31 Tote bei Untergang eines Migrantenboots im Ärmelkanal

Calais - Beim Untergang eines Bootes mit Migranten auf dem Weg nach Großbritannien sind 31 Menschen gestorben. Darunter befanden sich fünf Frauen und ein kleines Mädchen, wie Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin (39) am Mittwochabend in Calais mitteilte.

Polizisten patrouillieren an der französischen Ärmelkanalküste am Strand auf der Suche nach Migranten. (Archivbild)
Polizisten patrouillieren an der französischen Ärmelkanalküste am Strand auf der Suche nach Migranten. (Archivbild)  © Louis Witter/AP/dpa

Zwei weitere Menschen, die sich auf dem Boot befanden, konnten gerettet werden, schwebten aber in Lebensgefahr. Vier Schleuser, die möglicherweise an der gescheiterten Überfahrt beteiligt waren, seien festgenommen worden, sagte Darmanin.

"Das ist das größte Drama, was wir bisher erlebt haben." Auch Premierminister Jean Castex (56) sprach von einer Tragödie, seine Gedanken seien bei den zahlreichen Opfern.

Präsident Emmanuel Macron (43) rief unterdessen zu einer Krisensitzung auf europäischem Niveau auf. Frankreich werde nicht zulassen, dass der Ärmelkanal sich in einen Friedhof verwandele und Schleuser Menschenleben in Gefahr brächten.

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Die Mittel der Grenzschutzagentur Frontex an den Außengrenzen der EU müssten unverzüglich erhöht werden. Gemeinsam mit Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland müsse verstärkt gegen kriminelle Schleusernetzwerke vorgegangen werden, verlangte Macron.

Seit Jahresbeginn seien 1552 Schleuser an der französischen Küste gefasst worden.

Anzahl der illegalen Migranten verdreifacht

Immer mehr Migranten versuchen Großbritannien per Fahrt über den Ärmelkanal zu erreichen. (Archivbild)
Immer mehr Migranten versuchen Großbritannien per Fahrt über den Ärmelkanal zu erreichen. (Archivbild)  © Gareth Fuller/PA Wire/dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson (57) sagte, er sei "schockiert, entsetzt und zutiefst betrübt" nach dem Tod der Migranten, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Als Reaktion berief er das nationale Sicherheitskabinett ein.

Wie die Maritime Präfektur mitteilte, setzte ein Fischerboot den Notruf ab, dass sich Migranten in Seenot im Ärmelkanal befänden. Mit drei Booten und Hubschraubern aus Frankreich und Großbritannien bemühten sich Helfer um eine Bergung, die Suche wurde dann am Abend abgebrochen.

Sämtliche Opfer wurden nach Calais gebracht. Die Zeitung La Voix du Nord berichtete von einer bleiernen Stille in dem von Sicherheitskräften abgesperrten Hafen, als die Toten in der Dunkelheit an Land gebracht wurden.

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Im laufenden Jahr haben bisher mehr als 25.700 Menschen illegal den Ärmelkanal überquert. Das sind fast dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2020. Die britische Regierung wirft Frankreich vor, nicht genug gegen illegale Überfahrten zu unternehmen, Paris weist das zurück.

Erst im Juli hatten beide Seiten ein neues Kooperationsabkommen vereinbart, um die wachsende Zahl der Migranten, die mit kleinen Booten über den Ärmelkanal nach England kommen, in den Griff zu bekommen. London sagte dabei 62,7 Millionen Euro zu, um die französischen Behörden zu unterstützen.

Titelfoto: Louis Witter/AP/dpa

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