Riesen-Wirbel um Kamenzer Kirche: Facebook sperrt unser Sachsen-Gemälde!

Kamenz - Die Lessingstadt Kamenz sorgte beim Internet-Riesen Facebook in den vergangenen Tagen für mächtig Wirbel. Der Grund: Ein historisches Wandgemälde in der Sakralkirche St. Annen, welches die Jesus-Kreuzigung zeigt. Und welches Facebook plötzlich blockierte!

Die Sakralkirche St. Annen in Kamenz. Ein Geheimtipp für alle Touris in Sachsen.
Die Sakralkirche St. Annen in Kamenz. Ein Geheimtipp für alle Touris in Sachsen.  © Arno Burgi dpa/lsn

Kennt Ihr die Klosterkirche St. Annen in Kamenz? Falls nicht, eines vorab: Ein Besuch lohnt sich.

Da die Kirche in der wunderschönen Lessingstadt unter anderem ein einzigartiges Gemälde führt, kommen Reisende aus aller Welt um sich auch die Kirche und das Sakralmuseum anzusehen.

Und ausgerechnet dieses Gemälde sorgte jetzt für mächtig Wirbel bei Facebook!

Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen postet auf Facebook beinahe täglich Sehenswürdigkeiten und auch den ein oder anderen Geheimtipp neben den großen Touri-Spots. 

In Zeiten von Corona und dem verstärkten Sommerurlaub in Deutschland oder der Region natürlich ein willkommener Appetizer für alle Reiselustigen.

Am 9. August war dann also die St. Annen Kirche in Kamenz dran. Vier Bilder vom äußeren und inneren der Kirche soll Touristen und historisch Interessierte in die Oberlausitz locken. 

Mit dabei auch das Werk von Wolfgang Krodel aus dem Jahre 1542. Es zeigt die Jesus-Kreuzigung, ein Wandgemälde im Kircheninneren.

Und Facebook? Der Social-Media-Riese sperrte genau dieses Bild des Wandgemäldes. Der Grund: Gewaltverherrlichung! Bitte was?

Facebook-Algorithmus schlägt an, menschliche Prüfung mit selbem (schrägen) Ergebnis

Um dieses Gemäde geht es. Die Kreuzigungsszene, gemalt vom Cranach-Schüler Wolfgang Krodel.
Um dieses Gemäde geht es. Die Kreuzigungsszene, gemalt vom Cranach-Schüler Wolfgang Krodel.  © Screenshot/Facebook Sachsen Tourismus

Was im ersten Moment unglaublich klingt, ist recht schnell verständlich erklärt. 

Facebook hat eine automatische Vorrichtung, die es sich vorbehält sensible Posts wie Bilder oder Videos von der Plattform zu entfernen beziehungsweise zu sperren, die unter anderen gewaltverherrlichend sind.

Da es sich in der Erstprüfung um einen Algorithmus handelt, kann es da dann schon mal sein, dass es zu einem Fall wie diesem kommt. Konkret: Ein Gemälde (und geschichtsträchtiges Werk) wird dann entsprechend eingestuft und gesperrt.

Wenig später wurde der Fall dann noch einmal von menschlicher Hand geprüft. Das überraschende Ergebnis: Facebook blieb bei der Sperre!

Tourismus-Chefin ohne Verständnis, Facebook lenkt ein

Ebenfalls ein Hingucker: Der Annenaltar in der St. Annen Kirche.
Ebenfalls ein Hingucker: Der Annenaltar in der St. Annen Kirche.  © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Ja ist denn das die Möglichkeit? Ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, dass eine historische, ja gerade zu DIE Szene aus dem christlichen Glauben zeigt, ist nicht vorzeigbar auf Facebook?

Tourismus-Chefin Veronika Hiebl (50) äußerte sich wenig später gegenüber der Bild zu dem Vorfall. Sie habe im Grunde genommen "großes Verständnis für die Kontrolle von Facebook-Posts", so Hiebl.

Dass allerdings sogar die menschliche Prüfung zu einem solch schrägen Urteil gekommen ist, war auch für sie nur schwer nachvollziehbar: "Dass die menschliche Kontrolle unseres Posts nicht funktionierte, geht gar nicht."

Inzwischen ist das Gemälde im Übrigen doch wieder sichtbar, Facebook gab nach. Welch großer Wirbel durch eine schmucke Kirche in der beschaulichen Oberlausitz.

Titelfoto: Arno Burgi dpa/lsn ; Screenshot/Facebook Sachsen Tourismus

Mehr zum Thema Facebook:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0