Die Grippe ist zurück: Gefährlicher Virusstrang bedroht Europa!

Brüssel (Belgien) - Hört das denn nie auf? Nachdem die Grippesaison 2021 lockdownbedingt ausgefallen war, breitet sich nun offenbar ein besonders aggressiver Virusstrang in Europa aus. In Frankreich hat diese zweite Epidemie bereits begonnen, berichtet Reuters.

Man könnte es fast vergessen haben - auch gegen die Grippe schützt eine Impfung. (Symbolbild)
Man könnte es fast vergessen haben - auch gegen die Grippe schützt eine Impfung. (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Bisher schien Europa auch im zweiten Corona-Jahr locker um die Grippewelle herumzukommen. Doch das Wegfallen von strengen Corona-Maßnahmen scheint nun auch diesem Virus wieder die Türen zu öffnen.

So zirkulierten die Grippeviren in Europa bereits seit Mitte Dezember 2021 schneller als erwartet. Das teilt die EU-Seuchenschutzbehörde European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in einem neuen Bericht mit.

Immerhin 43 Menschen lagen Ende Dezember auf europäischen Intensivstationen. Das ist zwar nur ein Bruchteil von dem, was heftige Grippewellen bisher "schafften" (etwa 400 Influenza-Intensivpatienten in 2018), dennoch bedeutend mehr als in der vorherigen Saison. In der gab es nämlich nur einen einzigen Patienten.

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Doch das ist nicht die einzige beunruhigende Nachricht. ECDC-Influenzaexperte Pasi Penttinen erklärte Reuters nämlich, dass die Grippesaison sich ungewöhnlich lang hinziehen könnte - bis in den Sommer.

Gründe nannte der Fachmann gleich mehrere.

Grippe-Impfstoff wohl "nicht optimal"

So sieht der aktuelle Grippe-Impfstoff "Vaxigrip Tetra 2021/2022" vom Hersteller Sanofi Pasteur Europe aus.
So sieht der aktuelle Grippe-Impfstoff "Vaxigrip Tetra 2021/2022" vom Hersteller Sanofi Pasteur Europe aus.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

"Wenn wir beginnen, alle Maßnahmen aufzuheben, habe ich die große Sorge mit Blick auf Influenza, dass wir uns vielleicht vom normalen Saisonverlauf entfernen, weil das Virus so lange Zeit fast gar nicht in der europäischen Bevölkerung zirkulierte", so Penttinen.

Eine sogenannte "twindemic", also eine Zwillings-Epidemie aus Grippe und Covid-19, könnte die ohnehin schon am Limit arbeitenden Gesundheitssysteme unter übermäßigen Druck setzen, schreiben die Experten im Bericht des ECDC.

Erschwerend komme hinzu, dass es sich bei dem in diesem Jahr vorherrschenden Grippestamm offenbar um den H3-Stamm des A-Virus handele. Dieser löst bei älteren Menschen die schwersten Verläufe aus. Auch der Grippe-Impfstoff könnte diesmal "möglicherweise nicht optimal sein", so Penttinen.

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Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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