Schwerkranke in Corona-Krise: So geht es Benni in Quarantäne

Rheinland-Pfalz - Mit seinem Muskelschwund wäre eine Infektion mit dem Coronavirus lebensbedrohlich für Benni Over. Seit über sieben Wochen hat er und die ganze Familie das Haus nicht mehr verlassen. 

Benni sitzt an einem Tisch und arbeitet an seinem Buch.
Benni sitzt an einem Tisch und arbeitet an seinem Buch.  © Klaus Over

Die Familie wurde von vielen Helfern, wie Pflegern oder Logopäden im Haus unterstützt. Das gibt es seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr. 

Seine Eltern übernehmen nun diese Aufgaben und verließen das Haus nicht mehr - und das bereits seit Wochen. 

TAG24 hat bei Familie Over nachgefragt, wie es ihnen in Quarantäne geht. 

Bereits eine normale Grippe wäre für den schwerkranken Benni sehr gefährlich. "Vor über drei Jahren war ich wegen einer Lungenentzündung 37 Tage auf der Intensivstation, zeitweise im künstlichen Koma", erinnert sich Benni Over.

Daher gehen sie kein Risiko ein: Die Familie hat entschieden, sich komplett von der Außenwelt abzuschotten, denn "eine Infektion mit Corona wäre für mich sofort lebensbedrohlich", erklärt Benni Over.

Neben dem Haushalt kümmern sich seine Eltern nun auch um die Pflege und die Therapien, denn sie lassen auch niemand mehr ins Haus. "Allerdings müssen wir uns sehr diszipliniert verhalten, um das alles zu schaffen. Das ist schon ganz schön anstrengend, vor allem für meine Eltern. Und irgendwie geht alles langsamer und doch vergehen die Tage viel schneller", sagt Benni.

In einem Video gibt die Familie einen Einblick in ihren Alltag:

Connie Over macht unter Anleitung Atemübungen mit ihrem Sohn.
Connie Over macht unter Anleitung Atemübungen mit ihrem Sohn.  © Klaus Over

Die Familie sind nahezu Selbstversorger und wenn mal etwas vom Laden benötigt wird, helfen Nachbarn und Ehrenamtliche aus. 

Benni und seine Familie werden in der Isolation ausharren, bis ein Impfstoff gefunden wurde. Sich mit Freunden zu treffen ist für die Familie aktuell tabu und das fehlt ihnen. 

Außerdem war ein Highlight geplant: "Wir hatten für den Sommer einen Urlaub in der Toskana gebucht. Auf dem Weg dorthin wären wir für eine Woche in Südtirol gewesen, wo wir fünf Veranstaltungen zu meinem Projekt gehabt hätten. Das fällt jetzt alles aus. Darüber sind wir alle sehr traurig", sagt Benni.

Benni Over ist ein tapferer Kämpfer. Er setzt sich trotz seiner schweren Erkrankung für den Regenwald ein. Dafür besucht er Schulen und klärt über das Klima, den Regenwald und die vom Aussterben bedrohten Orang-Utas auf. Zudem hat er Kinderbücher über die Thematik verfasst. 

Die rund 30 Veranstaltungen fallen aktuell natürlich flach. Als Alternative bietet er Skype-Sessions an: "Dies aber ist nicht so, wie wenn wir vor Ort, zum Beispiel vor 300 Grundschulkindern, in einer Aula wären", erklärt Benni. Die Skype Sessions bietet er nun auch für Altenheime an, um sich mit anderen Risikogruppen zu solidarisieren. 

"Seit Wochen stelle ich mir die Frage, wie wir in der Zeit nach Corona leben werden? Wohl kaum so, wie bisher! Mit meinen Projekten möchte ich gerne meinen Beitrag leisten auf dem Weg in eine Welt, in der die Menschen achtsam miteinander umgehen werden, in der sich Profitziele und Gier dem achtsamen Umgang mit Natur und Umwelt unterordnen werden. Denn wir haben doch nur diese eine Erde", sagt Benni Over. 

Der Schwerkranke wünscht sich neben der Aufmerksamkeit für die Umwelt auch, dass die Risikogruppen nicht vergessen werden: "Sowohl bei Schutzmaterial für die Pflegenden als auch mit Hilfen, diese am Leben teilhaben zu lassen, wenn das öffentliche Leben wieder pulsiert". 

Titelfoto: Klaus Over

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