Was haben Syphilis und die Corona-Krise miteinander zu tun?

Berlin - In Berlin ist im ersten Halbjahr die Zahl der Syphilis-Infektionen angestiegen. Von Januar bis Juli registrierte das Robert Koch-Institut 690 Infektionen, im Vorjahreszeitraum waren es 651.

Während der Corona-Pandemie kommt es häufiger zu längeren Sexualkontakten, was eine Übertragung der Syphilis begünstigt. (Symbolfoto)
Während der Corona-Pandemie kommt es häufiger zu längeren Sexualkontakten, was eine Übertragung der Syphilis begünstigt. (Symbolfoto)  © 123RF/Katarzyna Białasiewicz

Nach Beobachtungen des Berliner Arztes Sven Schellberg könnte das am veränderten Sexualverhalten liegen: "Während der Corona-Zeit hat die Zahl der Erkrankungen zugenommen, für die man etwas längere Kontakte braucht", sagt Schellberg.

"Die Leute treffen sich nicht mehr zu Quickies, sondern eher im kleinen Kreis von fünf bis zehn Personen und verbringen mehrere Stunden zusammen." Längere Sexualkontakte begünstigten die Übertragung der Syphilis, erläutert der Mediziner.

In seiner Praxis, die auf sexuelle Gesundheit spezialisiert ist, habe er einen Syphilis-Anstieg um etwa 30 Prozent beobachtet. Sexuelle Erkrankungen seien in der Corona-Zeit insgesamt nicht deutlich weniger geworden. "Was wir sehen, ist eine qualitative Veränderung", sagt Schellberg.

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"Normalerweise sind Infektionen häufig, die man sich bei der schnellen Nummer holt wie etwa Chlamydien oder Gonokokken." Für deren Übertragung reiche schon ein kurzer Oralverkehr.

Derzeit untersuchten Wissenschaftler des RKI genauer, wie sich die Corona-Zeit auf verschiedene Infektionskrankheiten ausgewirkt hat. Der Welttag Sexuelle Gesundheit am 4. September soll für das Thema sensibilisieren. 2020 richtet sich der Fokus auf sexuelle Gesundheit in der Corona-Pandemie.

Titelfoto: 123RF/Katarzyna Białasiewicz

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