Einsatz für das Leben anderer: So gefährlich ist es bei der Feuerwehr

München - Hunderte Feuerwehrleute werden jedes Jahr in Bayern im Dienst verletzt. Die Feuerwehr-Gewerkschaft führt das auch auf strukturelle Probleme zurück.

Feuerwehrleute stehen in den Trümmern einer Halle. In Bayern haben sich vergangenes Jahr 712 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Dienst verletzt.
Feuerwehrleute stehen in den Trümmern einer Halle. In Bayern haben sich vergangenes Jahr 712 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Dienst verletzt.  © Mario Obeser/dpa

So sind im Freistaat im vergangenen Jahr 712 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Dienst verletzt worden. Das teilte der Landesfeuerwehrverband mit. 

Insgesamt habe es 755 "meldepflichtige Vorfälle" gegeben, sagte der zuständige Fachbereichsleiter Jürgen Weiß der Deutschen Presse-Agentur in München

Darunter fielen aber auch 43 Unfälle, die auf dem Weg zur Arbeit passierten. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen damit gestiegen. 

2018 gab es nach Angaben des Verbandes 721 meldepflichtige Vorfälle, darunter 657 Arbeits- und 64 Wegunfälle. 

In den vergangenen beiden Jahren gab es nach Angaben des Verbandes keine Todesfälle im Dienst.

Gründe für die Unfälle im Dienst waren laut Weiß in den meisten Fällen Unachtsamkeiten. Strukturelle Probleme sehe er nicht.

Könnte man Feuerwehrleute besser schützen?

Auch Feuerwehrleute erfahren im Einsatz Aggressionen gegen sich. (Symbolbild)
Auch Feuerwehrleute erfahren im Einsatz Aggressionen gegen sich. (Symbolbild)  © Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

"Es gibt durchaus Unachtsamkeiten, keine Frage", sagte der Sprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, Tobias Thiele. 

Doch er sieht auch ein teilweise strukturelles Problem. "Gerade nach Unfällen auf Autobahnen oder anderen Schnellstraßen gäbe es bessere Möglichkeiten, die Feuerwehrleute zu schützen." 

Als Beispiel nannte er Verkehrsleitanhänger, die Straßenmeistereien positionieren, um einen möglichen Aufprall eines Lastwagens abfangen zu können, ohne dass Menschen zu Schaden kommen. "Solche Anhänger würden wir auch dankend annehmen." 

Außerdem gebe es auch immer wieder Aggressionen gegen Feuerwehrleute - beispielsweise von gaffenden Autofahrern nach Unfällen. "Es gab schon Kollegen, die sich mit einem Sprung zur Seite retten mussten", sagte Thiele. 

"Dieses Phänomen erlebt man immer mehr."

Corona-Krise betrifft auch Feuerwehr-Ausbildung

Die Corona-Krise könnte laut dem Bundes- und Landesvorsitzende der Gewerkschaft die Situation an den Ausbildungsplätzen noch verschlimmern.
Die Corona-Krise könnte laut dem Bundes- und Landesvorsitzende der Gewerkschaft die Situation an den Ausbildungsplätzen noch verschlimmern.  © Peter Kneffel/dpa

Der Bundes- und Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Siegfried Maier, sieht einen Grund für Verletzungen auch in einer unzureichenden Ausbildung. 

"Wir haben da schon Schwierigkeiten: Die Landesfeuerwehrschulen könnten mit mehr Personal ausgestattet werden, damit die Vorbereitung ein bisschen anders ist", sagte er.

Er gehe davon aus, dass sich die Situation wegen der Corona-Pandemie noch verstärken wird. "Lehrgänge sind ins Stocken geraten. In diesem Jahr hat ja keine Ausbildung stattfinden können wegen Corona und immer, wenn jemand wenig ausgebildet wurde, macht er Fehler."

Verletzungen im Allgemeinen seien oft auch auf einen mangelnden Trainingszustand zurückzuführen. Er sprach sich darum für kostenlose Sportangebote für Feuerwehrleute aus. 

"Das führt vielleicht auch dazu, dass wir wieder mehr Freiwillige in die Feuerwehren bekommen."

Titelfoto: Mario Obeser/dpa

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