Konzern kündigt 230 Mitarbeitern wegen Corona: Gewerkschaft protestiert und hat Verdacht

Frankfurt am Main - Der in Frankfurt ansässige Dienstleistungskonzern WISAG hat kurz vor Weihnachten rund 230 Mitarbeiter entlassen – angeblich wegen der Folgen der Coronavirus-Pandemie.

Das Foto zeigt Teilnehmer der Protest-Aktion vor der WISAG-Konzernzentrale in Frankfurt.
Das Foto zeigt Teilnehmer der Protest-Aktion vor der WISAG-Konzernzentrale in Frankfurt.  © TAG24/Sarah Eisenbarth

Doch die Gewerkschaft IGL hat den Verdacht, dass ein ganz anderes Motiv hinter den Kündigungen steckt und protestierte deshalb am Dienstag.

Rund 50 Demonstranten versammelten sich vor der Konzernzentrale in Frankfurt-Niederrad.

"Wir haben uns hier versammelt, um zu zeigen, dass wir nicht damit einverstanden sind, dass man uns einfach so kündigt", sagte ein Sprecher.

Zum Hintergrund: WISAG bezeichnet sich selbst als größten privaten Full-Service-Partner für Flughafen-Dienstleistungen in Deutschland. Die kurz vor Weihnachten entlassenen rund 230 Angestellten waren für zwei Tochtergesellschaften des Konzerns am Flughafen Frankfurt tätig.

Wie WISAG mitteilte, habe man sich zu den betriebsbedingten Kündigungen entschlossen, da die Luftfahrtbranche aktuell mit starken Einschnitten infolge der Corona-Krise zu kämpfen habe und man bei WISAG nicht davon ausgehe, dass der Luftverkehr nach der Krise zu seinem früheren Niveau zurückkehren werde.

Aus diesem Grund habe man sich auch für Kündigungen und gegen das Modell der Kurzarbeit entschieden, denn Letzteres wäre dem Konzern zufolge nur bei einem vorübergehenden Arbeitsausfall sinnvoll.

In Hinsicht auf die Luftverkehrsbranche "gehen derzeit nahezu alle Marktteilnehmer davon aus, dass es ein 'Back to Normal' nicht geben wird, es wird sich vielmehr ein 'New Normal' im Luftverkehr entwickeln – auf niedrigerem Niveau", sagte ein WISAG-Sprecher. "Wir teilen diese Einschätzung."

Angebliche Corona-Entlassungen bei WISAG: Geht es um Lohndrückerei?

Die Demonstranten versammelten sich am Dienstagnachmittag vor der WISAG-Zentrale in Frankfurt-Niederrad.
Die Demonstranten versammelten sich am Dienstagnachmittag vor der WISAG-Zentrale in Frankfurt-Niederrad.  © TAG24/Sarah Eisenbarth

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) hat starke Zweifel an dieser Prognose.

Ein Sprecher der Gewerkschaft betonte am Dienstag gegenüber TAG24, dass WISAG nach der Krise in jedem Fall qualifiziertes Personal benötigen werde, und genau dieses könne über das Mittel der Kurzarbeit auch gehalten werden.

Man sei daher "sehr verwundert" angesichts der durch den Konzern ausgesprochenen Kündigungen.

Wie der IGL-Sprecher erklärte, hat man bei der Gewerkschaft den Verdacht, dass ein ganz anderes Motiv hinter den Entlassungen stecken könnte.

WISAG arbeite schon jetzt mit zahlreichen Subunternehmern zusammen. Laut dem Gewerkschafter hält man es zumindest für möglich, dass die Kündigungen vor allem dazu führen sollen, die entlassenen Mitarbeiter am Flughafen Frankfurt nach der Corona-Krise durch schlechter entlohnte Angestellte eines Subunternehmers zu ersetzen.

Sollte sich dieser Verdacht der Gewerkschaft bewahrheiten, ginge es bei den Entlassungen bei WISAG wohl weniger um die Folgen der Coronavirus-Pandemie als vielmehr darum, Löhne zu drücken?

Was in diesem Zusammenhang auffällt: Ein Teilnehmer des Protests am Dienstag berichtete TAG24, dass ihm nach der Kündigung vom WISAG-Konzern angeboten worden sei, mit einem neuen Arbeitsvertrag, jedoch zu schlechteren Konditionen ("ohne 13. Monatsgehalt") wieder in denselben Job am Frankfurter Flughafen einzusteigen.

Titelfoto: TAG24/Sarah Eisenbarth

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