Tausende Lkw-Fahrer stecken auf der Insel fest: Corona-Mutation wird zum Weihnachts-Horror

Dover - Weihnachten auf der Insel: Was sich nach einem wahr gewordenen Lebenstraum anhört, wird am Donnerstag für zahlreiche Lkw-Fahrer bitterböse Realität.

In Dover wurde die Polizei von wütenden Fahrern beschimpft.
In Dover wurde die Polizei von wütenden Fahrern beschimpft.  © dpa/Steve Parsons

Noch immer warten Tausende von ihnen unter teils widrigen sanitären Bedingungen darauf, endlich aus Großbritannien zurück nach Kontinental-Europa zu ihren Familien fahren zu dürfen. Doch obwohl Frankreich die Grenzen zum Vereinigten Königreich nach dem Ausbruch der Corona-Mutation B.1.1.7 langsam wieder öffnet, werden viele wohl noch Tage in und um den Hafen von Dover verharren müssen.

Denn: Grundvoraussetzung für eine Überfahrt nach Frankreich ist ein negativer Corona-Test. Aktuell arbeiten die Behörden nach Aussage des Verkehrsministeriums daran, diesen für die mehr als 5000 Fahrzeuge (der Spediteursverband geht gar von bis zu 10 000 aus) zu organisieren, die in der Grafschaft Kent auf eine Ausreise warten. Auch die Armee ist involviert.

Doch wird sich das Prozedere nach Angaben der britischen Regierung wohl noch über Tage hinziehen, womit Weihnachten zu Hause für die Betroffenen in ganz weite Ferne rückt. Wenig überraschend machten die sich deshalb mit einem wütenden Hupkonzert und Rufen wie "Wir wollen nach Hause" Luft.

Einige Brummifahrer gerieten sogar mit der Polizei aneinander, es kam zu einer Festnahme.

Scheuer: Fahrern soll Reise zu ihren Familien ermöglicht werden

Auf der britischen M20 stehen die Lkws nach der Grenzschließung dicht an dicht.
Auf der britischen M20 stehen die Lkws nach der Grenzschließung dicht an dicht.  © dpa/Kirsty Wigglesworth

"Es ist weiterhin eine sehr schwierige Situation für sie", schrieb der deutsche Botschafter Andreas Michaelis (61) auf Twitter.

Er hatte zuvor vergeblich versucht, nach Manston, etwa 30 Kilometer von Dover entfernt, zu gelangen, wohin rund 3 000 Laster umgeleitet worden waren. Lediglich per Telefon war Kontakt zu einigen der laut Bundesverband Spedition und Logistik 300 bis 400 deutschen Fahrer möglich.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU) forderte eine rasche Lösung des Problems. "Wir müssen hier schnell gemeinsam eine Lösung finden, die Lieferketten aufrecht zu halten und vor allem den Fahrern die Reise zu ihren Familien in die Heimat zu ermöglichen." Aktuell führe er Gespräche mit der EU-Kommission und seinen Verkehrsministerkollegen.

Derweil haben Wissenschaftler eine weitere "höchst besorgniserregende" Mutation des Coronavirus in Großbritannien entdeckt. Sie trat laut Gesundheitsminister Matt Hancock (42) bei zwei Kontaktpersonen von aus Südafrika eingereisten Infizierten auf. Laut Hancock ist sie noch ansteckender und wohl noch weiter mutiert als B.1.1.7.

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Steve Parsons, dpa/Kirsty Wigglesworth

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