Überraschend niedrig! So sind Mitarbeiter im Nahverkehr vom Coronavirus betroffen

Berlin - Jeden Tag haben sie Kontakt zu Hunderten Fahrgästen - doch das Infektionsrisiko für Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr erscheint gering, hat der Branchenverband VDV in einer Umfrage ermittelt. Für die Fahrgäste ist die Lage unübersichtlicher.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt eine Maskenpflicht in Bus und Bahn.
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt eine Maskenpflicht in Bus und Bahn.  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Infektionsgefahr für Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr ist aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gering.

Bei einer Umfrage unter 94 Mitgliedsunternehmen mit rund 80.000 Beschäftigten seien seit März lediglich 233 Infektionen gemeldet worden, teilte der Verband am Donnerstag mit. "Das entspricht einer Quote von 0,29 Prozent", hieß es.

In der Umfrage differenziert der Verband auch nach einzelnen Berufsgruppen im ÖPNV. "Dabei stehen besonders die Beschäftigten im Fokus, die im Rahmen ihrer Tätigkeit direkten Kundenkontakt haben." Doch auch dort sei das Infektionsrisiko überraschend niedrig.

So liege die Quote beim Fahrpersonal, "der mit Abstand größten Berufsgruppe", bei 0,39 Prozent. Der VDV erklärt das vor allem mit der Maskenpflicht, Luft filternden Klimaanlagen in den Zügen und der kurzen Verweildauer der Fahrgäste im ÖPNV.

Deutlich höher sei die Quote mit rund 1,05 Prozent bei Beschäftigten in den Kundencentern. Hier verweilten die Kunden länger, und es werde mehr gesprochen, so dass sich Aerosole besser im Raum verteilten.

Mehr Schutz für die Angestellten durch Wände und intensiver Reinigung

Jeden Tag haben sie Kontakt zu Hunderten Fahrgästen - doch das Infektionsrisiko für Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr erscheint gering.
Jeden Tag haben sie Kontakt zu Hunderten Fahrgästen - doch das Infektionsrisiko für Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr erscheint gering.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Befragt wurden die Unternehmen laut VDV im September und Oktober nach Fällen seit März. Die Gewerkschaft Verdi bestätigte den Eindruck des Verbands auf Basis von eigenen Rückmeldungen aus den Betriebsräten. 

"Wir haben im April mit den Unternehmen klare Sicherheitsvorkehrungen für die Beschäftigten vereinbart, die nach wie vor funktionieren", sagte Mira Ball, Verdi-Fachgruppenleiterin für Busse und Bahnen.

So seien Schutzwände oder -türen für Fahrer eingerichtet sowie Reinigungsintervalle erhöht worden. "In anderen Ländern, in denen es solche Vorsichtsmaßnahmen nicht oder erst später gab, ist die Situation für die Beschäftigten deutlich schlechter", sagte Ball.

Während für die Beschäftigten das Risiko überschaubar scheint, ist die Lage für die Fahrgäste unübersichtlich. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass sich laut dem Robert Koch-Institut (RKI) nur für einen Bruchteil der derzeitigen Infektionsfälle in Deutschland nachvollziehen lässt, wo die Ansteckung wahrscheinlich stattfand.

Das ist in einem begrenzten Umfeld wie einer Familie oder eine Feier einfacher zu überblicken als in von vielen Menschen genutzten Räumen wie öffentlichen Verkehrsmitteln oder Bars.

Nachfrage nach Öffentlichen Verkehr stark gesunken

Die Verkehrsunternehmen werben um Fahrgäste. Die Nachfrage war während der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr nahezu zum Erliegen gekommen. Dennoch hatten die Unternehmen das Angebot weitgehend aufrechterhalten - und dabei schwere Umsatzeinbußen eingefahren.

Mit den einsetzenden Lockerungen im Sommer hatte sich die Fahrgastzahl nach und nach erholt. Seit einigen Wochen gehen die Infektionszahlen aber wieder steil nach oben.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0