Versuchter Protest vor Köppings Haus: Politiker fordern Entschuldigung der AfD

Grimma/Dresden - Gesundheitspolitiker der sächsischen Regierungsfraktionen haben den versuchten Protest vor dem Wohnhaus von Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) scharf verurteilt.

Knapp zwei Monate nachdem Corona-Kritiker mit Fackeln an ihrem Haus aufgetaucht waren, musste Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) schon wieder privat von der Polizei geschützt werden.
Knapp zwei Monate nachdem Corona-Kritiker mit Fackeln an ihrem Haus aufgetaucht waren, musste Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) schon wieder privat von der Polizei geschützt werden.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dp

"Aktionen vor den privaten Häusern von Politikern sind eine Grenzüberschreitung und widersprechen den Gepflogenheiten in unserer Gesellschaft", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Dierks (34) am Donnerstag.

Die Alternative für Deutschland befördere die Radikalisierungstendenzen und begreife sie als Teil ihrer politischen Strategie. "Eine Entschuldigung der AfD-Fraktion ist eine Frage des politischen und menschlichen Anstands."

Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums war am Mittwochnachmittag eine Demonstration vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin unterbunden worden.

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"Der AfD-Landtagsabgeordnete Jörg Dornau und ein weiteres AfD-Mitglied haben heute Nachmittag versucht, vor dem Privathaus von Gesundheitsministerin Petra Köpping eine Demonstration durchzuführen", teilte das Ministerium am Abend in Dresden mit.

Der Objektschutz der Polizei habe diese unterbunden.

Entschuldigung der AfD sei "das Mindeste"

Jörg Dornau (52, AfD) behauptet, er sei völlig unschuldig.
Jörg Dornau (52, AfD) behauptet, er sei völlig unschuldig.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der 52 Jahre alte Dornau widersprach der Darstellung des Innenministeriums am Donnerstag. Er und "ein Parteifreund" hätten definitiv nicht vor Köppings Grundstück gestanden, sondern "außerhalb von Hör- und Sichtweite", schrieb der AfD-Politiker auf seiner Facebook-Seite.

Sie hätten in der Ortschaft eine Spontankundgebung anmelden wollen, bei der zuständigen Behörde aber niemanden erreicht. "Danach kam ich mit zwei Polizisten vom örtlichen Revier ins Gespräch. Dass es sich dabei um den Objektschutz von Frau Köpping gehandelt haben soll, war für uns nicht zu erkennen", schrieb Dornau. Da die Behörde nicht erreichbar gewesen sei, seien sie gefahren.

Die Beteiligung eines AfD-Landtagsabgeordneten mache fassungslos, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Kathleen Kuhfuß (42). "Die Aktion zeigt erneut: Der AfD geht es nicht um einen demokratischen Diskurs oder um das Wohl des Landes. Sie zündelt und hetzt Menschen gegen Politikerinnen und Politiker auf."

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Auch die SPD-Gesundheitspolitikerin Simone Lang (50) sagte, dass eine Entschuldigung der AfD "das Mindeste" sei. Köpping habe die Solidarität aller demokratischen Kräfte im Land.

Anfang Dezember hatten sich bereits rund 30 Menschen laut rufend mit Fackeln und Plakaten vor dem Haus der SPD-Ministerin in Grimma versammelt.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dp

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