CDU-Thüringen will auf Facebook über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheiden

Suhl/Thüringen - Mit einer ziemlich kuriosen, ungewöhnlichen und vielleicht auch geschmacklosen Idee wollte die Thüringer Landtagsfraktion der CDU über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheiden. 

Delegierte auf dem Landesparteitag der Thüringer CDU.
Delegierte auf dem Landesparteitag der Thüringer CDU.  © Michael Reichel/dpa

Normalerweise werden solche Debatten im Thüringer Landtag entschieden. Die Thüringer CDU hat sich jedoch etwas "Kreatives" einfallen lassen und ein Online-Voting veranstaltet.

"Erstaufnahme in Suhl völlig überfüllt. Sollte Thüringen zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen?", lautete die Überschrift der Umfrage. 

Wer dafür war, sollte auf den "Gefällt mir"-Knopf drücken. Wer ein "Nein" bevorzugte, musste den wütenden Emoji nehmen. 

Die ungewöhnliche Art über die Aufnahme von Flüchtlingen zu entscheiden, sorgte für Kritik: 

"Will die CDU Fraktion Thüringen noch Hetze und Rassismus befördern? Wer humanitäre Fragen auf ein rechtspopulistisches Online-Voting reduziert, verabschiedet sich aus jedem seriösen Diskurs. Ich möchte Ihnen am liebsten den Rücken zudrehen, so ekelt mich Ihr Populismus an!", schrieb Verbandsfunktionär Tobias Bringmann. 

CDU-Thüringen: Zu viele Flüchtlinge, kein Hygienekonzept

Die Landtagsfraktion kritisiert, dass in der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl momentan 540 Migranten untergebracht sind, die Unterkunft allerdings über kein offizielles Hygienekonzept verfügt.

"In einem Entwurf ist die Rede davon, dass aufgrund der Hygienebestimmungen maximal 300 Menschen in Suhl aufgenommen werden dürfen", schreibt die Partei auf Facebook. 

Nach mathematischen Kenntnissen und der Argumentation der Partei sind derzeit 240 Geflüchtete mehr als eigentlich vorgesehen in der Einrichtungen im Süden Thüringens.

Laut der Fraktion will Migrationsminister Dirk Adams (52, Grüne) 250 weitere Flüchtlinge aufnehmen. 

"Der Freistaat muss die Gesundheit von Mitarbeitern und Flüchtlingen in Suhl schützen. Kann er dies nicht gewährleisten, dann dürfen auch keine weiteren Flüchtlinge aufgenommen werden", erklärte die Thüringer CDU auf Facebook.

Ohne Seehofer geht nichts

Seit dem Brand des Flüchtlingslagers in Moria ist die politische Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen wieder neu entfacht.

Thüringen würde gerne zusätzliche Migranten aufnehmen, dafür braucht der Freistaat jedoch die Zustimmung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (71, CSU), der nach wie vor auf seinem Nein in dieser brisanten Diskussion behaart (TAG24 berichtete).

In den Kommentaren bezeichneten einige Nutzer das Voting der Partei als "rechtspopulistisch" und eine Methode "von der AfD abgeschaut". 

Titelfoto: Michael Reichel/dpa

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