Schutzausrüstung: Van-Laack-Chef über Negativ-Debatte verärgert

Mönchengladbach - Der Chef des Hemdenherstellers van Laack, Christian von Daniels, kann die Aufregung um Schutzausrüstungsaufträge des Landes NRW an seine Firma nicht nachvollziehen.

Christian von Daniels, Chef der Modefirma van Laack, hat kein Verständnis für die Aufregung um die Schutzausrüstungsaufträge des Landes NRW an seine Firma.
Christian von Daniels, Chef der Modefirma van Laack, hat kein Verständnis für die Aufregung um die Schutzausrüstungsaufträge des Landes NRW an seine Firma.  © Bodo Marks/dpa

Man habe die Zuschläge bekommen, weil man sehr gute Qualität in großen Mengen habe liefern können, sagte der Firmeninhaber der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Konkurrenz war dazu nicht in der Lage." Seine Firma sei in Deutschland Marktführer geworden bei textilen Mund-Nasenmasken, mehr als 120 Millionen dieser Alltagsmasken konnte van Laack nach eigenen Angaben verkaufen. "Die Behörden bestellen bei uns, weil wir gut sind - und nicht, weil Laschet junior einen Minijob bei uns hat."

Damit bezog sich von Daniels auf die Rolle des Modebloggers Johannes "Joe" Laschet, der für van Laack freiberuflich tätig ist und dessen Produkte in sozialen Medien bewirbt.

Laschet junior hatte seinem Vater, dem NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (59, CDU), Ende März die Handynummer von Firmenchef von Daniels gegeben. Tatsächlich rief Laschet senior an, um nach Schutzausrüstung zu fragen.

Wenig später kamen Vertreter des Landesgesundheitsministeriums nach Mönchengladbach und etwa vier Wochen später erhielt van Laack einen Auftrag über 10 Millionen Schutzkittel für 38,5 Millionen Euro. Um Masken ging es hierbei nicht, die wurden bei anderen Firmen bestellt.

Die SPD-Landtagsfraktion findet den Kitteldeal anrüchig, Laschet hingegen weist Kritik zurück - aus seiner Sicht habe man in der damaligen Pandemiesituation schnell handeln müssen und man habe dringend Schutzausrüstung benötigt.

Laschet junior bekam nach eigenen Angaben und laut der Firma kein Geld für die Vermittlung.

Van-Laack-Chef wirft SPD vor, Negativ-Debatte für politische Kampagne auszunutzen

Die Modefirma van Laack steht seit dem umstrittenen Schutzkittel-Auftrag des Landes NRW in der Kritik.
Die Modefirma van Laack steht seit dem umstrittenen Schutzkittel-Auftrag des Landes NRW in der Kritik.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Separat zu den Schutzkitteln sicherte sich van Laack im Mai und im November zwei Aufträge von einem dem Innenministerium untergeordneten Landesamt über je 1,25 Millionen Alltagsmasken im Wert von netto 1,625 Millionen Euro. Die Masken waren für Polizisten.

In beiden Fällen gab es wegen der Pandemie keine Ausschreibung – in dringlichen Lagen ist das laut Vergaberecht möglich. Nach dem Protest einer Firma aus Wuppertal, die sich benachteiligt fühlte, entschied sich das Landesamt allerdings zur Rückabwicklung des November-Auftrags - dieser soll nun doch ausgeschrieben werden.

Von Daniels wollte die Entscheidung nicht kommentieren, er verwies aber darauf, dass die Firma aus Wuppertal nach seinen Kenntnissen viel zu klein sei für so einen großen Auftrag. An der Neuausschreibung will er sich beteiligen und rechnet fest mit einem Erfolg.

Den van-Laack-Chef ärgert es, dass sein Unternehmen so in eine negative Debatte hineingezogen wurde. Der SPD wirft er vor, das Thema für eine politische Kampagne zu nutzen und sich nicht richtig informiert zu haben. Die Vergabe des Auftrags sei sauber verlaufen, betont der Manager.

Aber war die Telefonnummern-Weitergabe samt Laschet-senior-Anruf ein Türöffner, der nicht nur den Schutzkittel-Auftrag ermöglicht, sondern auch Aufträge anderer Behörden eingeleitet hat - etwa für die beiden Aufträge für die NRW-Polizei?

Von Daniels schüttelt den Kopf. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da ein Zusammenhang besteht." Zum einen hätten die NRW-Behörden auch umfangreiche andere Aufträge an andere Firmen vergeben. Zum anderen wertet von Daniels es als Beleg für gute Qualität, dass auch andere staatliche Einrichtungen in Deutschland insgesamt eine Million Masken bei seinem Unternehmen bestellt haben, etwa Justizvollzugsanstalten aus Hessen und Bayern.

Zudem betont der Manager, dass das Geschäft mit den Behörden für seine Firma bloß eine untergeordnete Bedeutung habe - nur etwa drei Prozent der 2020 verkauften Alltagsmasken gingen an den Staat, 97 Prozent wurden an Supermärkte, Drogerien und Apotheken geliefert.

Titelfoto: Bodo Marks/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa (Bildmontage)

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