Überlastete Ämter: NRW rüstet sich für kommende Omikron-Welle

Köln – Die Omikron-Welle pflügt durch Nordrhein-Westfalen. Immer mehr Städte und Kreise reißen bei der Corona-Inzidenz die Marke 1000. Im Gesundheitswesen werden Notfallpläne vorbereitet.

Karl-Josef Laumann (64, CDU) stellte die neuen Pläne für die erwartete Corona-Welle vor und sprach unter anderem von einer Priorisierung bei der Kontaktnachverfolgung.
Karl-Josef Laumann (64, CDU) stellte die neuen Pläne für die erwartete Corona-Welle vor und sprach unter anderem von einer Priorisierung bei der Kontaktnachverfolgung.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die nordrhein-westfälische Landesregierung bereitet das Gesundheitswesen und die kritische Infrastruktur auf die Omikron-Welle mit sprunghaft steigenden Corona-Neuinfektionen vor. "Wir haben durch die frühere Freitestmöglichkeit für Infizierte nach sieben Tagen und die Ausnahmen für geboosterte und genesene Kontaktpersonen bei der Quarantäne schon Druck vom Kessel genommen", sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (64, CDU) der Rheinischen Post.

Zugleich habe das Land Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken dazu aufgefordert, Notfallkonzepte aufzulegen. "Wir haben ein Freiwilligenregister, mit dem wir Personalausfälle in Teilen kompensieren können", sagte Laumann. Für die Kliniken gebe es ein Kleeblattsystem zur Verlegung von Patienten, das sich von den Intensivstationen auch auf Normalstationen übertragen ließe. Das Land tue alles, um vorbereitet zu sein. "Aber am Ende kann niemand sagen, wie groß die Wucht der Welle wird."

Noch sehe es nicht so aus, als würden die Intensivstationen an ihre Belastungsgrenze kommen, stellte Laumann fest. Allerdings seien die Normalstationen stark belegt. Das sei aber in dieser Jahreszeit üblich und liege nicht an Corona.

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Intensivmediziner sagten überdies, es sei noch zu früh, um zu beurteilen, ob Omikron weniger Probleme bereite. "Wir stellen uns deshalb auf verschiedene Szenarien ein."

Inzidenzen steigen überall, einige Kreise bereiten Sorge

Bonn kämpft aktuell mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. (Symbolbild)
Bonn kämpft aktuell mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. (Symbolbild)  © Roberto Pfeil/dpa

In NRW stieg die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen weiter sprunghaft an. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag kletterte der Wert neuer Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen auf 680,8 – nach 627,4 am Donnerstag. Die Gesundheitsämter meldeten binnen 24 Stunden rund 28.000 Neuinfizierte. NRW blieb jedoch unterhalb der bundesweiten Inzidenz von aktuell 706,3.

Die Zahl der Städte und Kreise mit einer Inzidenz über 1000 wuchs an. Dazu gehörten am Freitag Bonn (1144,4), Solingen (1138,9), Wuppertal (1092,7), Krefeld (1079,2), der Kreis Borken (1053,2) und Herne (1008,7). Die niedrigste Neuinfektionsrate wies der Kreis Recklinghausen mit 273,1 auf.

Von den Corona-Infizierten kamen in NRW binnen einer Woche pro
100.000 Einwohner 3,2 ins Krankenhaus, wie das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) am Freitagmorgen meldete.

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Die Hospitalisierungsinzidenz stieg damit in den vergangenen Tagen leicht an. Covid-Patienten belegten den Angaben zufolge knapp 7,5 Prozent der Intensivbetten in NRW – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vortag. Während die Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern binnen 24 Stunden um gut 100 auf knapp 2400 anstieg, sank ihre Zahl auf Intensivstationen von 395 auf 389.

Gesundheitsämter und Labore erfahren starke Belastung

Gesundheitsämter in NRW, wie hier in Köln, bekommen die Möglichkeit Aushilfskräfte zu beantragen. (Symbolbild)
Gesundheitsämter in NRW, wie hier in Köln, bekommen die Möglichkeit Aushilfskräfte zu beantragen. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Laumann zufolge ist die Lage in den Gesundheitsämtern angespannt. Er hält eine Priorisierung bei der Kontaktverfolgung zur Entlastung der Ämter für erforderlich. "Wenn Sie bedenken, dass täglich inzwischen über 15.000 Fälle hinzukommen, zeigt das die enorme Belastung." Die Ämter sollten sich bei der Kontaktnachverfolgung daher stärker auf die vulnerablen Gruppen – etwa Pflegeheime – konzentrieren. "Ich werde mich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass hier ein möglichst einheitliches Vorgehen der Bundesländer verabredet wird", sagte Laumann.

Zusätzlich sei den Kommunen die Möglichkeit gegeben worden, in den Gesundheitsämtern die Zahl der Aushilfskräfte noch einmal kräftig aufzustocken. Die Zahl der vom Land finanzierten Stellen sei von 800 auf 2400 Stellen angehoben worden. Dazu komme die Amtshilfe der Bundeswehr.

Erneut sprach sich Laumann auch für die geplante allgemeine Impfpflicht aus. Sie müsse bis Ostern kommen. Die Impfpflicht werde zwar gegen die Omikron-Welle nicht mehr weiterhelfen, es gehe aber um zu erwartende Corona-Welle im nächsten Herbst. "Damit wir dann nicht wieder mit massiven Beschränkungen gegensteuern müssen, muss die Impfquote höher liegen." Laumann warf Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) "Führungsschwäche" vor, da er keine eigenen Vorschläge zur Impfpflicht mache.

Der CDU-Minister begrüßte die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (58, SPD), angesichts knapper werdender PCR-Tests Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen bei der Laborauswertung bevorzugen. In NRW liege die Kapazität der Labore bei bis zu rund 900.000 pro Woche. In der vergangenen Woche habe es 626.000 PCR-Tests gegeben.

Aber auch die Labore gerieten an ihre Personalgrenzen.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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