Traurige Todes-Marke erreicht: Wer sind die 100.000 Corona-Toten?

Berlin/Dresden - "Naturkatastrophe in Zeitlupe": Täglich macht die Corona-Pandemie in Deutschland Schlagzeilen. Die Inzidenz steigt scheinbar unaufhaltsam. Am Donnerstag wurde nun die nächste traurige Marke geknackt: Seit Beginn der Pandemie sind in Deutschland mehr als 100.000 Menschen an oder mit dem Virus gestorben. Wer waren diese Leute?

100.000 Leben forderte die Corona-Pandemie inzwischen in Deutschland.
100.000 Leben forderte die Corona-Pandemie inzwischen in Deutschland.  © Julian Stratenschulte/dpa

"Hinter dieser Zahl stehen 100.000 Menschen, die ihr Leben verloren haben. Und noch viel mehr, die um sie trauern", schrieb das Robert-Koch-Institut (RKI) in bewegenden Zeilen auf Twitter.

Ein Blick in deren Wochenbericht lässt eine Annäherung an die wohl wichtigste Frage der Pandemie zu: Wen bedroht Corona unmittelbar mit dem Tod?

Demnach sind 86 Prozent der Gestorbenen 70 Jahre alt oder älter, "nur" 33 Tote seien insgesamt unter 20 gewesen. Bei dieser vergleichsweise sehr niedrigen Zahl kann man sich ziemlich sicher sein, denn diese Fälle prüft das RKI einzeln.

Coronavirus: AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat sich infiziert
Coronavirus Coronavirus: AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat sich infiziert

Wer an chronischen Nierenerkrankungen, Demenz, Down-Syndrom, starkem Übergewicht, Diabetes, bestimmten Lungenerkrankungen und psychiatrischen Erkrankungen leidet, muss allerdings - egal wie alt - mit einem schwereren Verlauf rechnen. Auch Schwangere haben ein deutlich erhöhtes Corona-Risiko.

Ärzte berichteten wiederholt von Fällen, in denen Babys noch gerettet werden konnten, die Mütter aber starben. Ein weiterer Faktor: Seit der zweiten Welle steigt die Anzahl der Todesfälle in sozial benachteiligteren Gegenden Deutschlands deutlich stärker an.

Inzidenz im Vergleich zum vorherigen Winter deutlich höher, doch die Todeszahl ist niedriger

Trotz deutlich höherer Inzidenzen. Es sterben durch die Impfung weniger Menschen als im vorherigen Winter.
Trotz deutlich höherer Inzidenzen. Es sterben durch die Impfung weniger Menschen als im vorherigen Winter.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Die meisten Tode gab's vorigen Winter, als teilweise 1000 Menschen pro Tag ihr Leben ließen.

Obwohl die Inzidenzen im Vergleich zur letzten kalten Jahreszeit ungeahnte Ausmaße annehmen, sterben heute insgesamt weniger Menschen am Virus - und das liegt an der Impfung!

Für Menschen über 60 schätzt das RKI den Schutz vor einem coronabedingten Tod durch die Impfung auf über 85 Prozent.

Debatte um Berechnungsmethode für Inzidenz bei Ungeimpften
Coronavirus Debatte um Berechnungsmethode für Inzidenz bei Ungeimpften

Und trotzdem muss es hier deutlichere Fortschritte geben, sonst gebe es 100.000 weitere Corona-Tote, "bevor sich das Fahrwasser beruhigt. Das ist eine konservative Schätzung", sagte kürzlich der Berliner Virologe Christian Drosten (49).

Im Vergleich zu einigen anderen Industrienationen steht Deutschland vergleichsweise noch relativ gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100.000 Einwohner sind es in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien.

Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als dreimal so viele sind es in Bulgarien.

Kommentar von Paul Hoffmann: "Rettet endlich Leben!"

Nach 100.000 Corona-Toten fordert TAG24-Redakteur Paul Hoffmann: "Rettet endlich Leben!"
Nach 100.000 Corona-Toten fordert TAG24-Redakteur Paul Hoffmann: "Rettet endlich Leben!"  © Eric Münch

Der Donnerstag war ein trauriger Tag in einem Winter, der wieder ganz besonders trist werden wird.

100.000 Menschen sind seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit Corona gestorben - viele weitere werden in den kommenden Wochen und Monaten dazukommen.

Für mich ist es dabei völlig egal, ob sie an oder nur mit der Krankheit gestorben sind.

Viele dieser Toten hätten noch einige Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre mehr gehabt, wenn ihnen diese vermaledeite Seuche nicht dazwischengekommen wäre.

Zeit, in der man sich von seiner Familie verabschieden oder noch den ein oder anderen Traum hätte verwirklichen können. Das trifft übrigens auch auf diejenigen Menschen zu, die wegen überfüllter Intensivstationen oder verschobener OPs sterben werden, ohne dass sie je Corona gehabt haben!

Sollte durch den gestrigen Tag jetzt nicht auch mal der Letzte begriffen haben, dass die Einhaltung der AHA-Regeln, die strikte Kontrolle der Gs und auch das Impfen keinesfalls ein Selbstzweck, sondern schon lange ein gesellschaftliches Gebot sind?

Frei nach Neil Armstrong ist das für jeden Bürger nur ein kleiner Schritt, der allerdings Großes bewirken kann - Leben retten!

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus: