Luftfilter sollen das Lernen in Schulen sicherer machen, doch in Bayern hakt es noch gewaltig

München - Luftfilter in Klassenräumen sollen ein Mittel sein, damit in Bayern wieder in der Schule gelernt werden kann - und nicht nur daheim am Computer. Doch kurz vor Schulstart ist klar: In vielen Klassen bleibt die Luft ungefiltert.

Nun ist klar: Zum Schulstart werden wohl zahlreiche Klassenräume in Bayern nicht mit entsprechenden Luftfiltern ausgestattet sein. (Symbolbild)
Nun ist klar: Zum Schulstart werden wohl zahlreiche Klassenräume in Bayern nicht mit entsprechenden Luftfiltern ausgestattet sein. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Denn zum Schulstart werden wohl zahlreiche Klassenräume in Bayern nicht mit Luftfiltern ausgestattet sein. Wie viele das sind, ist zwar unklar, aber bis Ende August waren beim bayerischen Kultusministerium nach Angaben eines Sprechers erst für rund 23.000 Klassenräume Fördergelder beantragt worden - von insgesamt rund 75.000.

Allerdings gebe es auch Schulen, die die Luftfilter ohne Fördergelder beschafft hätten, betonte ein Ministeriumssprecher. Die Zahl der tatsächlich mit einem Filter ausgestatteten Klassen dürfe darum höher sein. Wie hoch, wisse er aber nicht.

"Die beantragte Summe erhöht sich jedoch täglich", sagte der Sprecher außerdem. Nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (54, CSU) waren nur zwei Wochen vor Beginn des Schuljahrs aber erst zehn Prozent der Gelder aus dem im Sommer aufgelegten Förderprogramm abgerufen worden.

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Das Kultusministerium betonte, dass früher ausgezahlte Fördergelder dagegen schon zu 100 Prozent abgerufen worden seien.

"Das ist uns schlicht zu wenig. Hier wurde furchtbar viel Zeit verschenkt", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede, zu den vorgelegten Zahlen aus dem Ministerium und führte zudem noch weiter aus: "Viele Schulträger wollen nicht investieren, weil sie nicht wussten, ob mit entsprechender Ausstattung auch wirklich mehr Präsenzunterricht stattfinden kann. Dazu hat die Politik leider nie eine Ansage gemacht."

Möglichkeit für guten Unterricht unter Coronavirus-Bedingungen noch nicht überall geschaffen

Luftfilter sollen in Bayern dafür sorgen, dass Kinder endlich wieder in der Schule lernen können - und nicht daheim vor dem Computer.
Luftfilter sollen in Bayern dafür sorgen, dass Kinder endlich wieder in der Schule lernen können - und nicht daheim vor dem Computer.  © Sven Hoppe/dpa

Auch für die Präsidentin des bayerischen Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann (51), ist diese Situation untragbar. Denn die Schulen, die es sich leisten konnten, auch ohne Fördergelder entsprechende Luftfilter anzuschaffen, seien diejenigen, die finanziell gut ausgestattet sind.

"Und nicht diejenigen aus einem schwierigeren sozio-ökonomischen Umfeld, in denen die Schüler besonders dringend auf Präsenzunterricht angewiesen sind", erklärte Fleischmann. Sie kritisierte scharf, dass auch nach anderthalb Jahren Pandemie noch immer nicht überall die Möglichkeit für einen guten Unterricht unter Coronavirus-Bedingungen geschaffen worden sei.

"Und so reden wir wieder nur über Corona-Rahmenbedingungen und nicht über Inhalte oder darüber, wie wir es unseren Schülern erleichtern können, mit der Pandemie umzugehen", sagte sie. Der Landeselternverband Bayerischer Realschulen forderte "bis spätestens Ende 2021 ein Raumluftreinigungsgerät und Plexiglastrennwände in jedem Klassenraum" und schrieb einen "Brandbrief" an Kultusminister Michael Piazolo (61, Freie Wähler).

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Betont wird: "Unsere Kinder sind die Leidtragenden, weil Sachaufwandsträger sich vor Kosten scheuen, deren Ausgabe die Gesundheit unserer Kinder sichern sollen und die Erhaltung des Bayerischen Bildungsstandards gewährleisten."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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