Von Katzen bis Elefanten: Spezial-Einheit der Feuerwehr rettet Tiere

Kelkheim - Eine Abteilung des Kreisfeuerwehr-Verbands Main-Taunus rettet Menschen, aber auch in Not geratene Tiere. Von Bienen über Katzen bis hin zu Pferden und Elefanten haben die Spezialisten schon viel erlebt. Unter den freiwilligen Feuerwehren sind sie mit ihrer Einheit eine Besonderheit.

Feuerwehrleute und Helfer versuchen ein Pferd zu retten, das zuvor in einen Bachlauf im hessischen Schlangenbad gefallen war.
Feuerwehrleute und Helfer versuchen ein Pferd zu retten, das zuvor in einen Bachlauf im hessischen Schlangenbad gefallen war.  © Lukas Krämer/Wiesbaden112/dpa

Das Pferd im Schwimmbecken wird Stefan Kunisch so schnell nicht vergessen. Der Wallach hatte selbstständig seine Boxentür geöffnet, war spazieren gegangen und dabei in den mit einer grünen Plane abgedeckten Pool gefallen.

Zweieinhalb Stunden dauerte es, bis die Tierretter ihn mit einem Hebegeschirr und einem Kran herausgeholt hatten.

"Er hat das letztlich gut überstanden, war nur leicht verletzt", erzählt Kunisch, der bei der Tierrettung in Kelkheim mitwirkt.

Seines Wissens nach gehört sein Verband zu den wenigen freiwilligen Feuerwehren in Hessen mit einer eigenen Abteilung zur Tierrettung. Genaueres weiß auch der Landesfeuerwehr-Verband mit Sitz in Kassel nicht. 

Einige Berufsfeuerwehren haben entsprechend ausgebildetes Personal und für die Tierrettung geeignete Fahrzeuge, wie ein Sprecher sagte. Eine Übersicht über entsprechende Abteilungen bei den freiwilligen Feuerwehren gebe es aber nicht.

Die spezielle Tierrettungs-Einheit in Kelkheim besteht aus 13 Feuerwehr-Männern und fünf Feuerwehr-Frauen, die diese Aufgabe ehrenamtlich zusätzlich übernommen haben.

Natürlich ist die obligatorische Katze auf dem Baum immer mal wieder dabei

Mit einer Drehleiter nähern sich die Feuerwehrleute Sandra Kalweit (r) und Holger Göbel der Katze "Nala", die sich auf die Dachrinne eines Hauses in Friedrichsdorf verirrt hatte und sich weder vor noch zurück bewegte.
Mit einer Drehleiter nähern sich die Feuerwehrleute Sandra Kalweit (r) und Holger Göbel der Katze "Nala", die sich auf die Dachrinne eines Hauses in Friedrichsdorf verirrt hatte und sich weder vor noch zurück bewegte.  © dpa/Wiesbaden112.de

Angefangen hatte alles im Jahr 2002 nach einem schweren Unfall mit einem Tiertransporter im Main-Taunus-Kreis; der Landkreis fragte daraufhin beim Kreisfeuerwehr-Verband an, ob nicht eine entsprechende Einheit zur Tierrettung gegründet werden könne.

Zwei Jahre später war es soweit, die entsprechenden Mitglieder der Feuerwehren Kelkheim, Münster und Liederbach waren geschult und einsatzbereit.

Seitdem stehen für sie jedes Jahr im Schnitt 15 bis 20 Einsätze an, bei denen sie Tiere retten. Natürlich ist die obligatorische Katze auf dem Baum immer mal wieder dabei, auch wenn Kunisch als Leiter der Tierrettung sagt: "Eigentlich kommen alle Katzen auch von alleine wieder runter."

Die kleinsten Tiere waren bislang Bienen, die sich vor einem Supermarkt-Eingang häuslich niedergelassen hatten. Der Bienenstock wurde von den Feuerwehrleuten entfernt.

Seit den Corona-bedingten Schließungen ist die Zahl der Einsätze zurückgegangen. "Auch allgemein gibt es weniger Feuerwehreinsätze", berichtet Kunisch. In den vergangenen Monaten wurden die Tierretter lediglich einige Male wegen gesichteter Schlangen gerufen.

Generell beschäftigen diese Reptilien die Tierretter häufig, erzählt Kunisch. Zu den spektakulären Fällen gehört eine mehrere Meter lange Netzpython, die sich von einem Balkon abseilte – sehr zum Schrecken der Bewohner im Stockwerk darunter.

Das größte Tier, dem geholfen wurde, war vor vielen Jahren ein Elefant im nahen Opel-Zoo in Kronberg, der nicht mehr aufstehen konnte.

Unvergessen ist auch der Einsatz bei einem Brand auf einem Reiterhof in Kelkheim im Sommer 2018. Über 40 Pferde flohen vor den Flammen. "Das war ein Ausnahmezustand", sagt Kunisch heute noch.

Panische Tiere kamen den Rettern entgegengaloppiert; ein Pferd starb, nachdem es gegen ein Löschfahrzeug gerannt war. "Es ist sehr wichtig, dass man in brenzligen Situationen Ruhe ausstrahlt und eine Beziehung zu dem Tier aufbaut", weiß der 44-Jährige.

Ein großes Plastikpferd wurde zu Übungs-Zwecken angeschafft

Ein Pferd aus Plastik steht auf Rollen vor einem Fahrzeug der Tierrettung des Kreisfeuerwehr-Verbandes Kelkheim.
Ein Pferd aus Plastik steht auf Rollen vor einem Fahrzeug der Tierrettung des Kreisfeuerwehr-Verbandes Kelkheim.  © Sabine Maurer/dpa

Damit im Fall des Falles jeder Handgriff sitzt, werden mehrfach im Jahr Lehrgänge besucht und natürlich wird auch im heimischen Main-Taunus-Kreis geübt.

Dabei hilft ein Pferd aus Plastik, das sich die Feuerwehr für mehrere tausend Euro gekauft hat. Das 1,62 Meter große und 200 Kilogramm schwere Tier steht auf Rollen, damit es gut transportiert werden kann. Viele Gelenke können bewegt werden, sodass die Feuerwehrleute etliche Szenarien üben können.

Auch ansonsten sind die Kelkheimer Retter bestens ausgestattet, zum Beispiel mit Hebegeschirren und einem knallroten Tiertransporter in XXL, der speziell für sie angefertigt wurde.

Alarmiert werden die Tierretter meist von der Polizei oder vom Rettungsdienst, je nach Aufwand kostet ihr Einsatz zwischen 500 und 5000 Euro. Wenn der Tierhalter Pech hat, muss er das selbst bezahlen. "Das kann man aber nicht so generell sagen. Es kommt immer darauf an, wer wie was verursacht hat", so Kunisch.

Ähnlich äußert sich auch Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehr-Verbandes Hessen. "Tierrettung ist Sache der Feuerwehr", sagt er. "In der Regel sind Brandeinsätze und Einsätze zur Menschenrettung kostenfrei, alles andere liegt im Ermessensspielraum der Kommunen."

Die Wehren seien unterschiedliche auf die Tierrettung vorbereitet: Einige haben demnach spezielle Fahrzeuge mit Gurten, um beispielsweise ein großes Tier anzuheben, andere Netze zum Einfangen von Hunden.

Titelfoto: dpa/Wiesbaden112.de

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