonderer Gründlichkeit aufgerufen. Alle Schulgebäude werden mit ausreichend Desinfektionsmittel ausgestattet. Die Klassen werden kleiner und Schüler müssen auf dem Pausenhof genügend Abstand wahren. Zudem erhält jeder Schüler einen wiederverwendbaren Mundschutz.

Die Lieferungen sollten bis Freitag jede Schule, welche wieder eröffnet, erreichen. Es sind jedoch keine speziellen FFP-2 Masken. Die betroffenen Schüler sind verpflichtet, zurück in die Schule zu gehen, allerdings kann es in Einzelfällen Ausnahmen geben.

Es wird an den Schulen keine Test-Kits geben. Jedoch sind die Schüler und Lehrer dazu angehalten, bei Verdacht zu Hause zu bleiben und sich krankschreiben zu lassen. 

Da es deutlich mehr Testkapazitäten gib, kann sich jeder in einer Corona- Ambulanz bei Verdacht testen lassen. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Unklare Situation bei Schimmbädern, Studenten werden abwarten müssen

In Kitas dürfen bislang nur Kinder von systemrelevanten Eltern betreut werden.
In Kitas dürfen bislang nur Kinder von systemrelevanten Eltern betreut werden.  © Peter Kneffel/dpa

Fitnesscenter und Schwimmbäder haben derzeit noch keinen Öffnungstermin erhalten. Dazu sagte Kretschmer, dass man hierbei die nächsten Wochen genau beobachten müsse - ebenso bei Campingplätzen und Fahrschulen.

Spielplätze werden noch nicht wieder eröffnet. 

Momentan herrscht reger Redebedarf aufgrund der Wiedereröffnung der Ämter. Dies soll so bald wie möglich geschehen.

Dass die Uni-Säle bald wieder öffnen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Die Vorlesungen werden auf längere Zeit online stattfinden müssen.

Mit der Wiedereröffnung vieler kleiner Geschäfte stehen berufstätige Eltern vor einem Problem. Denn bislang dürfen nur Kinder von systemrelevanten Eltern betreut werden. Doch wann gilt man als systemrelevant? Das muss, so Kretschmer, noch diskutiert werden.

Zudem müssen auch Erzieher in den Kitas geschützt werden. Es sei leider sehr schwierig, kleinen Kindern zu erklären, Abstand zueinander zu halten oder gar selbst Mundschutz zu tragen. 

Daher wird der Fokus auf andere Desinfektionsmaßnahmen gelegt, zum Beispiel die Gründung sehr kleiner Betreuungsgruppen.

Großveranstaltungen und Freizeitgestaltung

Großveranstaltungen, wie die Filmnächte, bleiben bis 31. August untersagt.
Großveranstaltungen, wie die Filmnächte, bleiben bis 31. August untersagt.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Bei einer Veranstaltung von über 1000 Personen ist laut Kretschmer klar, dass diese definitiv nicht stattfinden wird. 

Bei kleineren Versammlungen von knapp über 100 Menschen wird dieses noch diskutiert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Maßnahmen zu locker sind oder noch geweitet werden können.

Auch Gottesdienste und das Ausüben der Religionsfreiheit soll bald wieder möglich sein.

Jedoch ist eines definitiv klar: der Sommer wird ohne große Veranstaltung auskommen müssen!

Jegliche Freizeitgestaltung wird eingeschränkt ablaufen. Die Hotels und Restaurants haben nach wie vor geschlossen. Das sei natürlich kein absehbarer Dauerzustand, aber auch hier wurde eine Entscheidung vertagt.

Momentan, so Piwarz und Kretschmer, wird alles thematisiert, was in den kommenden zwei Wochen relevant ist. Und das ist immerhin eine Menge. Vorsichtig drückte Piwarz aus, dass die Schuleinführung im August eventuell möglich ist. Doch bei den Jugendweihen gibt es noch keine eindeutige Antwort.

Für den Sommer folgte zudem die Ernüchterung: Es ist unwahrscheinlich, dass man in anderen Ländern Urlaub machen kann. Dafür haben vor allem Frankreich und Italien noch viel zu sehr mit dem Virus zu kämpfen. Kretschmer bewirbt den Urlaub im eigenen Land, inwiefern dieser aber stattfinden kann, ist noch unklar.

Da zudem Tagesausflüge wieder möglich sind, kann man in der Sächsischen Schweiz wandern oder in anderen Städten bummeln gehen.

Das Heiraten ist an sich möglich, jedoch raten beide Politiker davon ab. Durch das enge Zusammensein mehrerer Menschen aus Deutschland stelle die Hochzeitsfeier eine extreme Gefahr zur Ausbreitung da. Zudem möchte wohl kaum jemand für die Ansteckung einer Person und deren eventuell folgenden schwierigen Krankheitsverlauf verantwortlich sein. Ähnlich sieht es mit Jugendweihen und Konfirmationen aus.

Kretschmer und Piwarz stellten sich über eine Stunde lang den Antworten der Zuschauer. Immer wieder wiesen sie auf die Vernunft und Disziplin der Sachsen hin. Denn nur so kann man Stück für Stück den Weg zurück in die Normalität finden.

Es gibt immer noch viele offene Fragen. Jedoch wird es aller zwei Wochen, demnächst am 4. Mai, weitere Entscheidungen geben. Bis dahin gilt es, den Weg in das öffentliche Leben zurückzufinden, ohne zu hohe Infektionen zu riskieren.

Titelfoto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

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