Stille Helden! Immer mehr Bürger und Rathäuser organisieren freiwillige Hilfe

Von Eric Hofmann

Bautzen/Pirna - Während das Coronavirus das öffentliche Leben zunehmend lähmt, werden andere besonders aktiv: Vor allem in den Kleinstädten und Dörfern sprießen plötzlich freiwillige Hilfsangebote hervor.

Transporter-Fahrer Alexander Schädlich (38) wartet auf Anrufe aus der Risikogruppe.
Transporter-Fahrer Alexander Schädlich (38) wartet auf Anrufe aus der Risikogruppe.  © Ove Landgraf

Rammenaus Bürgermeister Andreas Langenhammer (44) wurde positiv auf Corona getestet, sitzt selbst in Quarantäne. Doch auch von zu Hause aus will er verhindern, dass besonders gefährdete Einwohner sich anstecken. 

So rief er die örtlichen Händler an, zum Beispiel Frank Peterle (60), Chef des örtlichen Sparmarkts: "Ältere Leute, die nicht rausgehen sollten, können einfach bei uns anrufen", erklärt der Marktleiter. "Wenn es zeitlich klappt, bringe ich die Einkäufe vorbei, ansonsten freiwillige Helfer."

Ganz ähnlich läuft es im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf: "Wir hatten am Mittwoch Sitzung, da kam vom Ortsvorsteher die Idee, etwas zu tun", sagt Ortschaftsrätin Erika Dürr (69). 

"Nun haben wir überall Schreiben ausgehängt. Ältere Personen können uns anrufen, Helfer übernehmen die Einkäufe. Es haben sich schon zehn Freiwillige gemeldet."

Auf Hilfesuchende wartet ebenfalls Alexander Schädlich (38) in Bautzen: Zusammen mit seiner Frau betreibt er das "Oberlausitzer Gütertaxi", fährt nachts Zeitungen von Berlin nach Dresden: "Am Tage stehen die Transporter herum", sagt er. 

"Das kann man doch nutzen." So sammelt er ab sofort Bestellungen in Bautzen und Großdubrau, würde diese dann in den Märkten kaufen. Allerdings müsste etwas zum Spritpreis dazugegeben werden. Je mehr Bestellungen auf einer Tour liegen, desto geringer der Unkostenbeitrag für die Einzelnen. 

Marktleiter Frank Peterle (60) bringt besonders Gefährdeten in Rammenau die Einkäufe vorbei.
Marktleiter Frank Peterle (60) bringt besonders Gefährdeten in Rammenau die Einkäufe vorbei.  © Ove Landgraf

THW in Dipps verschenkt Klopapier

Lars Werthmann (35) und seine Kollegen vom THW Dippoldiswalde müssen jetzt noch mehr Klopapier besorgen.
Lars Werthmann (35) und seine Kollegen vom THW Dippoldiswalde müssen jetzt noch mehr Klopapier besorgen.  © Steffen Füssel

Zum Schmunzeln sollte die Aktion sein, nun müssen die Helfer vom THW Dippoldiswalde selbst für Klopapiernachschub sorgen: Auf der eigenen Facebookseite rief das THW auf, wer die derzeit begehrte Ware braucht, bekommt eine Rolle des THW-eigenen Papiers, man müsse nur unter dem Beitrag kommentieren.

"Einfach, um in der ganzen Panik auch mal für ein Lächeln zu sorgen", meint Dienststellenleiter Lars Werthmann (35). "Wir haben sogar extra eine Banderole entworfen mit Hygienetipps." 

Die Aktion sorgte allerdings für weitaus mehr Ansturm als gedacht. "Wir haben mit etwa 20 Leuten gerechnet."

Nun sind es aber mehr als 180 Menschen, die gern eine Rolle THW-Klopapier haben wollen. "Jetzt müssen wir erst mal schauen, wie viel wir wirklich ausliefern können", so Werthmann.



Die extra entworfene Banderole mit Hygiene-Tipps werden die Helfer nun wohl noch öfter ausdrucken müssen.
Die extra entworfene Banderole mit Hygiene-Tipps werden die Helfer nun wohl noch öfter ausdrucken müssen.  © THW Dippoldiswalde

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