Aus Hunger giftige Pilze gegessen? In Sicherheit gebrachte Kinder aus Afghanistan gestorben

Warschau - In Polen ist ein erst kürzlich aus Afghanistan in Sicherheit gebrachter fünfjähriger Junge nach einer Pilzvergiftung gestorben.

Polizeibeamte stehen an der polnischen Grenze, an der sich mehrere Dutzend Flüchtlinge befinden. Ein fünf Jahre altes Kind ist dort in einem Auffanglager durch einen giftigen Pilz ums Leben gekommen.
Polizeibeamte stehen an der polnischen Grenze, an der sich mehrere Dutzend Flüchtlinge befinden. Ein fünf Jahre altes Kind ist dort in einem Auffanglager durch einen giftigen Pilz ums Leben gekommen.  © Artur Reszko/PAP/dpa

Auch sein ein Jahr älterer Bruder sei nach einer Lebertransplantation weiterhin in sehr kritischem Zustand, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag. Das Gehirn des Kindes sei schwer geschädigt.

Die Familie der beiden Jungen war erst am 23. August in einem Auffanglager etwa 30 Kilometer südlich von Warschau eingetroffen. Einem Bericht des Nachrichtenportals Oko.press zufolge hatte Polen die zwölfköpfige Familie auf Bitten Großbritanniens aus Kabul ausgeflogen, da der Vater dort für die britische Armee tätig gewesen sein soll.

Einen Tag nach ihrer Ankunft in dem Auffanglager sei die Familie auf dem waldigen Geländes des Lagers Pilze sammeln gegangen und habe sich daraus eine Suppe zubereitet.

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Nach Informationen der Nachrichtenagentur PAP wurde die Vergiftung von Grünen Knollenblätterpilzen ausgelöst. Diese hochgiftigen Pilze werden auch in Deutschland häufig mit essbaren Champignons verwechselt.

Ein Sprecher der polnischen Ausländerbehörde sagte, nach der Pilzmahlzeit hätten sich mehrere Familienmitglieder mit Magenproblemen gemeldet, aber die Pilze nicht erwähnt. Die beiden Jungen und ein 17-jähriges Mädchen wurden schließlich in das zentrale Kinderkrankenhaus in Warschau gebracht.

Die 17-Jährige konnte mittlerweile aus der Klinik entlassen werden.

Update, 4. September, 9 Uhr: Zweiter Junge aus Afghanistan stirbt nach Pilzvergiftung

In Polen ist das zweite Kind einer kürzlich aus Afghanistan in Sicherheit gebrachten Familie nach einer Pilzvergiftung gestorben. Das Leben des sechs Jahre alten Jungen konnte nicht mehr gerettet werden, teilte das zentrale Kinderkrankenhaus in Warschau am Freitag mit.

Ein Sprecher der polnischen Ausländerbehörde wies am Freitag Medienberichte zurück, wonach die Flüchtlinge in der Unterkunft zu wenig zu Essen bekommen hätten. Am Tag nach ihrer Ankunft hätten die Afghanen ein Mittagessen aus zwei Gängen sowie Proviant erhalten. Die tägliche Verpflegung bestehe aus drei Mahlzeiten.

Die Staatsanwaltschaft befragt inzwischen die Beschäftigten des Auffanglagers zum Hergang des Unglücks. Sie ermittelt wegen Fahrlässigkeit.

Titelfoto: Artur Reszko/PAP/dpa

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