So soll der Corona-Impfstoff in Thüringen eingesetzt werden: Fragen und Antworten

Thüringen - In einen Corona-Impfstoff setzen viele Menschen die große Hoffnung, die Pandemie endlich beherrschen und besiegen zu können. Doch es wird zu Beginn schleppend vorangehen. Für die Verteilung gibt es klare Regeln.

Kartons mit den ersten knapp 10.000 Dosen Corona-Impfstoff für Thüringen werden in einen Gefrierschrank eingelagert.
Kartons mit den ersten knapp 10.000 Dosen Corona-Impfstoff für Thüringen werden in einen Gefrierschrank eingelagert.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Nach monatelangem Warten auf einen Corona-Impfstoff haben die ersten Dosen den Weg nach Thüringen gefunden.

Impfstart ist am Sonntag. Geimpft werden sollen zuerst Ältere in Pflegeeinrichtungen, die ein besonders hohes Risiko für eine Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf haben.

Doch auch viele andere Menschen sind an der Impfung interessiert. In den ersten Wochen wird der Impfstoff noch rar sein - nicht nur in Thüringen, sondern in ganz Deutschland.

Wer wann an der Reihe ist - dafür gibt es eine eindeutige Priorisierung. Die wichtigsten Fakten zur Impfung im Freistaat:

Wie viel Impfstoff steht Thüringen in den nächsten Wochen zur Verfügung?

Los geht es mit Lieferungen von insgesamt 19.500 Impfdosen bis Ende 2020. Die ersten rund 10.000 Dosen wurden bereits am Samstag per Kühltransport und unter Polizeibegleitung nach Thüringen gebracht.

Ab Januar dann sollen in den ersten sieben Kalenderwochen jeweils 19.500 Vakzine ankommen - insgesamt kommt Thüringen damit auf zunächst rund 156.000 Impfdosen.

Für eine Immunisierung sind pro Mensch zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen nötig. Geplant ist, dass in der letzten Dezemberwoche und in den ersten beiden Januarwochen jeweils bis zu 9750 Menschen eine erste Impfung erhalten.

Ab der vierten Kalenderwoche 2021 sollen dann jeweils rund 10.000 Menschen wöchentlich eine Erstimpfung und 10.000 Menschen jeweils ihre Zweitimpfung erhalten.

Ein Mitarbeiter einer Transportfirma steht auf der Ladefläche eines Kühltransporters und entlädt Kartons mit den ersten knapp 10.000 Impfdosen für Thüringen.
Ein Mitarbeiter einer Transportfirma steht auf der Ladefläche eines Kühltransporters und entlädt Kartons mit den ersten knapp 10.000 Impfdosen für Thüringen.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Wie sieht diese Rangfolge aus?

Höchste Priorität haben über 80-Jährige, Personal und Bewohner in Pflegeheimen, Gesundheitspersonal in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Danach folgen mit "hoher Priorität" unter anderem über 70-Jährige und Menschen mit hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe - etwa mit Trisomie 21, Demenz oder einer geistigen Behinderung.

Zur dritten Kategorie mit "erhöhter" Priorität zählen Menschen ab 60 Jahre, Vorerkrankte - zum Beispiel Diabetiker, Krebs-, Herz- und Asthmapatienten und Angehörige bestimmter Berufsgruppen.

Dazu zählen unter anderem Polizisten, Feuerwehrleute und Apothekenpersonal, aber auch Lehrkräfte und Erzieherinnen und Beschäftigte wichtiger lebensnotwendiger Wirtschaftsbranchen.

Wenn es dann für die meisten Menschen endlich losgeht: Wie läuft die Impfung ab?

Landesweit sollen das 29 zentrale Impfzentren übernehmen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen sie voraussichtlich ab 13. Januar ihre Arbeit aufnehmen.

Sie befinden sich in Räumen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, in Krankenhäusern und kommunalen Veranstaltungszentren und werden entsprechend der Verfügbarkeit des Impfstoffes schrittweise hochgefahren.

Sie sollen zwischen sechs und zwölf Stunden täglich öffnen. Verantwortlich für den Aufbau und das Management der Impfstellen ist die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen.

Zudem gibt es ab Januar 15 mobile Impfteams für den Einsatz in Pflegeheimen, aber auch für die Impfung von in ihrer Mobilität eingeschränkten anderen Menschen. Personal von Pflegeheimen und Krankenhäusern soll vor Ort geimpft werden - auch mithilfe von Betriebsärzten und niedergelassenen Ärzten.

Wie bekommt man einen Impftermin?

In zentralen Impfzentren geht es los. Dann sollen die Hausärzte kommen. Eine medizinische Fachangestellte setzt bei einem Probedurchlauf in einem Impfzentrum bei einer Frau die Kanüle zur Impfung an. In der Spritze befindet sich kein Impfstoff (gestellte Szene).
In zentralen Impfzentren geht es los. Dann sollen die Hausärzte kommen. Eine medizinische Fachangestellte setzt bei einem Probedurchlauf in einem Impfzentrum bei einer Frau die Kanüle zur Impfung an. In der Spritze befindet sich kein Impfstoff (gestellte Szene).  © Nicolas Armer/dpa

Termine werden entweder ab dem 4. Januar online über die Website www.impfen-thueringen.de vergeben oder für Menschen, die nicht über einen Internetzugang verfügen, unter der Telefonnummer 03643-4950490.

Derzeit ist der Online-Zugang aber noch nicht für die Terminvergabe freigeschaltet. Wichtig: Ohne Termin auf gut Glück wird man nicht geimpft! Und wer einen Termin haben möchte, muss nachweisen, dass er einer vorrangig zu impfenden Bevölkerungsgruppe angehört.

Das Angebot gibt es zunächst nur für jene Thüringer, die laut der Impf-Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums in die Personengruppe zählen, deren Impfung höchste Priorität hat.

Wie wird das nachgewiesen?

Nach der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums soll beim Alter ein Personalausweis oder anderer Lichtbildausweis reichen.

Sonst sind Bescheinigungen der Einrichtungen oder Unternehmen vorzulegen, bei Vorerkrankungen ein Attest (ärztliches Zeugnis).

Wenn ausreichend und in der Lagerung weniger anspruchsvolle Impfstoffe zur Verfügung stehen, sollen die Hausärzte eingebunden werden. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (51, Linke) hofft, dass das im zweiten Halbjahr 2021 möglich ist.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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