Mit Corona-Infektion! Ärzte sollen in Belgien trotzdem arbeiten

Lüttich/ Brüssel - Belgien ist vom Coronavirus besonders hart betroffen. Dem Gesundheitssystem soll sogar der Kollaps drohen, warnen Mediziner. Ärzte, die positiv getestet sind, aber keine sichtbaren Symptome zeigen, sollen laut einem Pressebericht trotzdem möglichst arbeiten.

Die Krankenhäuser in Belgien haben massiv mit der Behandlung von Corona-Infizierten zu tun.
Die Krankenhäuser in Belgien haben massiv mit der Behandlung von Corona-Infizierten zu tun.  © Francisco Seco/AP/dpa

Belgien meldete am vergangenen Dienstag 15.432 Corona-Infektionen binnen eines Tages und damit einen neuen Höchstwert. Der vorherige Höchstwert eine Woche vorher lag noch fast 3000 Infektionen darunter.

Diese rasante und beunruhigende Entwicklung scheint einen Mangel an Ärzten mit sich zu bringen.

"Die Situation ist katastrophal", sagt Philippe Devos, ein Intensivmediziner im Krankenhaus CHC Montlégia in Lüttich, wie die Washington Post berichtet. 

Lüttich, unweit von der belgisch-deutschen Grenze entfernt, ist besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen.

Viele der Ärzte und Pflegekräfte seien infiziert oder in Quarantäne, so Devos. In manchen Kliniken soll es sich um bis zu ein Viertel des medizinischen Personals handeln.

Belgien hat deutlich mehr Infektionen zu vermelden - bei geringerer Einwohnerzahl als Deutschland

"Seit dieser Woche werden positiv Getestete gebeten, wieder zur Arbeit zu kommen, wenn sie asymptomatisch sind", sagt Devos, der auch Präsident des belgischen Verbandes der Medizinergewerkschaften ist. "Wir stecken tief drin."

Da man nicht genau feststellen kann, wie lange Menschen bei einer Corona-Erkrankung infektiös sind, muss man sich vor der Wiederaufnahme der Arbeit eigentlich sicher sein, dass man nicht länger ansteckend ist.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, dass Personen ohne erkennbare Symptome erst zehn Tage nach Erstnachweis des Corona-Erregers eine häusliche Isolation beenden sollten. Doch die Ärzte in Lüttich scheinen sich an diese Vorgaben nicht zu halten - wahrscheinlich auch, weil die Corona-Infektionen gemessen an der Einwohnerzahl Belgiens besonders hoch sind.

Auch hat das deutsche Nachbarland deutlich mehr Infektionen zu vermelden als die Bundesrepublik - dabei hat Deutschland über die siebenfache Einwohnerzahl als Belgien.

Brüssel verschärft Corona-Beschränkungen

Die Regionalregierung der Hauptstadt Brüssel verschärfte wegen der stark steigenden Zahlen nochmals die Regeln. So gilt unter anderem ab Montag in Brüssel überall Maskenpflicht, die nächtliche Ausgangssperre beginnt bereits um 22 Uhr statt um Mitternacht, wie Ministerpräsident Rudi Vervoort mitteilte. Schwimmbäder, Sportclubs und Fitnessstudios müssen schließen, ebenso Theater, Kinos und Museen.

Heimarbeit ist Pflicht, soweit dies möglich ist. Und: Kinder dürfen an Halloween nicht von Tür zu Tür ziehen.

Titelfoto: Francisco Seco/AP/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0